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ÜBER DAS GEBET.

[Übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner]

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Inhalt:

1. Kap. Die Gebetsweise des Christentums entspricht dem Wesen seines Stifters und dem Charakter des Evangeliums.

2. Kap. Das Vaterunser. Bedeutung der Anrede.

3. Kap. Erklärung der ersten Bitte. 

4. Kap. Die zweite Bitte.

5. Kap. Die dritte Bitte.

6. Kap. Die vierte Bitte.

7. Kap. Die fünfte Bitte.

8. Kap. Die sechste und siebente Bitte.

9. Kap. Rückblick.

10. Kap. Man darf Gott auch noch andere Bitten und Gebete vortragen.

11. Kap. Man soll, wenn man betet, keinen Zorn gegen die Mitbrüder hegen.

12. Kap. Man soll beim Gebet von aller Unordnung des Geistes frei sein.

13. Kap. Über den Gebrauch, vor dem Gebete die Hände zu waschen.

14. Kap. Apostrophe.

15. Kap. Über das Ablegen der Oberkleider.

16. Kap. Über das Hinsitzen nach dem Gebete.

17. Kap. Über das Aufheben der Hände beim Gebete.

18. Kap. Über den Friedenskuß.

19. Kap. Über das Stationsfasten.

20. Kap. Über die Kleidung der Frauen.

21. Kap. Über die Jungfrauen. Manche behaupten, sie dürften unverschleiert in der Kirche erscheinen.

22. Kap. Bekämpfung dieser Meinung.

23. Kap. Über das Knien beim Gebete.

24. Kap. Über den Ort des Gebetes.

25. Kap. Über die Gebetszeiten.

26. Kap. Von der Verabschiedung bei den Christen. |248 

27. Kap. Über den Gebrauch der Psalmen beim Gebete und des Allelujah.

28. Kap. Über die geistige Opfergabe.

29. Kap. Über die Kraft and Wirksamkeit des Gebetes. Schluß.

1. Als Gottes Geist und Gottes Wort und Gedanke Gottes hat er, das Wort des Gedankens und der Gedanke des Wortes und Geistes1), ---- und beides ist ja Jesus Christus, unser Herr ---- uns, den Jüngern des neuen Bundes, auch eine neue Gebetsform vorgeschrieben. Er mußte nämlich auch in dieser Hinsicht den neuen Wein in neuen Schläuchen verwahren und einen neuen Flicken auf das neue Kleid setzen. Im übrigen aber ist das Frühere entweder gänzlich abgeschafft worden, wie die Beschneidung, oder ergänzt, wie das sonstige Gesetz, oder erfüllt, wie die Weissagung, oder zur Vollendung gebracht, wie der Glaube selbst. Alles hat die neue Gnade Gottes aus dem fleischlichen Stande zum geistigen erneuert durch Hinzufügung des Evangeliums, welches das gesamte frühere Altertum abschließt, in welchem sich unser Herr Jesus Christus als der Geist Gottes und als das Wort Gottes und als die Vernunft Gottes bewährte, als der Geist Gottes dadurch, daß er stark war; als das Wort Gottes dadurch, daß er lehrte; als die Vernunft Gottes dadurch, daß er kam. So besteht denn auch die von Christus angeordnete Art zu beten aus drei Dingen: aus dem Worte, weil es ausgesprochen wird, aus dem Geiste, wodurch es so viel Kraft hat, und aus dem Gedanken, womit es gelehrt wird2). |249 

Wohl hatte auch Johannes seine Schüler beten gelehrt; aber alles Tun des Johannes arbeitete nur Christo vor, bis daß mit dessen Wachstume ---- nach der Weissagung eben desselben Johannes3) „mußte er abnehmen, jener aber wachsen", ---- das ganze Werk des Vorläufers und Dieners mit dem Geiste selbst auf den Herrn überging. Mit welchen Worten Johannes sie beten lehrte, ist darum nicht aufbewahrt, weil sich das Irdische vor dem Himmlischen zurückgezogen hat. Wer von der Erde ist, heißt es, redet Irdisches, und wer vom Himmel ist, der sagt, was er gesehen hat4). Und was von dem, was Christi, des Herrn ist, wäre nicht himmlisch? So auch die Anweisung zum Gebet.

Laßt uns also, ihr Gesegneten, seine himmlische Weisheit betrachten, erstlich auf Grund des Gebotes, im geheimen zu beten. Damit fordert er vom Menschen den Glauben daran, daß Äuge und Ohr des allmächtigen Gottes auch im geheimen und verborgenen zugegen sei, und damit wünscht er auch jene Eingezogenheit des Glaubens, kraft deren man ihm allein seine Huldigung darbringt, obwohl man glaubt, daß er überall sieht und hört. Auf den Glauben und die Bescheidenheit im Glauben bezieht sich auch die folgende Weisheitsäußerung in der Vorschrift, wir sollen nicht glauben, uns mit einem Wortschwall dem nahen zu müssen, der, wie wir gewiß wissen, für die Seinigen im voraus sorgt. Und doch ist auch ---- was den dritten Grad der Weisheit bildet ---- selbst diese Kürze auf einen Vorrat von tiefen und nützlichen Auslegungen basiert und greift dem Inhalt nach um so weiter, je knapper die Worte sind. Denn sie umfaßt nicht bloß das dem Gebete wesentlich Eigene, d. i. Verehrung gegen Gott und Bitten seitens des Menschen, sondern fast das ganze Wort Gottes, den ganzen Inhalt der Sittenlehre, so daß in dem Gebete wirklich ein kurzer Inbegriff des ganzen Evangeliums enthalten ist.

2. Es hebt an mit einem Zeugnis für Gott und einer |250 Errungenschaft des Glaubens, wenn wir sagen: Vater, der du bist in den Himmeln, Denn wir beten damit Gott an und legen unsern Glauben dar, von welchem diese Anrede ein Ergebnis ist. Es steht geschrieben: „Denen, welche an ihn glauben werden, hat er Gewalt gegeben, daß sie Kinder Gottes genannt werden"5). Auch der Herr selbst hat uns sehr häufig Gott als den Vater verkündet, ja er hat sogar vorgeschrieben, keinen ändern auf Erden Vater zu nennen, als nur den, welchen wir im Himmel haben6). Folglich erfüllen wir, wenn wir so beten, auch ein Gebot, Glücklich die, welche den Vater erkennen! Das ist es gerade, was Israel zum Vorwurf gemacht wird und wofür der Geist Himmel und Erde zu Zeugen anruft, wenn er sagt: „Söhne habe ich gezeugt, und sie erkennen mich nicht an"7). Wenn wir aber sagen: „Vater", so erkennen wir damit zugleich auch die Gottheit an. Diese Anrede ist Ausdruck des Kindesverhältnisses und der Macht, Im Vater wird auch der Sohn angerufen, denn es heißt: „Ich und der Vater sind eins"8). Nicht einmal die Mutter, die Kirche, wird übergangen. Im Sohne und im Vater wird ja die Mutter erkannt; in ihr findet die Benennung Vater und Sohn ihre Grundlage, So ehren wir also in diesem einen Verwandtschaftsverhältnis oder der einen Bezeichnung Gott mit den Seinigen, sind eines Gebotes eingedenk und sprechen eine Mißbilligung aus gegen diejenigen, welche des Vaters vergessen haben.

3. Die Benennung „Gott Vater" war niemandem kund getan worden. Auch derjenige, welcher darüber angefragt hatte, Moses9), hatte einen ändern Namen zu hören bekommen. Uns aber ist er im Sohne geoffenbart. Denn Sohn ist bereits eine neue Benennung des Vaters, „Ich bin gekommen", sagt er, „im Namen des Vaters"10), |251 und wiederum: „Vater, verherrliche deinen Namen"11), und noch deutlicher: „Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart"12). Dieser aber, verlangen wir, solle geheiligt werden. Nicht als ob es sich geziemte, daß wir Menschen Gott Gutes wünschen. Das wäre, als wenn es noch einen ändern gäbe, hinsichtlich dessen man es ihm wünschen könnte, oder als wäre er in Not, wenn man es ihm nicht wünschte. Offenbar geziemt es sich, daß Gott an jedem Orte und zu jeder Zeit von jedem Menschen gepriesen werde, um des schuldigen Andenkens seiner Wohltaten willen. Auch dieser Wunsch vertritt die Stelle eines Lobpreises, Wann aber gäbe es eine Zeit, wo der Name Gottes nicht heilig und geheiligt wäre durch sich selbst, da er ja die ändern heiligt aus sich selbst? Seine aus Engeln bestehende Umgebung hört nicht auf, ihm zuzurufen: Heilig, heilig, heilig! Demgemäß erlernen wir, ---- die zukünftigen Genossen der Engel, wenn wir es verdienen ---- schon hier auf Erden jenen Lobruf zu Gott und die Obliegenheit in der künftigen Verklärung, Soviel in bezug auf die Ehre Gottes. Im übrigen, was den Gegenstand unseres Bittens angeht, wenn wir sagen: Geheiligt werde dein Name, so bitten wir, daß er in uns geheiligt werde, die wir ihm angehören, sowie auch in den ändern, auf welche die Gnade Gottes noch wartet, so daß wir also auch der Vorschrift gehorchen, für alle, auch für unsere Feinde zu beten. Wenn wir daher mit Auslassung des betreffenden Wortes nicht sagen: Geheiligt werde er in uns, so meinen wir damit: In allen.

4. Dieser Form gemäß fügen wir hinzu: „Dein Wille geschehe, wie in den Himmeln, also auch auf Erden", nicht, als wenn jemand dem Vollzug des Willens Gottes im Wege stände und wir ihm Gelingen seines Willens wünschten, sondern wir bitten, daß sein Wille in allen geschehe. Nach der figürlichen Auslegung von Fleisch und Geist sind wir nämlich der Himmel und die Erde. Aber auch wenn man |252 es buchstäblich verstehen muß, ist der Sinn der Bitte doch eben derselbe, nämlich, daß der Wille Gottes in uns auf Erden geschehe, damit er auch im Himmel an uns geschehen könne. Was anderes will Gott, als daß wir gemäß seiner Lehre und Zucht wandeln? Wir bitten mithin, er möge uns den Inhalt und den Reichtum seines Willens verleihen, damit wir gerettet werden im Himmel und auf Erden; denn sein höchster Wunsch ist das Heil derer, die er zu Kindern angenommen hat. Es ist auch das der Wille Gottes, was der Herr13) ausgeübt hat in seinem Predigen, Wirken und Leiden. Wenn er nämlich selbst sagt, daß er nicht seinen Willen, sondern den des Vaters tue14), so war das, was er tat, ohne Zweifel der Wille des Vaters, wozu wir gleichsam wie nach einem Muster jetzt aufgefordert werden, zu predigen, zu wirken und zu leiden bis zum Tode. Damit wir diese Forderung erfüllen können, bedarf es des Willens Gottes15). Ebenso wenn wir sagen, es geschehe dein Wille, so wünschen wir uns damit etwas Gutes, weil nichts Böses im Willen Gottes liegt, auch wenn er gemäß dem Verdienst eines jeden etwas Gegenteiliges auferlegt. Durch diesen Ausdruck ermahnen wir uns auch zum geduldigen Ertragen, Auch der Herr hat, da er in der Art und Weise seines Leidens schon an seinem eigenen Fleische die Schwäche des Fleisches darlegen wollte, gesagt: ,,Vater, nimm diesen Kelch von mir hinweg", und sich besinnend: „Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deinige"16). Er selber war der Wille und die Macht des Vaters, und doch übergab er sich zum Erweise der schuldigen Geduld dem Willen des Vaters.

5. Zukomme dein Rei eh geht auf dasselbe Ziel, wie „dein Wille geschehe", nämlich in uns. Denn wann wäre denn die Zeit, wo Gott nicht regiert, er, in dessen Hand die Herzen aller Könige sind17) ? Was wir |253 uns auch immer wünschen, auf ihn richtet sich unsere Erwartung, ihm schreiben wir zu, was wir von ihm erwarten. Wenn daher die Verwirklichung des Reiches des Herrn sich auf den Willen Gottes und auf unsern Ungewissen Zustand bezieht, wie können manche einen Aufschub für die Welt verlangen18), da ja das Reich Gottes, um dessen Ankunft wir bitten, auf die Vollendung der Welt hinarbeitet? ---- Wir wünschen früher zu regieren und nicht länger mehr zu dienen. Auch wenn im Gebete keine Vorschrift, um die Ankunft des Reiches zu bitten, vorgezeichnet wäre, so müßten wir von freien Stücken diesen Wunsch aussprechen, indem wir den Gegenstand unserer Hoffnung in die Arme zu schließen eilen. Es schreien ja die Seelen der Märtyrer unter dem Altare mit Unwillen zum Herrn: ,,Wie lange noch, o Herr, wirst Du unser Blut nicht rächen an den Bewohnern der Erde?"19). Denn die Rache für sie ist vom Ende der Welt abhängig. Ja recht bald, o Herr, möge Dein Reich, der Gegenstand der Wünsche der Christen, zu uns kommen zur Beschämung der Heiden, zur Freude der Engel. Um seinetwillen werden wir angefeindet, oder richtiger, um seinetwillen beten wir.

6. Und wie geschmackvoll die göttliche Weisheit die Aufeinanderfolge in dem Gebete geordnet hat! Nach den himmlischen Dingen, dem Namen Gottes, dem Willen Gottes und dem Reiche Gottes, gibt sie auch den Bitten um irdische Bedürfnisse Raum, Denn es hatte der Herr ja auch den Ausspruch getan: „Suchet zuerst das Reich Gottes, und dann wird Euch auch dieses zugegeben werden"20). Trotzdem sollten wir das Unser tägliches Brot gib uns heute doch lieber geistig verstehen, Christus nämlich ist unser Brot, weil Christus das Leben heißt, und Leben so viel ist als Brot, „Ich bin", sagt er, „das Brot des Lebens"21). Und kurz vorher: „Das Brot ist das Wort Gottes, welches vom |254 Himmel herabgestiegen ist"22). Sodann auch deswegen, weil sein Leib im Brote befindlich ist: „Dieses ist mein Leib"23). Wenn wir also um das tägliche Brot bitten, so begehren wir Beständigkeit in Christus und Untrennbarkeit von seinem Leibe. Aber da dieser Ausspruch auch im fleischlichen Sinne verstanden werden darf, so kann dies unmöglich geschehen ohne eine religiöse Beschränkung auch seitens der geistlichen Sittenzucht. Er befiehlt nur, um Brot zu bitten, weil es allein den Gläubigen notwendig ist; denn nach den übrigen Dingen suchen die Heiden24). Dies prägt er auch mit Hilfe von Beispielen ein und lehrt es in Form von Parabeln, wenn er z, B. sagt: „Nimmt etwa ein Vater den Kindern das Brot und gibt es den Hunden?"25). Ebenso: „Gibt er etwa dem Sohne, der um Brot bittet, einen Stein?"26), Er gibt damit zu verstehen, was die Kinder von dem Vater erwarten. Auch jener nächtliche Pocher pochte um des Brotes willen27), Mit Recht aber hat er hinzugesetzt: „Gib es uns heute"; denn er hatte die Ermahnung vorausgehen lassen: „Sorget nicht für den kommenden Tag, was ihr esset"28). Als Parabel dafür hat er jenen Menschen hingestellt, der bei Ergiebigkeit der Feldfrüchte auf Vergrößerung seiner Scheunen und langes Wohlleben bedacht ist, aber in eben derselben Nacht noch stirbt29).

7. Nach Berücksichtigung der Freigebigkeit Gottes wäre es nun an der Reihe, auch um seine Nachsicht zu flehen, Denn was hilft uns die Nahrung, wenn wir in Wahrheit so für sie bestimmt sind, wie der Stier zum Schlachten? Der Herr wußte wohl, daß er allein ohne Fehler sei. Daher lehrt er uns bitten: Vergib uns |255 unsre Schulden. Die Bitte um Nachsicht ist schon ein Schuldbekenntnis30), weil, wer um Nachsicht bittet, sein Vergehen eingesteht. Daher wird auch die Buße als Gott wohlgefällig hingestellt, da er diese lieber will als den Tod des Sünders. „Schulden" ist in der Hl. Schrift ein bildlicher Ausdruck für Vergehungen, weil sie ja in ähnlicher Weise vor Gericht anhängig gemacht und von diesem beigetrieben werden und der gerechten Beitreibung nur dann entgehen, wenn die Beitreibung erlassen wird, wie der Herr jenem Knechte die Schuld nachließ. Auf letzteres bezieht sich nämlich das in der Parabel enthaltene Gleichnis. Denn auch der Zug, daß der Sklave, vom Herrn losgelassen, nicht seines Schuldners in gleicher Weise schont, deswegen beim Herrn angezeigt und den Schergen übergeben wird, bis er den letzten Heller bezahlt hat, d, h, bis auf die geringste Schuld31) ---- das geht darauf hinaus, daß auch wir bekennen, unsern Schuldnern nachsehen zu wollen. Ferner heißt es an einer ändern Stelle in derselben Art zu reden; „Lasset nach, und es wird euch nachgelassen werden"32). Und da Petrus fragte, ob man dem Bruder siebenmal nachlassen müsse, antwortete Christus: „Nein, siebzigmal siebenmal"33), um dadurch das Gesetz, daß in der Genesis für Kain siebenmal, für Lamech aber siebzigmal siebenmal Rache angerechnet wurde34), zu verbessern und zu reformieren.

8. Damit ein so leicht faßliches Gebet vollständig sei, wird noch hinzugefügt, daß wir nicht bloß um Nachlassung der Sünden, sondern auch um deren gänzliche Abwendung bitten sollen: Führe uns nicht in Versuchung, d. h. laß uns nicht darein geführt werden, natürlich durch den, der da versucht. Fern sei |256 der Schein, als versuche der Herr! Das wäre, als wenn er den Glauben eines jeden nicht kennte oder sich freute, ihn zum falle zu bringen; Schwäche und Bosheit ist Sache des Teufels. Denn auch dem Abraham war befohlen worden, zu opfern, nicht um seinen Glauben zu versuchen, sondern um ihn zu bewähren, damit er nämlich als Beleg zu dem Gebote des Herrn, daß man die Kinder nicht lieber haben solle als Gott, welches später gegeben werden sollte35), dienen könne. Er selbst hat sich, weil vom Teufel versucht, als Meister und Lehrer in den Versuchungen gezeigt. Dies bekräftigt er durch spätere Aussprüche wie: „Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet"36). Denn die Apostel wurden in die Versuchung geführt, den Herrn zu verlassen, weil sie mehr dem Schlafe obgelegen hatten als dem Gebete37). Folglich ist der Schluß entsprechend, indem er uns erklärt, was es heißen soll: Führe uns nicht in Versuchung. Es bedeutet nämlich: Sondern entferne uns vom Übel.

9. In diesen paar kurzen Worten, wie viele Aussprüche der Propheten, der Evangelien, der Apostel, Reden des Herrn, Parabeln, Beispiele und Vorschriften werden darin nicht berührt und wie vielen Dienstpflichten wird nicht damit zu gleicher Zeit genügt! Der Ehre Gottes in dem Worte Vater, in: Namen liegt eine Bezeugung des Glaubens, in: Wille die Darbringung des Gehorsams, in: Reich die Erwähnung der Hoffnung, in: Brot die Bitte um das Leben, ein Geständnis der Schuld in der Abwendungsbitte, in dem Verlangen nach Schutz die Besorgnis wegen der Versuchungen, Was Wunder ists auch? Gott allein war imstande, zu lehren, in welcher Weise er gebeten sein wollte. Von ihm selbst ist also der religiöse Dienst des Gebetes angeordnet und durch seinen Geist beseelt; schon damals, als letzterer aus seinem göttlichen Munde hervorging, stieg |257 es durch seine Vergünstigung gen Himmel, dem Vater anempfehlend, was der Sohn lehrte.

10. Doch weil der Herr die menschlichen Bedürfnisse voraussieht, sagt er nach Mitteilung der Gebetsanweisung, wie beiseite, noch: „Bittet, und ihr werdet erhalten"38), und weil es Dinge gibt, welche je nach der bedrängten Lage eines jeden erbeten werden, so hat man, nachdem man die rechtmäßige und gewöhnliche Gebetsform gleichsam als Fundament der hinzukommenden Wünsche vorausgeschickt hat, ein Recht, Bitten gleichsam noch darauf zu bauen, immer jedoch eingedenk dessen, was vorgeschrieben ist.

11. Seien wir doch nicht von der Erhörung durch Gott ebenso weit entfernt als von seinen Vorschriften! Die Erinnerung an die Vorschriften bahnt den Gebeten den Weg zum Himmel, Eines der vorzüglichsten davon ist, daß wir nicht eher zum Altare Gottes hinaufsteigen sollen, als bis wir, wenn eine Streitigkeit oder Beleidigung zwischen uns und den Brüdern vorgefallen ist, sie beigelegt haben. Denn wie könnte man zum Frieden Gottes hinzutreten ohne den Frieden? Zur Nachlassung der Sünden mit Hinterhältigkeit? Wie wird man den Vater versöhnen, wenn man gegen den Bruder erzürnt ist, da uns doch von Anfang an jeder Zorn untersagt ist? Joseph sagte, als er seine Brüder entließ, um den Vater herzuführen: „Und daß ihr nicht zürnet auf dem Wege"39). Wir, wohlverstanden, sind es, die er damit ermahnte; denn auch anderweitig wird ja unsere Zucht und Lehre ,,Weg" genannt. Da laßt uns denn, auf den Weg des Gebetes gestellt, nicht mit Zorn beim Vater eintreten! Sodann setzt der Herr mit dürren Worten, indem er das Gesetz erweitert, den Zorn gegen den Bruder noch über den Mord, Nicht einmal in einem bösen Worte soll man Befriedigung suchen; und wenn einmal gezürnt werden muß, dann, mahnt der Apostel, nicht über Sonnenuntergang hinaus. Wie vermessen |258 aber wäre beides, den Tag ohne Gebet hingehen zu lassen, während man dem Bruder Genugtuung zu geben zögert, und das Gebet durch Fortdauer des Zornes zu verderben.

12. Nicht bloß vom Zorn, sondern auch von aller Unordnung des Geistes muß die Gebetsabsicht frei sein, und aus einem Geiste hervorgehen, der so beschaffen ist wie der Geist, an welchen das Gebet gerichtet wird. Denn es kann bei dem Heiligen Geiste weder ein befleckter Geist Anerkennung finden, noch ein trauriger bei dem fröhlichen, oder ein verstrickter bei dem freien. Niemand gestattet seinem Gegner den Eintritt, ein jeder nimmt nur seinesgleichen auf.

13. Hat es Sinn und Verstand, zwar mit gewaschenen Händen, aber mit einem unreinen Geiste zum Gebete hinzuzutreten? da40) auch die Hände selbst einer geistigen Reinigung bedürfen, nämlich daß man sie rein von Fälschung, Mord, Grausamkeit, Giftmischerei, Götzendienst und den sonstigen Makeln, die, im Geiste empfangen, durch das Werk der Hände vollbracht werden, zum Himmel erhebe. Das ist die wahre Reinigung, nicht die, deren sich abergläubischer Weise diejenigen befleißigen, welche bei jedem Gebet, auch wenn sie eben von einer Waschung des ganzen Körpers herkommen, Wasser nehmen. Als ich über diese Sache sorglich nachdachte und nach dem Grunde forschte, nahm ich wahr, daß es eine Erinnerung an die Auslieferung des Herrn sei. Wir beten den Herrn an, überliefern ihn aber nicht, vielmehr müssen wir dem Beispiele des Überlieferers41) entgegengesetzt verfahren und deshalb auch die Hände nicht waschen, es sei denn, daß wir Unreinigkeiten, wie sie der menschliche Verkehr mit sich bringt, abwaschen. Im übrigen aber sind die Hände, die einmal mit dem ganzen Leibe in Christus abgewaschen sind42), rein genug. |259 

14. Wenn sich Israel auch jeden Tag an allen Gliedern wüsche, so würde es doch niemals rein werden. Ohne Zweifel sind seine Hände immer unrein; gerötet vom Blute der Propheten und des Herrn selbst in alle Ewigkeit, Deshalb wagen sie, die Erben einer Schuld, im Angedenken an ihre Väter auch nicht ihre Hände zum Herrn zu erheben, damit nicht etwa ein Isaias seinen Ruf erschallen lasse43) und Christus sie verabscheue. Wir aber, wir erheben sie nicht nur, sondern breiten sie sogar aus und, dem Leiden des Herrn uns nachbildend, bekennen wir auch im Gebete Christus.

15. Weil wir nun die eine Art sinnloser Gepflogenheit berührt haben, so wird es uns nicht verdrießen, auch die übrigen zu tadeln, welchen man aus dem Grunde Torheit vorwerfen muß, weil sie stattfinden, ohne von einer Vorschrift des Herrn oder eines Apostels gutgeheißen zu werden. Denn solche Dinge rechnet man nicht zur Religion, sondern zum Aberglauben; affektiert und gezwungen, mehr einem ängstlichen als vernünftigen Dienste entstammend, sind sie gewiß auch darum zu unterdrücken, weil sie uns den Heiden gleich machen. Dahin gehört, daß manche ihre Pänula44) ablegen, ehe sie das Gebet verrichten; in dieser Weise treten auch die Heiden zu ihren Götterbildern. Wenn das geschehen sollte, so hätten die Apostel, welche über die Gebetsweise Belehrungen geben, es jedenfalls miteinbegriffen; es müßte denn sein, man wollte glauben, Paulus habe im Gebet seinen Mantel bei Karpus zurückgelassen45). Natürlich, Gott würde vielleicht den mit einem Überzieher Bekleideten kein Gehör geben, während er doch die drei Heiligen, die im Feuerofen des babylonischen Königs beteten, trotz ihrer weiten Hosen und Tiaren erhört hat.

16. Ebenso sehe ich dafür, daß einige nach Beendigung des Gebets sich hinzusetzen pflegen, nur Gründe, |260 wie sie die Kinder lieben46). Wie denn? Wenn jener Hermas, dessen Schrift in der Regel „Pastor" betitelt wird, nach Beendigung seines Gebetes sich nicht auf das Bett niedergesetzt, sondern etwas anderes getan hätte, würden wir es dann auch zur Nachachtung festhalten? Offenbar nicht. Denn es heißt im Ton einer fortschreitenden Erzählung und nicht zum Zwecke einer Unterweisung ganz einfach: „Da ich gebetet und mich auf das Bett niedergesetzt hatte"47). Andernfalls dürfte man ja auch nirgendwo beten, als wo ein Bett steht. Im Gegenteil, man würde vielmehr gegen die Schrift handeln, wenn man sich auf einen Stuhl oder eine Bank setzen wollte. Ferner, da die Heiden ebenso handeln, d, h, sich, wenn sie ihre Puppen angebetet haben, hinsetzen, so verdient es gerade deswegen getadelt zu werden, weil es bei den Götzenbildern so gehalten wird. Darum kommt es auch dem Fehler der Unehrerbietigkeit nahe, was sogar die Heiden selbst einsehen müßten, wenn sie Verstand hätten. Denn eine Unehrerbietigkeit ist es denn doch, sich vor dem Angesichte dessen zu setzen, den man vor allen fürchtet und verehrt, um wieviel mehr ist vor dem Angesichte des lebendigen Gottes und wenn der Gebets-Engel noch da steht, eine solche Handlungsweise höchst religionswidrig! Es müßte denn sein, daß wir Gott in der Weise eines Vorwurfs zu verstehen geben wollten, daß uns das Gebet müde gemacht hat.

17. Dagegen empfehlen wir Gott unsere Bitten viel besser, wenn wir mit Bescheidenheit und Demut anbeten, ohne auch nur einmal die Hände selbst zu hoch emporzustrecken, sondern indem wir sie nur mäßig und anständig aufheben und auch den Blick nicht zu zuversichtlich erheben. Der bekannte Zöllner, der nicht bloß in seiner Bitte, sondern auch in seiner Miene, da er betete, Demut und gebeugten Sinn zeigte, ging gerechtfertigter von dannen als jener übermütige Pharisäer. Auch der Ton der Stimme muß gedämpft sein, oder was für |261 einer Kehle würde man bedürfen, wenn die Erhörung von der Stärke der Stimme abhängig wäre? Gott ist aber kein Hörer der Stimmen, sondern des Herzens, welches er ja auch durchschaut. „Ich verstehe auch den Stummen und höre den, der nicht redet", so lautet ein Orakel des pythischen Dämons. Sollte das Ohr Gottes den Schall der Stimme abwarten müssen? Wie hätte dann das Gebet des Propheten Jonas aus dem tiefen Bauche des Walfisches, aus dem Innern eines solchen Tieres, vom Abgrunde heraus, durch die gewaltig große Meeresflut bis zum Himmel gelangen können? Was werden die, welche mit zu lauter Stimme beten, weiter erreichen, als daß sie ihre Nachbarn stören? Oder vielmehr, indem sie den Gegenstand ihrer Bitten verraten, was tun sie da weniger, als wenn sie auf offener Straße beteten!

18. Auch eine andere Gewohnheit ist nun eingerissen. Die, welche fasten, entziehen nach Abhaltung des Gebetes den Brüdern den Friedenskuß, welcher die Besiegelung des Gebetes ist. Wann aber wäre denn mehr den Brüdern der Friede zu gewähren als dann, wenn das Gebet mit Taten verbunden kräftiger aufsteigt? Um auch an unserem Wirken Anteil zu erhalten, mögen sie von ihrem Frieden, dessen sie voll sind, auch auf den Bruder übertragen48). Kann ein Gebet bei Versagung des heiligen Kusses vollständig sein? Wen hindert denn der Friedenskuß an einem Dienste des Herrn? Was soll das für ein Opfer sein, von welchem man ohne den Frieden zurückkommt? Wie das Gebet auch immer sein mag, es dürfte wohl nicht vorzüglicher sein als die Beobachtung des Gebotes, daß wir unser Fasten verheimlichen sollen. Denn an der Enthaltung vom Friedenskuß werden wir ja nun als solche erkannt, welche fasten. Aber auch wenn irgend ein Grund dazu vorhanden ist49), so kannst du, damit du dich keiner |262 Übertretung jenes Gebotes schuldig machst, höchstens zu Hause, wo sich das Fasten überhaupt nicht verheimlichen läßt, den Friedenskuß aufschieben. Aber sonst, wo du dein Wirken verbergen kannst, mußt du überall des Gebotes eingedenk bleiben. Auf diese Weise wirst du der kirchlichen Disziplin öffentlich und der Gewohnheit im Hause Genüge leisten. So unterlassen wir in der Osterzeit, wo das Fasten eine allgemeine und gleichsam öffentliche Verpflichtung der Religion ist, mit Recht den Friedenskuß, nicht besorgt darum, das zu verbergen, was wir mit allen gemeinschaftlich tun.

19. Auch in betreff der Stationstage glauben mehrere in ähnlicher Weise, den Opfergebeten nicht beiwohnen zu sollen, weil das Stationsfasten mit dem Empfang des Leibes des Herrn zu endigen sei. Dann hat also die Eucharistie einen Gott gelobten Dienst aufgelöst, oder ---- gibt sie ihn nicht vielmehr Gott erst recht zu eigen? Wird dein Stationsfasten nicht feierlicher sein, wenn du auch am Altare Gottes auf deinem Platze stehst? Wenn du den Leib des Herrn empfängst und noch aufbewahrst, so besteht beides unbeeinträchtigt miteinander, die Teilnahme am Opfer sowie die Ausübung der Leistung, Hat aber das Stationsfasten von einer Einrichtung beim Militär ---- denn wir sind ja auch Streiter Gottes ---- seinen Namen bekommen, fürwahr, kein freudiges oder trauriges Ereignis, welches im Lager vorgeht, stört den Wachtdienst des Soldaten! Denn bei einem freudigen wird er den Dienst mit mehr Freudigkeit, bei einem traurigen mit mehr Sorgfalt versehen.

20. Über die Kleidung, freilich nur der Frauen, zu handeln, nachdem bereits der Apostel darüber |263 gehandelt hat50), veranlaßt mich, einen Mann ohne Rang51), die Verschiedenheit der Sitte, und es ist eine Dreistigkeit, es zu tun. Sie ist jedoch nicht so groß, wenn wir uns in Übereinstimmung mit dem Apostel halten. Hinsichtlich der Bescheidenheit des Putzes und Schmuckes haben wir auch noch die klare Vorschrift des Petrus52), der mit Paulus in denselben Worten, weil in demselben Geiste, den Prunk in der Kleidung, des Goldes Pracht und die buhlerische Sorgfalt des Haarputzes verbietet.

21. Allein über das, was ohne Unterschied in den einzelnen Kirchen als etwas Unbestimmtes beobachtet wird, muß man Bedenken äußern, darüber nämlich, ob sich die Jungfrauen verschleiern müssen oder nicht53). Diejenigen nämlich, welche den Jungfrauen Unbedecktheit des Hauptes zugestehen, scheinen sich darauf zu stützen, daß der Apostel nicht direkt den Jungfrauen, sondern den Weibern sich zu verschleiern befiehlt54) und auch nicht dem Geschlechte, so daß er etwa sagte, „die weiblichen Personen", sondern nur einer Altersstufe des Geschlechtes, da er sagt „die Weiber"55), Denn wenn er das Geschlecht genannt und gesagt hätte „die weiblichen Personen", so hätte er «ine allgemeine Anweisung gegeben für jedes weibliche Wesen; aber da er hingegen nur eine Altersstufe des Geschlechtes nennt, so hat er die anderen durch sein Schweigen davon getrennt. Denn er hätte ja, sagt man, entweder die Jungfrauen speziell nennen, oder mit einem umfassenden, allgemeinen Ausdruck die weiblichen Personen (feminae) bezeichnen können. |264 

22. Wer dieses Zugeständnis macht, sollte erst über den Gebrauch dieser Vokabel nachdenken, was der Ausdruck Weib (mulier) von den ersten Zeilen der Hl. Schrift an bedeutet; denn da findet er, daß es die Benennung für das Geschlecht ist, nicht für eine Altersstufe des Geschlechtes. Gott hat nämlich die Eva, obwohl sie noch nichts vom Manne wußte, sowohl Weib als Frau genannt, Weib in Ansehung ihres Geschlechts allgemein, Frau als besondere Abart des Geschlechtes56). Und weil Eva damals noch unvermählt war trotz der Benennung Weib, so ist diese die gemeinschaftliche geworden auch für die Jungfrauen, Es ist auch kein Wunder, wenn der Apostel aus Antrieb eben desselben Geistes, in welchem, wie jedes Buch der göttlichen Schrift, so auch die Genesis abgefaßt ist, sich desselben Ausdrucks, der nach Analogie der Eva auch der Unvermählten und der Jungfrau zukommt, bedient und „Weib" setzt. Das übrige trifft dann zusammen. Denn durch eben den Umstand, daß er die Jungfrauen nicht nennt, wie an einer ändern Stelle, wo er vom Heiraten spricht, gibt er genugsam zu erkennen, daß von jeder Weibsperson und vom ganzen Geschlecht die Rede sei, und in betreff der Jungfrauen, die er gar nicht nennt, kein Unterschied gemacht werde. Denn da er anderswo nicht vergißt zu unterscheiden, nämlich da, wo es die Verschiedenheit fordert ---- er unterscheidet aber beide Klassen, indem er jede mit ihrem Namen bezeichnet ----, so will er da, wo er nicht unterscheidet und keine von beiden namentlich aufführt, auch keinen Unterschied gemacht wissen. Ferner in der griechischen Sprache, worin der Apostel seine Briefe schrieb, ist sowohl ,,Weib" als „weibliches Geschlecht" zu sagen in Gebrauch, sowohl γυναῖκας, als θηλείας. Wenn also dieses Wort häufig statt des Geschlechtsnamens vorkommt, so hat der Apostel, da es in der Übersetzung für „weibliches Wesen" steht, mit dem Worte γυναῖκα das Geschlecht bezeichnet. Im ganzen Geschlecht ist aber die Jungfrau mit einbegriffen. |265 

Aber der Ausspruch ist auch ganz deutlich: „Jedes Weib", heißt es, „welches beim Beten und Prophezeien sein Haupt nicht bedeckt, verunehrt sein Haupt", Was bedeutet der Ausdruck „jedes Weib", wenn nicht die Weiber jedes Alters, jedes Standes, jeder Stellung? Wenn er sagt: Jedes, so nimmt er keine Person weiblichen Geschlechts aus, so wenig wie eine Person männlichen Geschlechts von dem Gebot, sich nicht zu verschleiern; denn er sagt ebenso: „Jeder Mann". Wie also in Ansehung des männlichen Geschlechts mit dem Ausdruck Mann die Verschleierung auch des kleinsten Knaben verboten wird, so ist in Ansehung des weiblichen durch den Ausdruck Weib die Verschleierung auch der Jungfrau geboten. Bei beiden Geschlechtern muß in gleicher Weise das jüngere Alter der Ordnung des höhern folgen, oder es dürften auch die jungfräulichen Männer verschleiert werden, wenn die jungfräulichen Weiber nicht verschleiert werden; denn auch jenen wird keine namentliche Vorschrift gegeben. Wenn Frau und Jungfrau etwas verschiedenes ist, so müßte es auch Mann und Knabe sein. Denn es heißt, sie müssen sich „wegen der Engel" verschleiern, weil nämlich die Engel um der Töchter der Menschen willen von Gott abfielen. Wer könnte also behaupten, die Frauen, d. h. die verheirateten, die bereits ihre Jungfrauschaft der Begierlichkeit zum Opfer gebracht haben, seien allein gemeint? Das ginge nur dann, wenn nicht auch die Jungfrauen imstande wären, durch ihre Schönheit zu glänzen und Liebhaber zu finden. Sehen wir vielmehr zu, ob nicht gerade die Jungfrauen allein Gegenstand des Begehrens waren, da die Schrift sich ausdrückt: „Töchter der Menschen", während sie selbe ja Gattinnen der Menschen oder ganz unbestimmt Weibspersonen hätte nennen können. Auch daß sie sagt: „Und sie nahmen sie zu Gattinnen"57), das tut sie deswegen, weil nur solche zu Gattinnen genommen werden, welche ledig sind. Von nicht ledigen hätte sie anders gesprochen. Darum sind sie ledig sowohl hinsichtlich der Witwenschaft als der Jungfrauschaft. Indem sie das Geschlecht mit |266 allgemeinem Ausdrucke „Töchter" nennt, faßt sie in der Gattung die Arten zusammen.

Wenn es heißt, die Natur selbst lehre die Notwendigkeit der Verschleierung der Weiber, da sie ihnen das Haar als Decke und Schmuck angewiesen hat58), ist dann nicht ganz dieselbe Decke und Zierde des Hauptes den Jungfrauen angewiesen? Wenn es für ein Weib schimpflich ist, sich kahl zu scheren, dann ebenso gut für eine Jungfrau, Wo also die Beschaffenheit des Hauptes die gleiche ist, da wird gleiche Behandlung des Hauptes erfordert, auch hinsichtlich der Jungfrauen, bei denen es die Jugend zu verwehren scheint; denn vom ersten Augenblicke an heißt sie ein weibliches Wesen. So hält es z. B. auch das Volk Israel. Aber auch, wenn das nicht der Fall wäre, so würde unser Gesetz, da es ein erweitertes und vervollständigtes ist, einen Zusatz erheischen. Wer auch den Jungfrauen eine Verhüllung gibt, der möge als entschuldigt gelten. Nur das Alter, welches sein Geschlechtsverhältnis noch nicht kennt, möge noch ein Privileg seiner kindlichen Einfalt besitzen. Denn auch Eva und Adam bedeckten erst, als sie zur Erkenntnis kamen, sogleich das, was sie kennen gelernt hatten. Sicher aber müssen die, deren Kindheit bereits abgelaufen ist, wie die natürlichen, so auch die sittlichen Obliegenheiten ihrer Altersstufe vollziehen. Denn sie werden sowohl hinsichtlich ihrer Körperbildung als ihrer Pflichten zu den Weibern gezählt. Keine ist von dem Augenblicke an, wo sie heiratsfähig wird, noch Jungfrau, weil sie durch ihre Altersentwicklung schon ihrem Manne zur Ehe gegeben ist, d. h. der Zeit.

Aber die eine oder die andere verlobt sich Gott59). |267 ---- Von der Zeit an trägt sie dann auch schon eine andere Haartour und ändert ihre ganze Tracht in die der Frauen. Sie sollte dann auch das Ganze beibehalten und ganz die Erscheinung einer Jungfrau darbieten; was sie aus Rücksicht auf Gott verbirgt, das sollte sie auch gänzlich verhüllen. Es ist zu unserem Vorteile, einzig dem Mitwissen Gottes anzuvertrauen, was die Gnade Gottes in uns bewirkt, damit wir nicht den Lohn, den wir erst von Gott hoffen, zum Teil von den Menschen hinnehmen. Warum entblößest du vor Gott60), was du vor den Menschen verschleierst? Willst du in der Kirche weniger eingezogen erscheinen als auf der Straße? Wenn es eine Gnade Gottes ist und du es empfangen hast, was prahlst du damit, als wenn du es nicht empfangen hättest61)! Warum setzest du andere herunter, indem du dich zur Schau stellst? Oder willst du vielleicht die ändern durch dein Prahlen zum Guten aneifern62)? Wenn du prahlst, so bist du in Gefahr und treibst die ändern in dieselbe Gefahr. Was man sich aus bloßer Liebe zur Prahlerei aneignet, das ist sehr hinfällig. Verschleiere dich wie eine Jungfrau, wenn du eine Jungfrau bist; denn du mußt erröten! Wenn du eine Jungfrau bist, so wolle nicht den Augen vieler ausgesetzt sein! Niemand möge bewundernd in dein Antlitz blicken, niemand von deiner List eine Ahnung haben. Es ist eine löbliche Verstellung, wenn du die Verheiratete spielst, wenn du dein Haupt verschleierst. Oder richtiger, es ist keine Verstellung; du bist nämlich Christo vermählt; ihm hast du deinen Leib zu eigen gegeben, handle nun auch der Anleitung deines Bräutigams entsprechend. Wenn er den Bräuten anderer sich zu verschleiern befiehlt, um wieviel mehr noch den seinigen! Aber der eine oder andere glaubt vielleicht, die Einrichtungen seines Amtsvorgängers nicht ändern zu dürfen; viele bringen ihre Einsicht und die Beharrlichkeit in derselben einer fremden Gewohnheit zum Opfer. |268 Sie sollen nicht gezwungen werden, sich zu verhüllen. Aber sicher darf man die, welche es freiwillig tun, nicht daran verhindern63). Diese können ja doch nicht in Abrede stellen, daß sie auch Jungfrauen sind. Da sie sicher sind, von Gott gekannt zu werden, so sind sie's zufrieden, bei der Fama ein Mißverständnis zu bewirken64).

In betreff derer hingegen, welchen Bräutigamen zugesagt sind65), kann ich mit Bestimmtheit und mit höherem Ansehen, als meine Wenigkeit mir verleiht, versichern und bezeugen, daß sie von dem Tage an verschleiert werden müssen, an welchem sie zuerst vor dem Körper des Mannes, sei es bei Kuß oder Händedruck, erbebten. Denn bei solchen ist dann alles so gut wie schon verheiratet, das Alter durch die Geschlechtsreife, das Fleisch durch die Jahre, der Geist durch sein Wissen um die Sache, die Schamhaftigkeit durch den erhaltenen Kuß, die Hoffnung durch die Erwartung der Ehe und der Geist durch die Einwilligung. Als ein ausreichender Beleg dafür dient uns Rebekka, welche schon, nachdem ihr Bräutigam ihr bloß gezeigt worden, sich verhüllte, da sie ihn kennen lernte66).

23. Auch hinsichtlichtlich der Kniebeugung erfährt das Gebet eine verschiedene Behandlung durch ein paar Leute, welche am Sabbat ihre Knie schonen67). Da sich diese Abweichung gerade jetzt mit großer Hartnäckigkeit in den Gemeinden verteidigt, so gebe Gott seine Gnade, daß diese Leute entweder davon abstehen oder wenigstens ihrer Meinung folgen, ohne ändern |269 Ärgernis zu geben, ---- Wir müssen uns gemäß der Überlieferung einzig am Tage der Auferstehung des Herrn nicht bloß dieses, sondern auch jedes Anzeichens der Furcht und jedes daraus hervorgehenden Dienstes enthalten, wobei wir auch unsere Geschäfte aufschieben, um dem Teufel keinen Raum zu geben; ebenso in der Pfingstzeit, welche wir durch ebendieselbe freudige Begehung auszeichnen. Wer wollte im übrigen aber Anstand nehmen, sich jeden Tag vor Gott niederzuwerfen, wenigstens beim ersten Gebete, womit wir den Tag antreten? An den Fast- und Stationstagen aber ist kein Gebet ohne Kniebeugung und die sonstigen herkömmlichen Verdemütigungen abzuhalten. Denn wir beten dann nicht bloß, sondern wir tun auch Abbitte und leisten Gott, unserm Herrn, Genugtuung, Hinsichtlich der Gebetszeiten ist gar nichts vorgeschrieben, als nur zu jeder Zeit und an jedem Orte zu beten.

24. Allein wie können wir an jedem Orte beten, da es uns ja auf der Straße verboten wird68)? „An jedem Orte"69), das heißt, welchen die Schicklichkeit oder Notwendigkeit darbietet. Denn es wurde ja von den Aposteln nicht als eine Zuwiderhandlung gegen ein Gebot angesehen, wenn im Kerker gebetet und Gott Lob gesungen wurde und die Wachen es hörten, oder wenn Paulus im Schiffe vor allen einen eucharistischen Gottesdienst hielt70).

25. Hinsichtlich der Zeiten aber dürfte die äußerliche Beobachtung gewisser Stunden nichts Überflüssiges sein, jener gemeinschaftlichen Stunden nämlich, welche die Hauptabschnitte des Tages bezeichnen, die dritte, sechste und neunte, welche man auch in der Hl. Schrift als die ausgezeichneteren genannt findet. Zum ersten Male wurde der Hl, Geist auf die versammelten Jünger ausgegossen um die dritte Stunde71). An dem Tage, als Petrus in jenem Geräte die Vision von der |270 Gemeinsamkeit hatte, war er um die sechste Stunde in das obere Stockwerk hinaufgestiegen, um zu beten72). Derselbe ging mit Johannes um die neunte Stunde nach dem Tempel, wo er dem Gelähmten seine Gesundheit wieder gab73). Wenn sie auch absichtslos verfahren, ohne die Darnachachtung vorzuschreiben, so möchte es doch gut sein, darauf eine Anschauung zu begründen, welche der Ermahnung zum Gebete eine feste Form gibt, wie ein Gesetz zuweilen von den Geschäften losreißt und zu dieser Pflicht hintreibt, damit wir nicht etwa weniger als wenigstens dreimal am Tage ---- als Schuldner der drei Personen, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes ---- anbeten, was schon von Daniel, wie wir lesen74), beobachtet wurde, natürlich gemäß dem Gebrauche des Volkes Israel, abgesehen natürlich von den pflichtmäßigen Gebeten, welche wir auch ohne besondere Ermahnung beim Beginne des Tages und der Nacht schuldig sind. Auch Speise genießen und ein Bad nehmen, bevor man ein Gebet hat vorausgehen lassen, geziemt sich nicht für Gläubige. Denn die Erquickung und Nahrung der Seele muß der des Fleisches vorangehen, weil das Himmlische früher ist als das Irdische.

26. Wenn ein Mitbruder in dein Haus eingetreten ist, so sollst du ihn nicht ohne ein Gebet entlassen ---- „du hast", heißt es, „deinen Bruder gesehen, du hast deinen Herrn gesehen"75) ----, am wenigsten aber einen Zugereisten; er könnte ja vielleicht ein Engel sein. Und wer selber von den Mitbrüdern aufgenommen worden, soll die leibliche Erquickung der himmlischen nicht vorausgehen lassen. Denn sofort wird über deinen Glauben gerichtet werden. Oder wie wirst du der Vorschrift gemäß die Worte aussprechen: „Der Friede sei mit diesem Hause"76), wenn du nicht mit denen, die sich im Hause befinden, den Friedensgruß wechselst? |271 

27. Die fleißigeren Beter pflegen bei ihren Gebeten das Allelujah anzureihen und Psalmen von der Art, daß die Mitanwesenden deren Schlußworten antworten können77). Alles fürwahr ist eine treffliche Einrichtung, was zur Lobeserhebung und zur Ehre Gottes gereicht, um ihm als die beste Opfergabe ein ganz durchsättigtes Gebet darzubringen.

28. Dies ist nämlich jenes geistige Opfer, welches die früheren Opfer beseitigt hat. „Was soll mir", heißt es, „die Menge Eurer Opfer? Ich bin ihrer satt. Der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Lämmern, des Blutes von Stieren und Böcken begehre ich nicht. Denn wer hat dies von Euren Händen gefordert?"78). Was Gott begehrt habe, das lehrt das Evangelium. „Es kommt eine Zeit", sagt es, „wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden"79). „Denn Gott ist ein Geist"80) und fordert auch Anbeter derselben Art. Wir sind die wahren Anbeter und die wahren Priester, welche, im Geiste betend, im Geiste das Gebet als eine Gott entsprechende und wohlgefällige Opfergabe darbringen, die er nämlich verlangt, die er für sich vorgesehen hat. Dieses Opfer, aus ganzem Herzen ihm geweiht, durch den Glauben gemästet81), von der Wahrheit hergerichtet, dessen Tadellosigkeit in unserer Unschuld, dessen Sauberkeit in unserer Keuschheit, dessen Bekränzung in der Bruderliebe besteht ---- dieses Opfer müssen wir mit dem Pomp guter Werke unter Psalmen- und Hymnengesang zum Altar Gottes hinführen, und es wird von Gott alles für uns erlangen.

29. Denn was wird Gott einem Gebete, welches aus Glauben und Wahrheit hervorgeht, abschlagen? ---- da |272 er es ja fordert. Wir lesen, hören und glauben die großen Beweise seines Eingreifens. Im Altertum befreite das Gebet vom Feuer, von den wilden Tieren und der Hungersnot, und doch war es noch nicht von Christus in eine Form gebracht worden. Wieviel mehr noch ist das christliche Gebet zu wirken imstande! Es stellt zwar nicht den Engel des Morgentaues in die Mitte der Feuerflammen, es stopft nicht den Rachen der Löwen, es bringt nicht den Hungernden das Mittagbrot der Feldarbeiter hinüber, auch wird das Gefühl des Leidens nicht durch eine gesendete Gnade abgewendet82), wohl aber rüstet es leidende, fühlende und Schmerz empfindende Wesen mit der Kraft zu dulden aus. Es vermehrt die Gnade durch Verleihung der Tugend, so daß der Glaube sich dessen bewußt wird, was er von Gott erhält, und einsieht, was er für den Namen Gottes leidet.

Das Gebet rief ehedem auch Plagen herab, jagte die Heere der Feinde in die Flucht und verhinderte nützlichen Regen. Jetzt wendet das Gebet der Gerechtigkeit den Zorn Gottes ab, wacht gegen die Feinde und bittet für die Verfolger. Ist es da zu verwundern, wenn es die Gewässer des Himmels zu erbitten versteht, da es seine Feuer zu erlangen imstande war? Einzig das Gebet ist es, wodurch Gott besiegt wird. Aber Christus wollte, daß nichts Böses durch dasselbe bewirkt werde. Er hat ihm jede Macht zum Guten verliehen. Daher vermag es nichts, als nur die Seelen der Verstorbenen vom Wege des Todes zurückzurufen, die Schwachen wieder herzustellen, die Kranken zu heilen, die Dämonischen zu befreien, die Riegel des Kerkers zu öffnen, die Bande der Unschuldigen zu lösen. Es wäscht die Fehltritte ab, vertreibt die Versuchungen, löscht die Verfolgungen aus, tröstet die Kleinmütigen, erfreut die Hochherzigen, geleitet die Wanderer, beschwichtigt die Wogen, setzt die Räuber in Verwirrung, verschafft den Armen Nahrung, leitet die Reichen, richtet die Gefallenen auf, hält die Strauchelnden und verleiht den |273 Stehenden Festigkeit. Das Gebet ist die Mauer des Glaubens und unsere Schutz- und Angriffswaffe gegen den uns auf allen Seiten auflauernden Feind. Wandeln wir mithin niemals ohne Waffen einher. Am Tage wollen wir des Postenstehens nicht vergessen, bei Nacht nicht des Wachens! Mit den Waffen des Gebetes angetan, wollen wir das Feldzeichen unseres Heerführers bewahren und betend die Posaune des Engels erwarten!

Es beten ja auch die Engel alle, es betet jegliche Kreatur, es betet das Vieh und die wilden Tiere. Auch sie beugen ihre Knie, und wenn sie aus ihren Ställen oder Höhlen herauskommen, so blicken sie nicht untätigen Mundes gen Himmel empor, sondern lassen den Hauch sprühend ausgehen in ihrer Weise. Die Vögel nehmen, wenn sie sich vom Neste erheben, die Richtung gen Himmel, breiten anstatt der Hände die Flügel in Kreuzform aus und lassen Laute hören, die als Gebet gelten können. Was soll ich also noch mehr über die Pflicht des Gebetes sagen? Dies: Auch der Herr selbst hat gebetet, dem Ehre und Macht sei in die Ewigkeit der Ewigkeiten!


1. 1) Wenn Tertullian den Sohn Gottes hier und sonst auch Spiritus Dei nennt, so tut er es nur, um dessen Wesenheit zu beschreiben, ohne ihn mit der dritten Person, welche diesen Namen eigentlich trägt, identifizieren zu wollen. Ferner faltet Tertullian das Wort Logos in seinen beiden Bedeutungen auseinander; es bedeutet nämlich griechisch sowohl Wort als Gedanke. Daher nennt er den Logos sermo, Wort, und ratio, Gedanke, intellectus oder nou~j Gottes. Vgl. dazu Adv. Hermog. c. 18 u. 45. Apol. c. 17 u. 23 De carne Chr. 19.

2. 2) Bei diesem Gliede ist der betreffende Zusatz in einigen Handschriften ausgefallen und fehlt bei Öhler.

3. 1) Joh. 3, 30.

4. 2) Ebd. 3, 31.

5. 1) Job. 1, 12.

6. 2) Matth. 23, 9.

7. 3) Is. 1, 2.

8. 4) Job. 10. 30.

9. 5) 2 Mos. 3, 13.

10. 6) Job. 5, 43.

11. 1) Job. 12, 28. 

12. 2) Ebd. 17, 6.

13. 1) Jesus Christus.

14. 2) Job. 6, 38.

15. 3) D. i. des Gnadenbeistandes Gottes.

16. 4) Luk. 22, 42.

17. 5) Sprichw. 21, 1.

18. 1) Vgl. Apol. c. 32 u. 39, moram finis. Protractum ist zu lesen nicht pertractum, wie die Ed. Vindob. hat. 

19. 2) Offenb. 6, 10.

20. 3) Matth. 6, 33. 

21. 4) Joh. 6, 35.

22. 1) Job. 6, 33.

23. 2) Matth. 26, 26. Eine Hindeutung auf die Eucharistie.

24. 3) Matth. 6, 32 u. 33.

25. 4) Ebenda 15, 26.

26. 5) Ebenda 7, 9.

27. 6) Luk. 11, 5.

28. 7) Matth. 6, 34.

29. 8) Luk. 12, 16 ff.

30. 1) Unter exomologesis versteht Tertullian nach der De poen, 12 gegebenen Definition die äußere Bußübung, hier und c. 9 herrscht mehr die etymologische Bedeutung von „Bekenntnis" vor.

31. 2) Matth. 18, 25 ff.

32. 3) Luk. 6, 37.

33. 4) Matth. 18, 21 ff.

34. 5) 1 Mos. 4, 15 u. 24.

35. 1) Luk. 14, 26. 

36. 2) Ebenda 22, 46. 

37. 3) Matth. 26, 41.

38. 1) Matth. 7, 7; Luk. 11, 9. 

39. 2) 1 Mos. 45, 24.

40. 1) Ich lese quando nicht quanto. 

41. 2) Des Pilatus. 

42. 3) In der Taufe.

43. 1) Is 1, 15.

44. 2) Die Pänula war ein Ueberwurf mit Kapuze, der bei Regenwetter und auf Reisen getragen wurde. 

45. 3) 2 Tim. 4, 13.

46. 1) Nämlich alles nachzumachen, was sie andere tun sehen. 

47. 2) Pastor des Hermas I. Visio 5.

48. 1) Der Text ist an dieser Stelle unsicher. Ich denke mir hinter ascendit einen Punkt und lese: ascendit. Ut ipsi de nostra operatione participent, qua maduerint; de sua, pace fratri transigent.

49. 2) Nämlich zu privatem Fasten. Tertullian will sagen: Zur Zeit des gemeinsamen österlichen Fastens wird der Friedenskuß unterlassen. Aus dieser allgemeinen Sitte haben einige die Regel abstrahiert, man müsse ihn bei jedem Fasten unterlassen, unterlassen ihn also in der Kirche auch, so oft sie irgend ein privates Devotionsfasten gehalten haben. Dadurch aber wird alle Welt ihre guten Werke gewahr, was gegen die Mahnung Christi ist. Das erklärt Tertullian für Frömmelei. Sein privates Fasten soll man zu Hause halten und es wo möglich vor seinen Hausgenossen verbergen.

50. 1) Paulus; 1 Tim. 2, 9.

51. 2) Tertullian war also jedenfalls nicht Priester, als er die Abhandlung „Über das Gebet" schrieb. 

52. 3) 1 Petr. 3, 3.

53. 4) Ueber diese Frage verfaßte Tertullian später die heftige Streitschrift De virginibus velandis.

54. 5) 1 Kor. 11, 5.

55. 6) Mulier ist jede erwachsene Weibsperson, entsprechend unserm Ausdruck: Dame; femina bezeichnet das Geschlecht. Vgl. De virg. vel. c. 4 am Ende.

56. 1) 1 Mos. 2, 23.

57. 1) 1 Mos, 6, 2.

58. 1) 1 Kor. 11, 14. Das Verschleiern geschah, bei den Alten meistens nur dadurch, daß man das Gewand von hinten her über den Kopf zog. Seltener war der Schleier ein eigenes Gewandstück, das flammeum. Auch dann hing er nur von oben über das Gesicht, aber nicht davor herunter.

59. 2) In diesem Abschnitt wendet sich Tertullian zu den virgines deo devotae, welche Jungfrauen sind, aber Christus zum Gemahl haben; nach seiner Anschauung nehmen sie eine Mittelstellung zwischen Frauen und Mädchen ein. Er ist der Ansicht, sie sollen sich in der Kirche auch verschleiern.

60. 1) Also in der Kirche und beim Gebete. 

61. 2) 1 Kor. 4, 7.

62. 3) Nämlich zur Nachahmung deines Beispieles, also auch deo devota zu werden.

63. 1) Tertullian ist hier noch bescheiden. Wenn er seine eigentliche Ansicht nicht durchsetzen und für die ändern geltend machen kann, ist. er zufrieden, wenn man ihnen nicht verbietet, der seinigen zu folgen. In der Schrift De virg. vel. aber begnügt er sich damit nicht. Die Hinweisung auf die Einrichtungen der Amtsvorgänger läßt vermuten, daß der derzeitige Bischof von Karthago die Forderung Tertullians nicht begünstigte.

64. 2) Der überlieferte Text hat abuti in fama sua. Muratori setzt suae für sua, Oehler streicht das in. Die Stelle bleibt trotzdem dunkel.

65. 3) Also der Verlobten.

66. 4) 1 Mos. 24, 65.

67. 5) Vielleicht Leute jüdischer Abstammung.

68. 1) Matth. 6, 5.

69. 2) 1 Tim. 2, 8.

70. 3) Apostelg. 27, 35.

71. 4) Ebenda 2, 15.

72. 1) Apg. 10, 9. 

73. 2) Ebenda 3, 1.

74. 3) Dan. 6, 10.

75. 4) Dies wird von manchen für ein verstümmeltes Bibelzitat gehalten; vgl. Hebr. 2, 13.

76. 5) Luk. 10, 5.

77. 1) Ohne Zweifel eine unsern heutigen Litaneien oder den Responsorien und Versikeln entsprechende Gebetsweise."

78. 2) Is. 1, 11.

79. 3) Joh. 4, 23.

80. 4) Ebd. 4, 24.

81. 5) Tertullian stellt hier das gemeinschaftliche Gebet der Gläubigen als einen Opferakt hin und bleibt im Bilde des Opfertieres, welches fett, bekränzt u. s. w. sein mußte.

82. 1) Wie im Alten Bunde geschah. Vgl. Dan. 3, 25 ff.; 6, 16 ff., bei Habakuk, Job, den drei Knaben im Feuerofen u. s. w.


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Übersetzt von Heinrich Kellner, 1912/1915.  Übertragen durch Roger Pearse, 2002.

Der griechischer Text wird mit mit einem Unicode Schriftkegel angezeigt.


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