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VOM KRANZE DES SOLDATEN.

211 n. Chr.

[Übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner]

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Inhalt:

1. Kap. Ein Soldat wollte bei Austeilung der kaiserlichen Geldspende keinen Kranz aufsetzen und wurde deshalb degradiert und eingekerkert. Handelte er darin recht und pflichtmäßig?

2. Kap. Die allgemeine Sitte der Christen geht dahin, keine Kränze aufzusetzen.

3. Kap. In Fällen, worüber die Hl. Schrift sich nicht ausspricht, hat die allgemeine christliche Gewohnheit Verbindlichkeit für alle.

4. Kap. Fortsetzung.

5. Kap. Blumen in Form von Kränzen auf dem Kopfe zu tragen scheint gegen ihre natürliche Bestimmung zu sein.

6. Kap. Fingerzeige der Natur sind so gut wie ausdrückliche Gesetze Gottes. Auch der hl. Paulus, läßt sie gelten.

7. Kap. Die Sitte, sich Kränze aufs Haupt zu setzen, ist heidnischen Ursprunges und spezifisch heidnisch.

8. Kap. Wenn manche Dinge auf bloß natürlichem Gebiete bei Christen und Heiden gleichmäßig in Gebrauch sind, so ist das kein Präjudiz für Fälle wie dieser.

9. Kap. Die Hl. Schrift ist dem Gebrauch der Kränze keineswegs günstig.

10. Kap. Anwendung des Gesagten auf das Kränzetragen im allgemeinen.

11. Kap. Über die Soldatenkränze im besonderen. Christen sollten überhaupt den Soldatenstand gar nicht ergreifen.

12. Kap. Alles Tragen von Kränzen, wie es bei den Soldaten üblich ist, steht mit dem Götzendienst in irgendeiner Beziehung. |p231/577

13. Kap. Auch alle sonstigen Bekränzungen, wie sie im öffentlichen und Privatleben üblich sind, erscheinen als unzulässig für Christen.

14. Kap. Rhetorische Zusammenfassung des bisher Gesagten. Hinweis auf die Dornenkrone Christi.

15. Kap. Hinweis auf die ewige Krone der Herrlichkeit im Himmel.

1. Kürzlich trug es sich zu, daß die von unsern erhabensten Kaisern bewilligte Geldspende im Lager zur Auszahlung kam. Die Soldaten traten mit Lorbeer bekränzt hinzu. Einer, mehr ein Soldat Gottes und standhafter als seine übrigen Kameraden, die sich vermaßen, zweien Herren dienen zu können, stach, als der einzige im bloßen Kopfe, den Kranz in der müßigen Hand, rühmlich von den ändern ab, indem er schon in dieser Taktik den Christen kundgab. Einige zeigen auf ihn, die entfernteren lachen, die umstehenden knirschen, das Gemurre dringt zum Oberst, und schon war auch ein Offizier aus dem Gliede herausgetreten. "Was soll diese abweichende Haltung?" fragte sofort der Oberst. Jener behauptet, er dürfe es nicht so machen, wie die ändern. Nach der Ursache befragt, antwortete er: "Ich bin Christ." ---- O du in Gott ruhmreicher Krieger!

Daraufhin wird das Urteil gefällt1), der Sache wird weitere Folge gegeben und der Schuldige zu den Oberbefehlshabern geführt. Sofort2) legte er den schweren Kriegsmantel ab ---- er machte mit der Losschälung den Anfang ---- die lästigen Soldatenschuhe der gemeinen Soldaten band er von seinen Füßen los3) ---- er fing an, auf heiligem Lande sein Standquartier zu nehmen4) ---- das Schwert, das ja zur Verteidigung des Herrn auch |p232/578 nicht notwendig war5), gab er zurück, der Lorbeerkranz entsank seiner Hand, und nun, im roten Waffenrock seines Blutes, das er zu vergießen hofft, beschuht mit der Bereitschaft des Evangeliums, umgürtet mit dem Worte Gottes, welches schärfer ist, ganz gewaffnet nach der Anweisung des Apostels6) und schöner bekränzt durch die Anwartschaft7) des Martyriums, so erwartet er im Kerker die Spende Christi.

Da werden denn nun Urteile über ihn laut ---- ich weiß nicht einmal, waren es solche von Christen; denn die der Heiden klangen nicht anders. Er sei unbesonnen, voreilig und dränge sich zum Tode heran8). Bloß in Betreff der Tracht befragt, habe er der ganzen Konfession Ungelegenheiten bereitet, er, der allein unter so vielen christlichen Kameraden sich beherzt, er, der allein sich als Christ zeigte. Wahrhaftig, es fehlt weiter nichts mehr, als daß sie noch darauf ausgehen, auch das Martyrium abzuschaffen, sie, die die Prophetien desselben Hl. Geistes ja schon zurückgewiesen haben9). Mit einem Wort, sie murren darüber, daß ihnen diese schöne und lange Friedenszeit in Gefahr kommt. Ich zweifle auch nicht daran, daß einige Leute ---- der Hl. Schrift gemäß ---- auswandern, ihre Bürde leicht machen und sich zur Flucht aus einer Stadt in die andere anschicken werden10). Nur diese Stelle im Evangelium behalten sie |p233/579 nämlich im Gedächtnis. Ich kenne auch ihre Hirten; im Frieden sind sie Löwen, in der Schlacht Hasen.

Über die Fragen nach der Pflichtmäßigkeit des Bekennens der Religion werde ich aber wohl anderswo eine Unterweisung geben11), für jetzt hingegen, weil sie die Frage auf werfen: Wo wird uns denn aber das Tragen von Kränzen verboten? ---- will ich lieber die vorwürfige, mehr durch den gegenwärtigen Umstand gebotene12) Sache in Angriff nehmen, damit die, welche von Unkenntnis beängstigt sich darüber zu orientieren wünschen, Aufklärung erhalten, und die, welche ein Vergehen13) zu verteidigen sich bemühen, ihre Widerlegung |p234/580 finden. Die letzteren gerade sind vor allem die lorbeerbekränzten Christen, denen dies14) ein bloßes Problem ist, als ob es entweder für gar kein Vergehen, oder doch für ein zweifelhaftes gehalten werden könne, das noch eine Untersuchung dulde. Daß es aber ein wirkliches Vergehen ist und kein zweifelhaftes, das will ich sofort hier zeigen.

2. Ich gehe von der Behauptung aus, kein einziger ven den Gläubigen läßt seinen Kopf mit einem Kranze in Berührung kommen, außer zur Zeit einer Versuchung wie die vorliegende. Alle halten es so von den Katechumenen an bis zu den Bekennern und Märtyrern, beziehungsweise Abtrünnigen.

Da siehst du, woher die Sitte, um die es sich nun handelt, ihr Gewicht und Ansehen hat. Während wir erst noch untersuchen, wie man es halten soll, steht es bereits fest, wie es zu halten ist15). Was gegen eine bestehende Übung, die sich durch sich selbst rechtfertigt, und deren Autorität durch die allgemeine Übereinstimmung hinreichend gesichert ist, unternommen wird, das muß man gewiß als Sünde ansehen, und zwar als eine ganz unzweifelhafte. Es ist selbstverständlich, daß man den Grund für dieselbe aufsuchen darf, aber unbeschadet des Gehorsams gegen diese Übung, nicht um sie zu untergraben, sondern zu ihrer Befestigung, damit man sie um so besser beobachte, wenn man auch in Betreff ihrer Begründung im reinen ist.

Was soll man aber dazu sagen, wenn jemand über die Verbindlichkeit einer frommen Übung Untersuchungen anzustellen beginnt in dem Augenblick, wo er im Begriff steht, sich von ihr loszusagen? wenn er erst zu einer Zeit, wo er davon abläßt, untersucht, woher der Gebrauch kommt? Obwohl er sich den Anschein geben will, als werfe er bloß deshalb die Frage auf, um zu zeigen, daß er beim Aufgeben der frommen Übung keinen Fehler begangen habe, so steht es fest, daß er nichtsdestoweniger gefehlt in der voreiligen Annahme und |p235/581 Befolgung derselben. Denn wenn er heute durch die Annahme eines Kranzes nicht fehlt, so hat er ehedem in Abweisung desselben gefehlt.

Daher wird diese Abhandlung nicht an solche gerichtet sein, welchen eine Untersuchung nicht zusteht16), sondern an solche, welche aus Wißbegierde nicht eine Untersuchung anstellen, sondern sich Rat erholen wollen. Einerseits ist die Wißbegierde immer die Veranlassung zum Untersuchen, andererseits lobe ich mir aber einen Glauben, der eine Übung halten zu müssen meint, noch bevor er darüber unterrichtet ist. Es ist etwas Leichtes, sogleich zu fragen: Wo steht geschrieben, daß wir uns nicht bekränzen sollen? Wo steht es denn geschrieben, daß wir es sollen? Die, welche von der Gegenseite eine ausdrückliche Bestätigung in der Hl. Schrift fordern, präjudizieren damit, daß auch für ihre Ansicht eine ausdrückliche Bestätigung der Hl. Schrift vorhanden sein müsse. Denn wenn man die Statthaftigkeit des Bekränzens auf den Grund hin behauptet, weil die Schrift es nicht verbiete, so wird mit Fug und Recht die Sache umgedreht und gesagt, sich zu bekränzen sei nicht statthaft, weil die Schrift es nicht befiehlt17). Was wird also die Praxis tun? Wird sie beides gelten lassen, als wäre keines von beiden verboten, oder wird sie beides verwerfen, als wäre keins von beiden vorgeschrieben? ---- Aber was nicht verboten wird, das ist ja von selber erlaubt, ---- Nein, im Gegenteil, was nicht ausdrücklich erlaubt wird, ist verboten.

3. Wie lange sollen wir denn immer in die nämliche Kerbe hauen, da wir es doch mit einer eingebürgerten Gewohnheit zu tun haben, welche durch Prävenienz eine |p236/582 unumstößliche Ordnung bewirkt hat?18) Wenn dieselbe auch durch keine Stelle der Schrift vorgeschrieben wird, so ist sie doch sicher durch die Gewohnheit befestigt, und diese ist ohne Zweifel aus der Überlieferung erflossen. Wie könnte etwas in allgemeinen Gebrauch kommen, wenn es sich nicht zuvor in der Überlieferung vorfindet?

Auch bei der Berufung auf die Tradition muß man, wendest du ein, die Autorität der Schrift verlangen. --Gut; untersuchen wir also auch, ob man gar keine andere als nur eine in der Hl. Schrift enthaltene Tradition gelten lassen darf! Wir werden allerdings dann in Abrede stellen, daß eine solche beobachtet werden dürfe, wenn gar keine Beispiele von anderweitigen Traditionen als Präjudiz vorliegen, von solchen Traditionen nämlich, welche wir ohne eine zur Bestätigung dienende Schriftstelle, auf bloße Überlieferung hin und auf Grund des darauf begründeten Gewohnheitsrechts aufrechterhalten.

So z. B., um von der Taufe auszugehen, wenn wir ins Wasser treten, geben wir zu gleicher Zeit, aber auch schon einige Zeit vorher, in der Kirche unter der Hand des Bischofs die Erklärung ab, daß wir dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln widersagen. Sodann werfen wir dreimal untergetaucht, wobei wir etwas mehr geloben, als der Herr im Evangelium bestimmt hat19). Herausgestiegen, genießen wir eine Mischung von Milch und Honig und enthalten uns von jenem Tage an eine ganze Woche hindurch des täglichen Bades. Das Sakrament der Eucharistie, welches vom Herrn zur Essenszeit20) und allen anvertraut 21) wurde, empfangen wir auch |p237/583 in frühmorgenlichen Versammlungen und aus der Hand keines ändern als der Vorsteher. Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar. Am Sonntage halten wir es für ein Unrecht, zu fasten oder auf den Knieen zu beten. Eben desselben Vorrechtes erfreuen wir uns in der Zeit vom Passahtag22) bis Pfingsten. Auch erregt es uns Ängste, wenn etwas von dem uns eigentümlichen Kelche und Brote zu Boden fällt. Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Waschen, Essen, Lichtanzünden, Schlafengehen, beim Niedersetzen und, welche Tätigkeit wir immer ausüben, drücken wir auf unsere Stirn das kleine Zeichen23).

4. Wolltest du für diese und andere Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der Hl. Schrift verlangen, so würdest du keine auftreiben. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon, die stete Übung als die Bestätigung dafür und den Glauben als den Befolger derselben. Den Grund aber, der für die Tradition, die stete Übung und den Glauben spricht, wirst du entweder selbst erkennen, oder von einem erfahren, der ihn erkannt hat. Bis dahin wirst du im Glauben annehmen, daß ein solcher vorhanden ist, dem man Gehorsam schuldet.

Ich füge noch ein Beispiel hinzu aus dem Alten Bunde, soweit man füglich auch aus diesem Lehren aufstellen kann. Bei den Juden ist der Gebrauch, daß die Frauen einen Schleier über den Kopf tragen, ein so fester, daß man sie daran erkennt. Ich frage nun, wo |p238/584 ist das darauf bezügliche Gesetz? Vom Apostel sehe ich hier ab24). Wenn sich Rebekka, als sie den Bräutigam von weitem erblickte, schnell einen Schleier anlegte25), so konnte ihre persönliche Sittsamkeit nicht ein allgemeines Gesetz werden, oder es wäre höchstens eins für die in ihrem Falle befindlichen Frauenspersonen geworden. Es müßten sich die Jungfrauen allein verschleiern, und zwar nur dann, wenn sie zur Vermählung sich einfinden, und nicht eher, als bis sie ihren Bräutigam erblickt haben. Wenn Susanna vor dem Gerichtshofe verschleiert erscheint26) und auch damit ein Beispiel für das Verschleiern bietet, so sage ich, auch hier liegt nur eine in freie Wahl gestellte Verschleierung vor. Sie war als Angeschuldigte hergekommen; errötend wegen der üblen Rede, die über sie ging, verbarg sie mit Recht ihre Schönheit, oder auch deswegen, weil sie fürchtete, noch jetzt zu gefallen. Aber in dem Baumgarten ihres Gemahls spazierte sie, die so gefiel, glaube ich, nicht verschleiert umher. Mag sie nun auch immer verschleiert gewesen sein; ---- ich frage bei ihr sowie bei einer jeden ändern nur, wo ist das Gesetz für diese Kleidungsweise?

Wenn ich nirgends ein solches Gesetz entdecke, so folgt daraus, daß die Tradition es war, welche dieser Sitte Gewohnheitskraft gegeben hat, welch letztere dann späterhin infolge der Erklärung der Gründe 27) die Autorität des Apostels für sich haben sollte. Mit diesen Beispielen dürfte dargetan sein, daß auch eine nicht in der Hl. Schrift vorfindliche Tradition sich wegen ihrer Beobachtung 28) rechtfertigen lasse, wenn sie bestätigt |p239/585 wird durch die Gewohnheit; denn diese bezeugt infolge der fortgesetzten Befolgung der betreffenden Gebräuche hinlänglich, daß die Tradition dazumal als eine echte29) anerkannt wurde. Man läßt ja die Gewohnheit auch in bürgerlichen Angelegenheiten, wenn kein Gesetz vorhanden ist, statt eines Gesetzes gelten, und es macht keinen Unterschied, ob sie auf etwas Geschriebenem oder auf einem Vernunftgrund beruhe, da ja auch die Gesetze erst durch Vernunftgemäßheit ihre Empfehlung erhalten. Folglich, wenn das Gesetz seinen festen Bestand in der Begründung durch die Vernunft hat, so wird alles, was durch eine vernünftige Begründung Bestand hat, Gesetz sein, mag es von wem auch immer eingeführt worden sein. Oder bist du nicht der Ansicht, daß jeder Gläubige die Freiheit habe, in seinem Geiste zu empfangen und etwas festzusetzen? ---- freilich nur etwas, was Gott angemessen, der Kirchenzucht förderlich und dem Seelenheil dienlich ist, da der Herr sagt: "Warum urteilet ihr nicht auch von euch selbst, was Recht ist?"30) Auch der Apostel sagt nicht bloß mit Bezug auf das Richten, sondern mit Bezug auf jeden Urteilsspruch über zu prüfende Sachen: "Wenn ihr etwas nicht wisset, so wird Gott es euch offenbaren"31); er selbst pflegte, im Fall er eine Vorschrift des Herrn nicht besaß, einen Rat zu geben und aus sich selbst zu reden, da er im Besitz des Geistes Gottes war, der in alle Wahrheit einführt. So behauptete denn sein bloßer Rat gewissermaßen bereits gleichen Rang mit der göttlichen Vorschrift infolge davon, daß er sich auf die göttliche Vernunft stützte. Nach dieser letzteren32) frage jetzt, wobei die Hochachtung vor der Überlieferung unangetastet bleibt, von welchem Überlieferer sie sich auch immer herschreiben möge; man hat nicht auf den Urheber zu sehen, sondern auf das Ansehen, insbesondere auch der |p240/586 Gewohnheit selber. Diese ist aus keinem ändern Grunde in Ehren zu halten, als weil sie ein Dolmetscher der vernünftigen Begründung ist, so daß, wenn Gott uns auch einen Einblick in diese letztere verleiht, man nicht sowohl die Einsicht darin erlangt, ob die Gewohnheit zu beobachten sei, sondern vielmehr, warum sie es sei.

5. Die innere Begründung der christlichen Übungen wird um so stärker, wenn ihnen die Natur, welche ja der ursprüngliche Maßstab für das richtige Verhalten aller Dinge ist, zur Seite steht. Daher ist diese denn auch die erste, welche die Rechtseinsprache erhebt, daß kein Kranz auf das Haupt gehöre. Meine Ansicht ist die, unser Gott sei der Gott der Natur, derselbe, welcher den Menschen gebildet und ihm, um ihm das Begehren, Beurteilen und Erlangen des Nutzens, den die Dinge gewähren, zu ermöglichen, die bekannten Sinne gegeben hat nebst ihren an den Gliedern befindlichen besonderen Organen. Die Fähigkeit zu hören hat er in die Ohren gelegt, das Licht des Sehens in den Augen angezündet, das Schmecken an die Zunge gebunden, das Geruchsvermögen in der Nase angefacht, das Gefühlsvermögen außen in den Händen angebracht. Durch diese Verrichtungen des äußeren Menschen, welche dem inneren Menschen dienen, wird der Genuß und der Gebrauch der göttlichen Gaben von den Sinnen zur Seele hinübergeleitet. Welches ist nun der Nutzen, den man von den Blumen hat? Denn den eigentlichen, oder doch wenigstens den vornehmsten Bestandteil der Kränze bilden ja Blumen des Feldes. Die Antwort lautet: ihr Duft, ihr Anblick oder beides zugleich. Welches sind nun die für das Riechen und Anblicken bestimmten Sinne? Ich denke doch, das Gesicht und der Geruch, Welchen Gliedern sind diese Sinnestätigkeiten zugewiesen? Den Augen und der Nase, wenn ich nicht irre. Mache also Gebrauch von den Blumen durch Gesicht und Geruch, vermittels der Sinne, denen die betreffende Annehmlichkeit zugehört; mache Gebrauch davon mittels der Augen und der Nase, mittels der Sinne, deren Glieder diese sind. Die Sache selbst ist dir von Gott übergeben worden, die |p241/587 Art der Verwendung von der menschlichen Allgemeinheit33). Trotzdem widerstrebt auch die außergewöhnliche Art eigentlich dem gewöhnlichen Gebrauche nicht; denn Blumen, aneinandergereiht oder eingeflochten, an einen Faden oder an Binsen, sollen dir dasselbe sein, wie frei und angeflochten, nämlich eine Sache zum Ansehen und um daran zu riechen. Einen Kranz soll man höchstens für ein Bündel von Blumen ansehen, die darum in einer Reihe aneinandergefaßt sind, um mehrere auf einmal tragen und mehrere zugleich genießen zu können. Stecke sie dir auch noch an den Busen, wenn es sich darauf so weich liegt, und tue34) sie in den Trinkbecher, wenn das unschädlich ist. Bediene dich ihrer auf alle die Arten, wie du sie sinnlich wahrnimmst. Aber auf dem Kopfe? ---- was hat man da für einen Genuß von der Blume? was für eine Empfindung vom Kranze? Nichts als die Empfindung einer Fessel, weil man weder die schöne Farbe sieht, noch den Duft einatmet, noch die Zartheit sich bemerklich macht, Blumen auf dem Kopfe haben zu wollen, ist ebensosehr gegen die Natur, als eine Speise mittels des Ohrs, einen Schall mittels der Nase ergreifen zu wollen. Alles, was widernatürlich ist, verdient das Brandmal der Ungeheuerlichkeit bei allen, und bei uns auch noch den Titel eines Sakrilegiums gegen Gott, welcher der Herr und Urheber der Natur ist.

6. Wenn du also nach einem Gesetze Gottes fragst, so hast du das angegebene allgemeine in der allen zugänglichen Welt, im Buche der Natur, worauf sich auch der Apostel zu berufen pflegt. So sagt er bezüglich der Verschleierung der Frauen: "Nicht einmal die Natur vermag euch zu belehren?"35) So weist er im Briefe an |p242/588 die Römer mit den Worten "auch die Heiden täten von Natur die Werke des Gesetzes"36) auf das natürliche Gesetz und auf die Natur als Gesetzgeberin hin. Im Eingange des Briefes37) sagt er, Männer und Weiber hätten den natürlichen Gebrauch der Schöpfung untereinander in einen widernatürlichen umgewandelt, und nimmt, da er diese Strafe als Vergeltung für ihre Verirrung hinstellt 38), offenbar den natürlichen Gebrauch in Schutz, Gott an sich lernen wir zuerst von selten der Natur kennen, indem wir ihm die Benennung Gott der Götter beilegen, ihn für gut halten und als den Richter anrufen. Du fragst, ob uns in Bezug auf den von seiner Schöpfung zu machenden Gebrauch die Natur den Weg zeigen müsse? Gerade deshalb, damit wir nicht durch jene hingerissen werden 39), wie sie der Widersacher Gottes verderbt hat, der die Schöpfung, die dem Menschen zu gewissem Gebrauche untergeben ist, mit den Menschen selbst ins Verderben gezogen hat, weshalb auch der Apostel sich ausdrückt, sie sei wider ihren Willen der Eitelkeit untertänig geworden 40), indem sie erst zu eitlem, dann zu schändlichem, ungerechtem und ruchlosem Gebrauch verkehrt wurde. So sind z. B, auch in Ansehung der Vergnügungen bei den Schauspielen die Geschöpfe von denjenigen Leuten nicht ihrer Ehre gemäß behandelt worden, welche in ihrem Bewußtsein empfinden, daß alles, was zur Herrichtung der Schauspiele dient, von Natur aus zwar Kreatur Gottes ist, in ihrem Wissen aber ermangeln, auch einzusehen, daß dies alles durch den Teufel eine Veränderung erlitten hat. Diesem |p243/589 Gegenstande sind wir wegen unserer Theaterfreunde sogar in griechischer Sprache gerecht geworden.

7. Deshalb sollten jene Kränzler41) vorläufig die Autorität der Natur als der allgemeinen Weisheit, insofern sie Menschen sind, gelten lassen, sowie auch die hohen Unterpfänder der eigenen Religion, insofern sie den Gott der Natur gleichsam als Kinder verehren 42), und demgemäß auch die sonstigen Gründe gleichsam zum Überfluß erkennen, um derentwillen von unsern Häuptern auf Grund einer besonderen Verpflichtung 43) Kränze, und zwar alle Kränze fernbleiben sollen. Denn wir sehen uns gedrängt, von den allen gemeinsamen Lehren der Natur uns zu den besonderen christlichen zu wenden, um diese nunmehr in ihrer ganzen Ausdehnung zu verteidigen, auch in Bezug auf die übrigen Arten von Kränzen, welche, weil aus ändern Stoffen gefertigt, für andere Zwecke bestimmt scheinen, damit man nicht glaube, weil sie, wie eben auch dieser lorbeerene Soldatenkranz, nicht aus Blumen, deren Bestimmung die Natur deutlich bezeichnet hat, bestehen 44), erstrecke sich das in unserer Genossenschaft geltende Verbot nicht auch auf sie, weil sie über den Kreis der Einsprachen |p244/590 der Natur hinauslägen. Ich sehe, daß ich noch Sorgsamer und genauer darüber handeln muß, von den Ursprüngen der Sache bis zur weiteren Entwicklung und Vollendung. Zu diesem Zwecke ist die Herbeiziehung der Profanliteratur nicht zu umgehen. Denn man muß profane Dinge auch aus ihren eigenen Urkunden erweisen. So weniges ich auch daraus berührt habe, es wird genügen.

Wenn es wirklich eine Pandora gegeben hat ---- nach dem Berichte des Hesiodus soll sie das erste Weib gewesen sein ----, so war ihr Haupt das erste, welches, als sie von allen beschenkt wurde, woher auch der Name Pandora, von den Huldgöttinnen mit einem Kranze bedacht wurde. Uns aber nennt Moses ---- kein dichterischer Hirt, sondern ein prophetischer ---- als erstes Weib die Eva, und schildert sie als eine, die sich nicht die Schläfen mit Blumen, sondern die Schamteile mit Laub umgürtete. Es ist also nichts mit der Pandora. Dem Ursprünge der Kränze gereicht auch seine Fabelhaftigkeit zum Vorwurf. Indes, jetzt über das, was von ihm45) in Wahrheit gilt. Denn es ist gewiß, daß Gewisse, über die wir gewiß sind46), die Urheber und Pfleger dieser Sache gewesen sind.

Saturn sei zuerst von allen bekränzt worden, berichtet Pherecydes, und Diodorus, Jupiter sei nach der Besiegung der Titanen mit dieser Aufmerksamkeit von den ändern beehrt worden. Letzterer schreibt auch dem Priapus die Kopfbinden zu und der Ariadne ein Geflecht aus Gold und indischen Edelsteinen, ein Werk des Vulkan, dann ein Geschenk des Bacchus, zuletzt ein Gestirn. Der Juno hat Callimachus eine Weinranke umgelegt. Ihr mit einer Weinrebe umwundenes Symbol |p245/591 zu Argos und die unter ihren Füßen ausgebreitete Löwenhaut gibt dem Beschauer zu verstehen, daß die Stiefmutter über ihre beiden Stiefsöhne triumphiere 47). Herkules ist bald mit einem Pappelzweig um den Kopf zu sehen, bald mit einem Ölzweig, bald mit Eppich, Du kennst die Tragödie von Cerberus; du kennst den Pindar, nach dessen Bericht sich Apollo, als er den Drachen Delphys getötet, einen Lorbeerkranz aufgesetzt haben soll, als Zeichen der Sühne; denn es bekränzten sich bei den Alten auch die Büßenden, Bacchus, bei den Ägyptern derselbe mit Osiris, ist, wie Harpocration berichtet, absichtlich mit Efeu versehen, weil es die Natur des Efeu sei, das Gehirn vom Katzenjammer zu befreien. Auch sonst ist Liber selbst dem Volke als der Fürst im Lorbeerkranze bekannt, mit welchem er triumphierend aus Indien heimkehrte; denn es nennt die für ihn bestimmten Festtage "Magna corona". Und wenn du die Bücher des Ägyptiers Leo aufschlägst, so findest du da, daß Isis die erste war, welche die gefundenen Ähren, die eher für den Magen gehört hätten, um den Kopf gewunden trug.

Wer noch nach mehr verlangt, dem wird es Claudius Saturninus 48) bieten, auch in dieser Materie ein ganz vortrefflicher Berichterstatter, Denn seine Schrift "über die Kränze" gibt über deren Entstehung, Ursachen, Arten und festlichen Gebrauch in einer Weise Auskunft, daß man sieht, jede liebliche Blume, jedes freundliche Laubesgrün, jede Grasart und Ranke sei irgendeinem Haupte geheiligt, woraus zur Genüge zu erkennen ist, wie sehr wir den Gebrauch, den Kopf zu bekränzen, von uns fernhalten müssen, da er von denen, welche die heidnische Welt für Götter hält, angeregt und in der Folge zu ihrer Verehrung angewendet worden ist. Denn, wenn der Teufel ein Trugbild der Gottheit hervorbringt, so ist er, der Betrüger von Anbeginn, dies ohne Zweifel auch in dieser Beziehung, und er hat |p246/592 wohlweislich auch die Personen besorgt, an denen dieses Trugbild der Gottheit sich darstellen sollte. Wofür sollen also Menschen, die dem wahren Gott angehören, dasjenige halten, was auf Betreiben der Zöglinge 49) des Teufels eingeführt, ihnen von Anfang an geweiht und schon damals von den Idolen als zur Idololatrie dienlich ausersehen wurde, und zwar, als die Idole noch lebten? Nicht als ob das Idol etwas wäre, sondern weil sich das, was ein dritter den Idolen erweist, auf die Dämonen bezieht 50). Ferner, wenn das, was ein dritter den Idolen erweist, sich auf die Dämonen bezieht, um wieviel mehr erst das, was die Idole an sich selbst taten, da sie noch lebten! Dies wußten die Dämonen sich nämlich selber durch die zu verschaffen, in deren Person sie vorher nach dem gelechzt hatten, was sie sich verschafften.

8. Halte diese Ansicht jetzt nun fest, da ich den Ansturm einer neuen Frage abwehre, Ich glaube nämlich bereits den Einwand zu vernehmen: Es gibt viele Dinge, welche von den vermeintlichen Göttern der heidnischen Welt auf die Bahn gebracht sind und die doch heutzutage noch in unserm Gebrauch, sowie auch im Gebrauch der früheren Gläubigen, in der heiligen Geschichte und bei Christus selbst angetroffen werden, indem letzterer nämlich nicht anders die Rolle des Menschen spielte, als mit Anwendung der gewöhnlichen Hilfsmittel des menschlichen Auftretens, Gut, möge es immerhin so sein, und ich will nicht weiter noch angelegentlicher die Art und Weise ihres Ursprungs untersuchen. Merkur hat zuerst den Gebrauch der Buchstaben mitgeteilt, und ich muß gestehen, sie sind für den menschlichen Verkehr und unsere Beziehungen zu Gott notwendig. Und wenn er es ebenfalls war, der die Saiten durch Anschlagen zum Klingen brachte, so kann ich ---- wenn ich David zuhöre ---- nicht weiter leugnen, daß auch diese Erfindung den Heiligen zu statten gekommen sei und Gott gedient habe. Äskulap hat als der erste die Arzneien erforscht; ---- auch Isaias erwähnt, daß er |p247/593 dem kranken Ezechias ein Heilmittel empfohlen habe 51); und Paulus weiß, daß ein wenig Wein dem Magen gut tut. Minerva soll die erste gewesen sein, die ein Schiff gebaut hat; ich erfahre später, daß Jonas und die Apostel auf dem Schiffe fahren. Mehr hat es auf sich, daß Christus auch Kleider anlegte 52); auch sollte Paulus einen Überzieher haben. Wenn man mir für jedes einzelne Hausgerät oder Gefäß einen von den Göttern der Heidenwelt als Erfinder nennen sollte, so werde ich notwendigerweise anerkennen müssen, daß Christus auf einem Speisesofa lag, den Jüngern ein Becken für die Fußwaschung entgegenbrachte, daß er aus dem Kruge Wasser hineinschüttete und sich mit einem Leinentuche umgürtete, einem Gewandstücke, das dem Osiris eigen. Fragen der Art beantworte ich immer auf diese Weise: ich lasse den gemeinschaftlichen Gebrauch der Dinge gelten, betone aber den Unterschied zwischen vernünftiger und unvernünftiger Anwendung, weil der ununterschiedliche Gebrauch jenes Verderbnis der Schöpfung, wodurch sie der Eitelkeit dienstbar gemacht ist, in täuschender Weise verhüllt. Wir behaupten also, diejenigen Dinge, welche den Bedürfnissen des menschlichen Lebens in der Weise reinen Nutzens, sicherer Hilfe oder anständigen Trostes zugute kommen, schicken sich für unsern und unserer Vorfahren Gebrauch, für die heilige Geschichte und für Christus selbst. Insoweit kann man sie als von Gott selbst eingegeben erachten, der ja der ursprüngliche Anordner, Einrichter und womöglich Freudebereiter für den ihm angehörenden Menschen war. Was aber diese richtige Ordnung überschreitet, das, behaupten wir, schicke sich nicht für unsern Gebrauch, am wenigsten solche Dinge, welche, natürlich aus ebendemselben Grunde, weder bei den Vorfahren 53), |p248/594 noch in der heiligen Geschichte, noch in dem Leben Christi wiederzufinden sind.

9. Welcher Patriarch, welcher Prophet, Levit, Priester oder Vorsteher 54), und in der Folgezeit welcher Apostel, Missionar oder Bischof findet sich mit einem Kranze geschmückt? Keiner; ich glaube nicht einmal der Tempel Gottes, die Arche des Bundes oder das Zelt des Zeugnisses, weder der Altar noch die Leuchter, für welche doch eine Bekränzung sowohl bei der Feier der ersten Einweihung, als bei der zweiten Freude der Wiederherstellung gepaßt hätte, wenn sie überhaupt Gottes würdig wäre. Nun aber, wenn das unsere Vorbilder gewesen sind ---- denn wir sind ja die Tempel Gottes, seine Altäre, Leuchter und Geräte ---- so ist uns dadurch auch in vorbildlicher Weise die Lehre angekündigt, daß die Diener Gottes sich nicht bekränzen dürfen; denn die Wirklichkeit wird dem Vorbilde entsprechen müssen. Wenn man mir vielleicht entgegenhält, Christus selbst sei gekrönt worden55), so wird man darauf sofort die kurze Antwort hören: Einen solchen Kranz laß dir auch aufsetzen; das ist erlaubt. Und doch hat nicht einmal das Volk dieses Geflecht schmachvoller Ruchlosigkeit56) veranstaltet, nein, es war eine Erfindung der römischen Soldaten und aus einem Gebrauche der Heidenwelt hervorgegangen, den das Volk Gottes weder als Ausdruck der öffentlichen Freude noch auch der angeborenen Ausgelassenheit jemals geduldet hat. Es kehrte aus der babylonischen Gefangenschaft lieber mit Pauken, Flöten und Psalmengesang zurück als mit Kränzen57), und stand nach dem Genuß von Speise und Trank auf, um zu spielen58), aber ohne Kränze. Weder in dieser Schilderung der Freude, noch in der tadelnden Beschreibung der Ausgelassenheit würde die Verzierung beziehungsweise |p249/595 Verunzierung mit Kränzen verschwiegen worden sein. Daher würde Isaias, der da sagt: "Unter Pauken, Psalmengesang und Flöten trinken sie Wein" 59), auch die Kränze erwähnt haben, wenn dieser Gebrauch in der heiligen Geschichte jemals vorgekommen wäre.

10. Wenn man uns also entgegenhält, Zieraten heidnischer Götter kämen auch bei Gott vor, um damit das Bekränzen des Kopfes für den allgemeinen Gebrauch zu retten, so stellt man damit für sich selbst das Präjudiz auf, daß wir an keinem Gebrauche teilnehmen dürfen, der sich in der heiligen Geschichte nicht findet. Was ist wohl Gottes so unwürdig, als was einem Idole ansteht? Was steht einem Idole aber so gut an, als das, was auch einer Leiche ansteht? Auch bei Leichen kommen solche Bekränzungen vor, schon aus dem Grunde, weil manche Tote alsbald zu Idolen werden durch den üblichen Anzug und Putz bei der Apotheose, welche bei uns als Idololatrie zweiten Ranges gilt. Es wird also Sache derer sein, welche der Empfindung entbehren, sich dieses Gegenstandes, dessen Empfindung sie entbehren, in gleicher Weise zu bedienen, als wie wenn sie es mißbrauchen wollten, wenn sie seiner Empfindung nicht entbehrten. Es gibt aber keinen Raum für einen Mißbrauch, wenn der richtige Gebrauch fehlt, indem das Empfindungsvermögen fehlt. Wer kann irgendeine beliebige Sache mißbrauchen, wenn es für ihn keine gibt, die er gebrauchen kann? 60) Uns aber ist vom Apostel nicht gestattet, Mißbrauch mit etwas zu treiben, der da lehrt, eher gar keinen Gebrauch 61) zu machen, wobei bestehen bleibt, daß, wer empfindungslos ist, auch keinen |p250/596 Mißbrauch treibt. Allein das Ganze ist gegenstandslos und selbst ein totes Werk, soweit die Idole in Frage kommen. Leben hat die Sache allerdings, soweit die Dämonen ins Spiel kommen, auf welche die abergläubischen Gebräuche sich zuletzt beziehen 62). "Die Götzen der Heiden", sagt David, "sind Gold und Silber. Augen haben sie und sehen nicht, Nasen und riechen nicht Hände und berühren nicht" 63). Nur mittels dieser Sinne nämlich vermag man die Blumen zu empfinden. Wenn er weiter erklärt, daß die, welche Idole verfertigen, ihnen gleich werden würden 64), dann sind die, welche etwas dem Putze der Idole Entsprechendes anwenden, bereits ihnen gleich. "Den Reinen ist alles rein" 65), ebenso auch den Unreinen alles unrein; nichts aber ist unreiner als die Götzen.

Übrigens, die Substanzen sind als solche, weil eine Sache Gottes, rein und vermöge dieser ihrer Reinheit allgemein zu gebrauchen. Aber die Art und Weise des Gebrauches selbst ist verschieden. Ich schlachte mir auch für meinen Gebrauch, so gut wie Sokrates für den Äskulap, einen Hahn, und wenn mich der Geruch irgendeines Ortes beleidigt, so zünde ich die Produkte Arabiens 66) an, aber nicht unter den Gebräuchen, in der Kleidung und mit den Zurüstungen, wie es bei den Götzen geschieht. Denn wenn die Schöpfung schon durch ein bloßes Wort in einen Zustand der Befleckung gerät ---- wie der Apostel lehrt: "Wenn jemand sagt: 'das ist den Götzen Geopfertes', so rühret es nicht an" 67) ---- um wieviel mehr wird durch die Kleidung, den Ritus und die Zurüstungen der Götzenopfer eine Befleckung herbeigeführt! Auf diese Weise wird auch aus dem Kranze ein Götzenopfer. Denn unter solchem Ritus, in dieser Kleidung und mit diesem Aufzug wird den Idolen geopfert, die selbst die Urheber davon sind und denen der Gebrauch derselben |p251/597 hauptsächlich darum zueignet, damit nichts zum allgemeinen Gebrauch zugelassen werden könne, was sich in der heiligen Geschichte nicht, findet.

Deswegen ruft der Apostel: "Fliehet den Götzendienst!" 68) Jeden Götzendienst nämlich und den ganzen. Denke an den Wald 69) und wie viele Dornen darin verborgen sind! Man darf dem Idol nichts darbringen und ebensowenig von ihm etwas nehmen. Wenn es sich mit dem Christentum nicht verträgt, sich in einem Götzentempel zur Tafel zu legen, wie kann man sich in götzendienerischer Tracht sehen lassen? „Welche Gemeinschaft hat Christus mit Belial?" 70) Deshalb fliehet! Unser weiter Abstand von dem Götzendienst legt uns ans Herz, ihm ja in keinem Stücke nahe zu kommen. Sogar der Drache auf der Erde 71) wird die Menschen schon von weitem durch seinen Atem hinwegraffen. Mit noch lauterer Stimme ermahnt Johannes 72): "Kindlein, wahret euch vor den Götzen", nicht mehr vor der Idololatrie, ihrem Dienste, sondern vor den Götzen, d, i. selbst vor ihrem Bilde; denn es wäre etwas Unwürdiges, wenn du, das Abbild des lebendigen Gottes, ein Abbild eines Götzen und eines Verstorbenen werden wolltest 73). In einemfort behaupten wir, die in Rede stehende Tracht gehöre, sowohl auf Grund der Prüfung ihres Ursprunges, als auch ihrer Anwendung bei der Ausübung des Aberglaubens, den Idolen eigentümlich an. Durch den Umstand, daß sich in der heiligen Geschichte nichts darüber berichtet findet, wird sie außerdem immer mehr und mehr denen zugewiesen, in deren Altertümern, bei deren Feierlichkeiten und Diensten sie angetroffen wird.

Schließlich werden auch die Türen, die Opfertiere und Altäre selbst, sowie deren Diener und Priester bekränzt. Die den Priesterkollegien zukommenden Arten von Kränzen findest du sämtlich bei Claudius namhaft gemacht. Wir haben auch die Unterscheidung und |p252/598 Verschiedenheit zwischen den Kränzen, die vernunftgemäß, und denen, die unvernünftig sind, einfließen lassen, welche sich denen entgegenstellt, die auf Grund einiger zufälliger Beispiele die unterschiedslose Erlaubtheit ihrer Anwendung bei allen Gelegenheiten verteidigen. In Bezug hierauf haben wir uns nun die Ursachen der verschiedenen Bekränzungen selbst näher anzusehen, um durch die Darlegung ihrer Fremdartigkeit, ja sogar ihrer Unverträglichkeit mit der christlichen Zucht den Beweis zu führen, daß sich keine von ihnen auf einen Vernunftgrund stütze, welcher imstande wäre, auch den Gebrauch einer solchen Tracht zu rechtfertigen, wie gewisser anderer Trachten, deren Analogie uns entgegengehalten wird.

11. Um die Frage in Betreff des Soldatenkranzes in Angriff zu nehmen, so muß man, glaube ich, erst untersuchen, ob es sich überhaupt für den Christen schicke, Soldat zu werden. Denn was hieße es, über Nebendinge zu verhandeln, wenn die Grundlage nicht in Ordnung ist? Halten wir es für erlaubt, einen menschlichen Fahneneid auf den göttlichen 74) zu setzen, uns noch einem ändern Herrn nach Christus zuzugeloben und von Vater und Mutter und unserem Nächsten uns loszuschwören, die doch das Gesetz zu ehren und nächst Gott zu lieben vorschreibt 75), und welche auch das Evangelium so sehr geehrt hat, sie bloß nicht höher stellend als Christum? 76) Wird es erlaubt sein, mit dem Schwerte zu hantieren, da der Herr den Ausspruch tut, "wer sich des Schwertes bedient, werde durch das Schwert umkommen"? 77) Soll der Sohn des Friedens in der Schlacht mitwirken, er, für den sich nicht einmal das Prozessieren geziemt? Wird er Bande, Kerker, Foltern und Todesstrafen zum Vollzug bringen, er, der nicht einmal die ihm selber zugefügten Beleidigungen rächt? Wird er ferner für andere Stationen halten als |p253/599 für Christus78), oder auch am Sonntage, an welchem Tage er sie nicht einmal für Christus hält? Wird er vor den Tempeln Wache stehen, denen er widersagt hat, da speisen, wo es der Apostel nicht gestattet? 79) Wird er diejenigen, welche er am Tage durch Exorzismen vertreibt, bei Nacht beschützen, gestützt und ruhend auf der Lanze, womit die Seite Christi durchbohrt wurde? Wird er auch die Fahne tragen, diese Nebenbuhlerin Christi, und sich vom Feldherrn die Losung geben lassen, da er sie schon von Gott empfangen hat? Wird er nach seinem Tode von der Trompete der Spielleute aufgeschreckt, er, der darauf wartet, von der Posaune des Engels auf erweckt zu werden? Wird auch der Christ soldatischem Herkommen gemäß verbrannt werden 80), er, dem das Verbrennen nicht erlaubt war, und dem Christus die verdiente Feuerstrafe nachgelassen hat.

Wie viele andere Übertretungen kann man noch in den Verrichtungen des Kriegslebens ausfindig machen, die einem Abfall gleichzustellen sind! Schon daß er aus dem Heerlager des Lichtes zum Heerlager der Finsternis übergeht, ist eine Handlung der Fahnenflucht. Allerdings bei solchen, die dem Soldatenstande schon angehörten und die Gnade des Glaubens nachher fanden, ist die Sache eine andere, wie z. B. auch bei denen, welche Johannes zur Taufe zuließ, wie bei jenen so gläubigen Hauptleuten, dem nämlich, welchen Christus lobte, und dem, welchen Petrus unterwies 81). Trotzdem muß man nach Annahme des Glaubens und der Taufe entweder den Kriegsdienst sofort verlassen, wie viele auch wirklich getan haben, oder, um nichts, was auch durch den Soldatenstand nicht zu etwas Erlaubtem wird 82), tun zu müssen, alle möglichen Ausflüchte suchen, |p254/600 oder zuletzt für Gott das dulden, was in gleicher Weise der heidnische Glaube zudiktiert 83). Denn weder Straflösigkeit bei Versündigungen noch Freibleiben vom Märtyrertode stellt der Soldatenstand in Aussicht.

Der Christ wird nirgendwo ein anderer, als er ist. Es gibt nur ein Evangelium, und Jesus ist einer und derselbe; er verleugnet einen jeden, der Gott verleugnet, und bekennt einen jeden, der Gott bekennt; er wird die Seele retten, die für seinen Namen verloren wurde, und im Gegenteil diejenige verderben, die wider seinen Namen erhalten wurde 84). Bei ihm gilt der gläubige Nichtsoldat als Soldat, und der gläubige Soldat nicht mehr als eine Zivilperson 85). Der Standpunkt des Glaubens läßt keine Berufung auf Notwendigkeiten zu. Es gibt keine Notwendigkeit zu sündigen für die, für welche es nur eine Notwendigkeit gibt, jene, nicht zu sündigen. Zum Opfern und direkten Ableugnen des Christentums wird man durch die zwingende Gewalt der Foltern oder Strafen gedrängt, und doch nimmt die Kirchenzucht auf diesen Zwang keine Rücksicht, weil die Notwendigkeit, die Ableugnung zu fürchten und den Märtyrertod zu erleiden, größer ist als die, dem Leiden zu entgehen und den Opferdienst zu verrichten. Im übrigen aber untergräbt eine derartige Entschuldigung das ganze Wesen es Taufbundes in einer Weise, daß sie auch zu absichtlich gewollten Sünden die Fessel lösen würde. Denn auch das Wollen kann eventuell als Notwendigkeit ausgegeben werden, wenn etwas vorliegt, was von zwingendem Einfluß auf dasselbe ist. Ich möchte aber gerade durch ihn vorbauen 86), auch in Bezug auf die übrigen |p255/601 Anlasse, von Amtswegen Kränze zu tragen, bei denen die Berufung auf die Notwendigkeit so sehr beliebt ist 87), da man eben deswegen die Ämter fliehen soll, um nicht in Versündigungen zu verfallen, oder den Märtyrertod erleiden muß, um mit den Ämtern zu brechen. In Bezug auf den ersten Punkt des fraglichen Gegenstandes, die Unerlaubtheit des Soldatendienstes an sich, will ich weiter keine Worte verlieren, um den zweiten wieder aufnehmen zu können. Fürwahr, wenn ich mit allen zu Gebote stehenden Hilfsmitteln den Soldatendienst beseitige, so wäre es zwecklos, noch zum Streite über die Kränze der Soldaten herauszufordern. So nimm denn also an, der Kriegsdienst sei erlaubt bis auf den Punkt des Kränzetragens!

12. Ich will zuerst über den Kranz selbst sprechen. Lorbeerkränze wie der in Rede stehende sind dem Apollo und dem Bacchus heilig, dem ersteren als dem Gott der Geschosse, dem anderen als dem Gott der Triumphe, so lehrt Claudius, wo er sagt, daß die Soldaten sich auch mit Myrten zu bekränzen pflegen. Denn die Myrte gehört der Venus, der Mutter der Äneaden 88), welche zugleich Geliebte des Mars ist, der durch Ilia 89) und ihre Zwillinge mit Rom in Beziehung steht. Meine Wenigkeit möchte aber glauben, Venus teilt in diesem Stücke, wo ja ihr Verdruß wegen des Kebsweibes ins Spiel kommt, die Sympathien des Mars für Rom nicht mehr. Wenn der Soldat ferner auch mit Zweigen des Ölbaumes bekränzt wird, so ist dies ein Götzendienst, der auf Minerva gerichtet ist, die, ebenfalls eine Göttin der Waffen, sich doch zur Feier des mit Neptun abgeschlossenen Friedens einen Kranz von diesem Baume aufsetzte. Diese Beziehungen bedingen den durchweg befleckten und alles befleckenden abergläubischen Charakter der |p256/602 Soldatenkränze. Schon die ihnen zugrunde liegenden Ursachen dürften ihnen zur Befleckung gereichen.

Siehe die Abhaltung der öffentlichen Gebetswünsche, was hältst du davon? Die erste findet statt vor der Kommandantur 90), die zweite auf dem Kapitol. Außer der Örtlichkeit nimm die Worte: "Dann, o Jupiter, soll dir, wir geloben es, ein Stier mit vergoldeten Hörnern werden!" 91) Welchen Sinn hat eine solche Formel? Doch wohl nur den einer Abschwörung des Christentums. Wenn die Lippen der Christen dabei auch schweigen, der Kranz auf dem Kopfe ist es, der mitspricht. Auch bei der Austeilung einer Spendenbewilligung wird das Tragen eines gleichen Lorbeerkranzes anbefohlen. Allerdings, diese Art des Götzendienstes ist nicht unentgeltlich; sie verkauft Christum für einige Goldstücke, wie Judas um Silberstücke. Wenn man dem Mammon die Hand hinhält und Gott entsagt, heißt das etwa: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon"? Heißt es: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist", wenn man Gott seine Person vorenthält und andererseits den Denar des Kaisers in Empfang nimmt? Der Lorbeerkranz aber, der beim Triumph getragen wird, ist er aus Blättern zusammengesetzt oder nicht vielmehr aus Leichen? Wird er mit Schleifen verziert oder nicht vielmehr mit Gräbern? Wird er mit Wohlgerüchen befruchtet oder nicht vielmehr mit Tränen von Gattinnen und Müttern? Vielleicht sind unter letzteren sogar Christinnen; denn auch bei den Barbaren ist Christus bekannt. Wer einen solchen Kranz auf dem Kopfe trägt, hat der nicht auch alles das auf sich |p257/603 genommen, was ihm als Ursache zugrunde liegt? 92) Es gibt noch einen ändern Kranz, den für den Soldatenstand der Palastdiener. Auch sie werden Castrenses genannt und ebenfalls bei den Festlichkeiten der Kaiser verwendet. Aber auch du bist Soldat und Knecht eines ändern, und wenn du beides bei zwei Herren, nämlich bei Gott und dem Kaiser bist, so darfst du es dann sicher für den Kaiser nicht sein, wenn du dich Gott hingeben mußt, der, sollte ich denken, auch in den Dingen den Vorzug hat, die beiden gemeinsam zukommen 93).

13. Den Trägern der öffentlichen Ämter im Staate geben die Vorfälle im Staatsleben Veranlassung zum Aufsetzen von Lorbeerkränzen. Magistratspersonen tragen überdies goldene Kränze, wie zu Athen und zu Rom. Über diesen werden noch etruskische Kränze getragen. So nennt man jene Kränze, welche aus Edelsteinen und goldenen Eichenblättern ---- letztere eine von Jupiter herrührende Auszeichnung ---- bestehen und zu den gestickten Togen beim Herumführen der Prozessionswagen aufgesetzt werden. Auch gibt es Goldkronen |p258/604 der Provinzialen94). Diese sind aber schon mehr für Statuen als für Menschen geeignet; für sie sind größere Köpfe erforderlich.

Dein Stand aber, deine Obrigkeit und der Name der Kurie, zu der du gehörst, ist: Kirche Christi. In ihren Büchern des Lebens bist du einregistriert. Dort ist dein Purpur ---- das Blut Christi ----, dort dein Purpursaum 95) ---- an seinem Kreuze ----, dort ist die Axt schon an den Wurzelstock des Baumes gelegt, dort ist das Reis aus der Wurzel Jesse. Möge man sich auch in acht nehmen wegen der Staatsrosse mit ihren Kronen! Dein Herr und Heiland hatte, als er der Schrift zufolge in Jerusalem einziehen wollte, nicht einmal einen Esel, der sein Eigentum war. "Sie auf ihren Wagen, sie auf ihren Pferden, wir aber werden im Namen unseres Herrn anrufen" 96). Schon vom bloßen Aufenthalt und Wohnen in Babylon wird uns in der Offenbarung des jonannes 97) abgeraten, wieviel mehr noch von seiner Pracht! Es bekränzt sich auch der große Haufe bald einmal aus Freude über glückliche Ereignisse im Herrscherhause, bald wieder wegen besonderer städtischer Festlichkeiten. Denn die Ausgelassenheit bemächtigt sich jeder öffentlichen Freude. Aber du ---- du bist ein Fremdling in dieser Welt, ein Bürger Jerusalems, der himmlischen Stadt. "Unser Wandel", heißt es, "ist im Himmel" 98). Du hast deine eigene Schätzung, deinen eigenen Festkalender, nichts darfst du mit den Freuden der Heidenwelt gemein haben, du mußt ihnen vielmehr entgegen sein. "Die Welt wird frohlocken, ihr aber werdet trauern" 99). Und ich glaube gar, die Trauernden hat er selig gepriesen, nicht die Bekränzten 100). |p259/605

Der Bräutigam muß bei der Hochzeit einen Kranz aufsetzen; darum eben heiraten wir keine Heiden, damit sie uns nicht zum Götzendienst hinziehen, womit bei ihnen die Hochzeiten ihren Anfang nehmen. Du hast das Gesetz von den Patriarchen her, du hast den Apostel, der im Herrn zu heiraten befiehlt.

Auch die Erteilung der bürgerlichen Freiheit dieser Welt gibt sich durch Kränze kund. Du aber bist bereits von Christus wiedergekauft, und zwar um ein Großes. Wie wird auch die Welt dem Sklaven eines ändern die Freiheit geben können? 101) Erscheint auch ihre Freiheit als Freiheit, so wird sie sich doch als Sklaverei herausstellen. Die Dinge dieser Welt sind alle nur scheinbar und nichts hat Wahrheit, Losgekauft durch Christus warst du auch damals 102) frei von den Menschen, und nun bist du ein Sklave Christi, wenngleich freigelassen von den Menschen. Wenn du die Freiheit dieser Welt für die wahre hältst, so daß du ihre Erlangung durch das Aufsetzen eines Kranzes feierst, so bist du in die menschliche Knechtschaft zurückgekehrt, welche du für Freiheit hältst; die Freiheit Christi aber, die du für Knechtschaft hältst, hast du verloren.

Sollen wir uns etwa auch noch wegen der Wettkämpfe als Veranlassungen zum Bekränzen herumdisputieren, sie, deren Verdammung schon in ihrem Namen liegt, mögen sie nun eigentlich religiöse oder Totenspiele sein? Denn das fehlte noch, daß der olympische Jupiter, der nemäische Herkules, der beklagenswerte Archemorus und der unselige Antinous in der Person des Christen bekränzt würden, und so dieser ein Schauspiel würde, das ekelhaft anzuschauen ist.

Wir haben nun, glaube ich, die Veranlassungen des Bekränzens sämtlich aufgezählt und keine ist uns günstig, alle sind für uns fremdartig, profan, unerlaubt und ein für allemal mit Ablegung des Taufgelübdes 103) abgeschworen. Diese Dinge dürften gerade die Pracht des Teufels und seiner Engel ausmachen: die Ämter des |p260/606 Heidentums, seine Ehrenstellen, Feierlichkeiten, Volksfeste, falschen Gebetsangelobungen, Dienstleistungen gegen Menschen, leeren Auszeichnungen und schnöden Ehren. In allen diesen Dingen findet sich eine Art der Idololatrie also schon in dem bloßen Ursprünge der Kränze, welche bei allen diesen Anlässen gewunden werden. Mag also Claudius in seiner Vorrede davon reden, daß auch der Himmel ---- nach Homers Gesängen ---- mit Sternen bekränzt sei, diese sind sicherlich von Gott und sicherlich für den Menschen. Darum muß auch der Mensch von Gott den Kranz erhalten.

Endlich werden auch die Hurenhäuser von den Heiden bekränzt, sowie die Abtritte, die Stampfmühlen, die Kerker, die Elementarschulen, sogar das Amphitheater und seine Leichenkammern, endlich auch die Totenbahren. Wie heilig und hehr, wie anständig und nett ein solcher Aufputz sei, das wolle man doch nicht nach dem Himmel eines Poeten, sondern nach dem Verfahren der ganzen Welt beurteilen. Der Christ hingegen wird nicht einmal seine Türe durch Lorbeerkränze verunzieren, wenn er weiß, was alles für Götterwesen der Teufel an die Türe geheftet hat, den Janus als Türgott, den Limentinus als Schwellengott, den Forculus und die Carda als Gottheiten der Türflügel und Angeln, bei den Griechen noch dazu den Apollo Thyraeus und die antelischen104) Dämonen.

14. So wenig also wird man etwas, was zur Idololatrie dient, seinem Haupte, nein, ich möchte fast sagen, Christo, da ja des Mannes Haupt Christus ist 105), aufsetzen; es ist so frei als Christus selbst und duldet nicht einmal einen Schleier, viel weniger noch eine Binde. Selbst das, was einen Schleier duldet, das Haupt des Weibes, hat, da es schon versehen mit diesem ist, keinen Platz mehr für eine solche Binde, Es hat genug an der Bürde, die ihm seine Niedrigkeit auferlegt. Wenn es sich wegen der Engel nicht in bloßem Kopfe sehen lassen darf 106), dann noch viel weniger in einem bekränzten. Es |p261/607 würde damit vielleicht jenen gekrönten Wesen Ärgernis geben. Denn was anders ist der Kranz auf dem Kopfe einer Frau, als ein Buhlen mit ihrer Gestalt, ein Schandfleck höchster Zuchtlosigkeit, die äußerste Verleugnung der Sittsamkeit und ein Zündstoff der Verführung? Deswegen wird sich das Weib nach der vorsorglichen Mahnung des Apostels 107) auch nicht zu sorgfältig putzen, um nicht in ihrer künstlichen Haartour als eine Bekränzte zu erscheinen.

Man sage mir doch einmal, der, welcher das Haupt des Mannes und das Antlitz des Weibes ist, der Gemahl der Kirche, Christus Jesus, was für einen Kranz hat der sich aufsetzen lassen, zum Heile beider Geschlechter?! Ich meine, aus Dornen und Stacheln bestand er, ein Bild der Sünden, die uns dieses Land des Fleisches 108) hervorbrachte, die aber durch die Kraft des Kreuzes hinweg-genommen sind, indem die Schmerzen des Hauptes des Herrn jeden Stachel des Todes abstumpften. Abgesehen von dieser bildlichen Beziehung, ist die Schmach, die Verunehrung, die Beschimpfung und die damit verbundene rohe Grausamkeit, womit dazumal die Schläfen des Herrn entstellt und zerfleischt wurden, vielleicht darum so offen ins Auge fallend, damit du dich jetzt mit Lorbeeren, Myrten, Ölblättern, mit sonst einem reizenden Laub oder, was noch mehr üblich ist, mit ausgewählten Zentifolien aus dem Garten des Midas, mit Lilien von beiden Sorten und Veilchen aller Art bekränzen sollst, vielleicht sogar mit Edelsteinen und Gold, um auch jene Krone nachzuäffen, die ihm nachher zuteil wurde?! Denn den Honig bekam er später zu kosten als die Galle, und er wurde nicht eher als der himmlische König der Glorie begrüßt, bevor er als König der Juden am Kreuze geächtet worden war; erst von seinem Vater ein wenig unter die Engel erniedrigt und sodann mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Wenn du wegen all dieses ihm dein Haupt schuldig bist, so gib es ihm, wenn du kannst, auch so hin, wie er seines für das deinige |p262/608 dahingegeben hat; oder aber, wenn du dich mit Dornen nicht kannst krönen lassen, so solltest du dich wenigstens nicht mit Blumen bekränzen, weil das nicht angeht.

15. Du sollst Gott sein Eigentum unbefleckt bewahren. Er wird es, wenn er will, schon krönen. Ja, er will es auch, denn er ladet dazu ein. "Wer gesiegt hat", sagt er, "dem werde ich die Krone des Lebens geben" 109). Sei auch du getreu bis zum Tode und kämpfe den guten Kampf, dessen Krone der Apostel mit Recht sich hinterlegt glaubt. Auch der Engel des Sieges 110), der auf weißem Rosse auszieht, um zu siegen, empfängt eine Krone; ein anderer ist mit dem Regenbogen der himmlischen Wiese 111) geschmückt. Es sitzen auch die Ältesten da mit demselben Golde gekrönt 112), in dem der Menschensohn selbst glänzt, über der Wolke thronend 113). Wenn solche Bilder sich in der Vision finden, wie wird erst die Wirklichkeit bei ihrem Eintreten beschaffen sein! An ihrem Anblick und Wohlgeruch weide deine Sinne! Warum willst du das Haupt, das für ein Diadem bestimmt ist, zu einem gedrehten oder gewundenen Reifchen verdammen? Denn Christus Jesus hat uns sogar zu Königen bei Gott und seinem Vater gemacht 114).

Was hast du mit der hinfälligen Blume zu schaffen? Du hast ja die Blume aus dem Reis Jesse, auf welcher die ganze Lieblichkeit des göttlichen Geistes ruht, die unverdorbene, unverwelkliche, ewige Blume, welche auch der brave Soldat für sich erwählte und so in der himmlischen Ordnung weiter aufstieg. Errötet, ihr, seine Kameraden! Ihr werdet nicht einmal mehr von ihm das Verwerfungsurteil empfangen, sondern sogar von den Kämpen des Mithras. Diese werden bei der Aufnahme durch den Weiheakt in der Höhle, dem wahrhaftigen |p263/609 Heerlager der Finsternis, ermahnt, den dargebotenen, gleichsam zur Nachäffung des Martyriums auf einem Schwerte steckenden und ihnen sodann auf den Kopf gesetzten Kranz mit abwehrender Hand vom Kopf zu entfernen und ihn womöglich auf die Schulter hinüberzuschieben mit den Worten: "Mithras ist mein Kranz," Von diesem Augenblicke an setzt der so Eingeweihte niemals wieder einen Kranz auf, und diese Handlungsweise dient ihm dazu, sich auszuweisen, wenn man ihn irgendwo in Betreff seiner Bundesangehörigkeit auf die Probe stellt. Er wird dann sofort als ein Soldat des Mithras anerkannt, wenn er den Kranz herunterwirft und sagt, sein Kranz sei in seinem Gotte. Erkennen wir darin die List des Teufels, der sich von den göttlichen Dingen manches anmaßt, um uns durch die Treue der Seinigen zu beschämen und zu richten.


Anmerkungen

1. p.231 1) Das Urteil der niederen Befehlshaber, mehr das Resultat einer Beratung, wonach die Sache an die Oberbefehlshaber zu bringen sei.

2. p.231 2) Ibidem wird oft von der Zeit gebraucht.

3. p.231 3) speculatoria caliga. Speculatores (σπεκουλάτωρ, Späher, eine Aufklärungstruppe, Mark. 6, 27), Ordonnanzen. Die gemeinen Soldaten und niederen Offiziere trugen caligae.

4. p.231 4) Vgl. Exodus 3, 5.

5. p.232 1) Vgl. Matth. 26, 52 ff.

6. p.232 2) Eph. 6, 15 ff.

7. p.232 3) de martyrii candida melius coronatus, nämlich als durch den Lorbeerkranz; zu candida vgl. Hoppe 119.

8. p.232 4) mori cupido darf nicht mit "lebensmüde" übersetzt werden; parallel dem "abrupto, praecipiti'' bezeichnet es das allzu stürmische Verlangen nach dem Tode, einen, der sich zum Tode herandrängt.

9. p.232 5) Ein Zeichen, daß Tertullian schon erklärter Montanist war, als er die Schrift de corona schrieb. Darauf weist auch die gleich folgende Bemerkung über die "pastores eorum" (der Katholiken) hin, und die vorhergehende gehässige Bemerkung: ut etiam martyria recusare meditentur. Hiermit will T. die Katholiken den Gnostikern gleichstellen, die er in Scorpiace bekämpft hat.

10. p.232 6) Anspielung auf Matth. 10, 23; 24, 16.

11. p.233 1) Sed de quaestionibus confessionum alibi docebimus. Oehler (I, 418), der unrichtig erklärt "quibus confessionibus confessiones martyrum extorquentur", verweist auf Apol. und Scorpiace, und auch Kellner meinte, T. habe auf diese beiden früher verfaßten Schriften hingewiesen. Wenn er trotzdem "docebimus" schreibe, so stehe das Futurum statt des Potential (vgl. Hoppe 64 f.). Allein das ist hier unmöglich und auch durch das folgende: "At nunc" ausgeschlossen. Quaestiones confessionum sind Fragen, welche die Pflicht des Bekennens aufwirft, und hier besonders die Frage, ob das Fliehen in der Verfolgung erlaubt sei, eine Frage, welche, wie die vorhergehenden Anspielungen beweisen, schon damals einen Gegenstand der Kontroverse zwischen Katholiken und Montanisten bildete und T. lebhaft beschäftigte. T. denkt also an eine Schrift de fuga in persecutione. Würde er an Scorpiace denken, so wäre dies ein sicherer Beweis dafür, daß diese Schrift nach de corona geschrieben sei. Aber eine Bezugnahme auf sie ist ausgeschlossen, wie ihr Inhalt beweist. Sie ist nur gegen die Gnostiker geschrieben; mit keiner Silbe wird die Frage nach der Erlaubtheit der Flucht während der Verfolgung berührt und ebensowenig die bei dieser Frage im Mittelpunkt stehende Stelle Matth. 10, 23, während die Behandlung dieser Stelle in de fuga einen breiten Raum einnimmt.

12. p.233 2) magis localem bezeichnet hier wohl kaum, daß die gegenwärtige Streitsache über die Erlaubtheit des Kranztragens nur lokales Interesse habe, sondern daß die Behandlung dieser Frage in einer eigenen Schrift durch die gegenwärtigen Umstände geboten wird, oder es bedeutet, daß er aus den Fragen in Batreff des Bekennens (quaestiones confessionum) gerade die der Kopfbekränzung herausgreifen will.

13. p.233 3) nämlich das Träges der Kränze.

14. p.234 1) das Tragen der Kränze.

15. p.234 2) Mit Oehler ist zu lesen quid observetur, nicht cur quid.

16. p.235 1) weil sie nicht eine "ratio" für die Übung suchen wollen, sondern diese Übung selbst in Frage stellen.

17. p.235 2) Dieser Satz ist offenbar sophistisch, da bei Geboten und Verboten nicht gleichmäßig verfahren werden kann, sonst wären z. B. auch manche zum Leben notwendige Tätigkeiten unstatthaft, weil die Hl. Schrift sie nirgends ausdrücklich anbefiehlt.

18. p.236 1) Statum fecit vgl. Apol. 46: ostendimus totum statum nostrum; status bezeichnet hier eine feststehende Ordnung, die als Verfassung gilt. Praeveniendo steht wohl im juristischen Sinne = sie hat den Vortritt, besteht zu Recht vor jeder Untersuchung.

19. p.236 2) Das Taufgelübde, das Glaubensbekenntnis, das sich auf die vom Herrn vorgeschriebene trinitarische Taufform aufbaute, vgl. de bapt 6.

20. p.236 3) Mit victus kann hier nichts anderes gemeint sein als die coena am Abend vor dem Leiden Christi.

21. p.236 4) Omnibus mandatum muß hier übersetzt werden "allen anvertraut worden war"; denn der Gegensatz ist: nec de aliorum manu quam praesidentium sumimus. Die Übersetzung "allen zum Empfang anbefohlen war" trifft nicht den Sinn.

22. p.237 1) Die Übersetzung des "a die Paschae" mit "vom Ostertag an" ist, glaube ich, unrichtig. Vgl. z. B. de oratione 18. Sie et die Paschae, quo communis et quasi publica ieiunii religio est, etc. Darnach ist "dies Paschae" der Charfreitag und Charsamstag.

23. p.237 2) Das sog. kleine Kreuzeszeichen, wofür Tert. das Diminutiv braucht.

24. p.238 1) weil dessen Vorschrift, l Kor. 11, 5 ff., ins Neue Test, gehört.

25. p.238 2) Gen. 24, 65.

26. p.238 3) Dan. 13, 32.

27. p.238 4) die der Apostel anführt, vgl. de orat. 21 und die Schrift de virg. velandis.

28. p.238 5) Non scriptam traditionem in observatione defendi posse darf nicht übersetzt werden "daß sich bei Gebräuchen auch, eine nicht in der Hl. Schrift vorfindliche Tradition verteidigen lasse"; "in observatione" bedeutet vielmehr: sie wird dadurch gerechtfertigt und verteidigt, daß sie allgemein geübt wird, oder es ist zu lesen "in observationem" = so daß sie zu beobachten ist. Zum Gebrauch von "in" in diesem Sinne vgl. Hoppe 39.

29. p.239 1) probatae tunc traditionis = eine Tradition, die damals, als sie eingeführt wurde, als eine echte, als eine solche erkannt wurde, die auf der "ratio" beruht.

30. p.239 2) Luk. 12, 57.

31. p.239 3) Phil. 3, 15; vgl. 1 Kor. 6, 1.ff.

32. p.239 4) der ratio, dem Veraunftgrund.

33. p.241 1) saeculum ist hier = hominum universitas, der allgemeine menschliche Gebrauch.

34. p.241 2) Die Lesart crede ist schon mehreren verdächtig vorgekommen. Ich kann damit nichts anfangen, und da das vorgeschlagene inde sich zu weit vom Text entfernt, so denke ich an conde. Übrigens ist über die fragliche Sitte der Alten leider nichts näheres bekannt, so daß sich zu einer sichern Vermutung keine Anhaltspunkte bieten.

35. p.241 3) 1 Kor. 11, 14.

36. p.242 1) Röm. 2, 14.

37. p.242 2) Ebd. 1, 26.

38. p.242 3) ex retributione erroris in vicem poenae. T. denkt an Röm. 1, 26 Propterea tradidit illos deus in passiones ignominiae. Die geschlechtliche Verirrung ist Strafe für die religiöse Verirrung, für den Abfall von Gott

39. p.242 4) Der Text lautet: Quaeris, an conditioni eius fruendae natura nobis debeat praeire, ne illa rapiamur, qua etc. Indes, das Fragezeichen ist nach praeire zu setzen, und mit "ne" ein neuer Satz zu beginnen, vor dem "debet praeire" oder "immo" zu ergänzen ist.

40. p.242 5) Röm. 8, 20.

41. p.243 1) coronarii isti sind die (cap. 1) vel maxime Christiani laureati, diejenigen, welche das Tragen der Kränze für erlaubt hielten.

42. p.243 2) deum naturae de proximo colentes, auf Grund jener Gotteserkenntnis, welche sie durch die göttliche Offenbarung besitzen. Diese ist eine "auf Grund des Familienrechtes" gegenüber der "auf Grund des Naturrechtes". Vgl. de spect. 2; adv. Marc. IV, 25. Pignora propriae religionis wird von Oehler (I. 430) falsch als "auctoritas naturae" gedeutet. Gemeint sind alle Unterpfänder der christlichen Religion, wodurch wir nicht bloß Menschen, sondern Christen und Kinder Gottes, nicht bloß durch die Schöpfung, sondern von Gott durch die Offenbarung belehrt sind.

43. p.243 3) privatim darf nicht übersetzt werden "auch im Privatleben"; es steht gleich peculiariter, speciatim und drückt die besondere Verpflichtung aus, die die Christen (nostro privatim capiti) auf Grund ihrer höheren Gotteserkenntnis haben, welche die natürliche bestätigt und vervollkommnet, sie zu einer cognitio abundans (deshalb velat ex abundanti) macht.

44. p.243 4) sondern aus Blättern.

45. p.244 1) dem Ursprung.

46. p.244 2) Die Handschriften bieten ceteros, womit nichts anzufangen ist. Von den vorgeschlagenen Emendationen hilft keine dem Schaden ab, weder caecos, noch veteres noch Graecos, auch nicht das von Kellner vermutete caelestes. Ursinus emendierte: Certe enim certos fuisse constat. Certe . . . Certos ist dann ein Wortspiel, und "certos" bezeichnet Gewisse, die uns (den Christen) wohl bekannt sind. T. denkt sicher an die Dämonen, wie die folgenden Ausführungen beweisen.

47. p.245 1) über Bacchus und Herkules.

48. p.245 2) Claudius Saturninus war ein juristischer Schriftsteller des dritten Jahrhunderts. Teuffei, Gesch. d. röm. Lit. 360, 7.

49. p.246 1) Nach der Lesart von Hildebrand: agentibus candidatis.

50. p.246 2) Vgl. 1 Kor. 10, 19 f.

51. p.247 1) Is. 38, 21.

52. p.247 2) welche eine Erfindung der Minerva sein sollten.

53. p.247 3) Die gewöhnliche Lesart apud saeculum verstößt gegen allen Sinn und Zusammenhang; ja, sie würde das Gegenteil von dem sagen, was zu sagen ist. Denn saeculum bedeutet bei Tertullian die Heidenwelt, Es liegt offenbar ein Schreib- oder Lesefehler vor; ob aber gerade superiores zu ergänzen ist, was ich aus dem vorhergehenden Satze entnommen habe, mag dahingestellt sein.

54. p.248 1) Archon, gemeint sind die Synagogenvorsteher, wie Nikodemus, Job. 3. 1; vgl. Luk. 8, 41.

55. p.248 2) Für Krone und Kranz hat der Lateiner nur das eine Wort corona. Daher dieser Einwand.

56. p.248 3) die Dornenkrone des Heilandes.

57. p.248 4) Esdras 1, 3. 2, 12.

58. p.248 5) Exod. 32, 6.

59. p.249 1) Is. 5, 12.

60. p.249 2) Der Text lautet bei Oehler: Nulla vero distantia est abutendi, cum veritas cessat utendi. Cessante natura sentiendi, qua vult quis abutatur, cum non habeat, qua utatur? Aber "cessante natura sentiendi" gehört zum vorhergehenden Satz. T. will zum Ausdruck bringen, daß die Toten nichts mißbrauchen können, weil sie von nichts Gebrauch machen können. Nulla est distantia darf nicht übersetzt werden: "es ist kein Unterschied vorhanden" oder "der Mißbrauch liegt nicht fern".

61. p.249 3) Vgl. l Kor. 7, 31.

62. p.250 1) Vgl. ebd. 10, 19.

63. p.250 2) Ps. 113, 12 ff.

64. p.250 3) similes illis fiant, qui facitmt ea. Ps. 113, 16.

65. p.250 4) Tit. 1, 15.

66. p.250 5) Räucherpulver.

67. p.250 6) 1 Kor. 10, 28.

68. p.251 1) 1 Kor. 10, 14.

69. p.251 2) der Idololatrie.

70. p.251 3) 2 Kor. 6. 15. :

71. p.251 4) der Drache der Apokalypse, vgl. c. 12. 17.

72. p.251 5) 1 Joh. 5, 21.

73. p.251 6) dadurch, daß du dich ausstaffierst wie diese.

74. p.252 1) den Taufbund.

75. p.252 2) Exod. 20, 12; Lev. 5, 16.

76. p.252 3) Matth. 10, 37.

77. p.252 4) Matth. 26, 52.

78. p.253 1) stationes steht hier in dem Doppelsinne von Feldwache und der besondern Art des Fastens, welche bei den Christen statio hieß.

79. p.253 2) in oder vor den Götzentempeln, wo er Posten zu stehen hat. l Kor. 8, 10.

80. p.253 3) seine Leiche. ---- cremare non licuit, Weihrauch beim Opfern.

81. p.253 4) Matth. 8, 10; Apg. 10, 1 ff.

82. p.253 5) Oehler widerspricht mit Unrecht der Deutung dieser Stelle bei Rigaltius. Ob seine Lesart extra militiam besser sei als ex militia, mag ich. nicht entscheiden.

83. p.254 1) den Tod.

84. p.254 2) Matth. 10, 39.

85. p.254 3) "paganus" wird unrichtig mit "Bauer" oder "Heide" übersetzt. Es bezeichnet im Gegensatz zu Militärperson die Zivilperson und T. will sagen, vor Gott sind Militär- und Zivilpersonen gleich.

86. p.254 4) ipsam praestruxerit kann sich nur auf substantiam sacramenti beziehen, und der Sinn ist: Der Taufbund baut vor, daß ein solches Wollen eintrete, das sich auf dergleichen Notwendigkeiten beruft, und stellt deshalb die Forderung, man solle die Ämter und den Kriegsdienst fliehen. Vgl. cap. 13.

87. p.255 1) Die richtige Lesart scheint hier zu sein familiarissima est advocatio.

88. p.255 2) der Römer.

89. p.255 3) Beiname der Rhea Silvia, Tochter des Numitor, die von Mars den Romulus und Remus gebar.

90. p.256 1) Der lateinische Ausdruck principia bezeichnet eigentlich die Hauptstraße des Lagers, wo der höchste kommandierende Offizier sein Zelt hatte: Hauptquartier, Kommandanturgebäude oder Zelt. Capitolia hatten in Nachahmung Köms auch andere Städte.

91. p.256 2) Oehler bringt eine verwandte Gebetsformel bei: Quod si faxis, tunc tibi in eadem verba, nomine fratrum arvalium, bove aurato, vovimus esse futurum. Tertullian hat an dieser Stelle die Neujahrsgelübde für das Wohlergehen der Kaiser im Auge. Die dabei vor sich gehenden Feierlichkeiten beschreiben Tacit. Ann. IV, 17; XVI, 22. Plinius Ep. X, 44.

92. p.257 1) Der Text: qui hanc portaverit in capite causam, nonne et ipse pugnavit ? gibt keinen Sinn Kellner übersetzte : "Wer diese Geschichten auf dem Kopfe trägt, hat der nicht auch selbst gekämpft?" Auch Oehlers Konjektur ipsi statt ipse hebt die Schwierigkeit nicht. Ich vermute, daß zu lesen ist: qui hanc (sc. triumphi lauream) portaverit in capite, causam nonne et ipse portavit ? T. will begründen, daß schon die "causae" das Tragen der Kränze beflecken. Wer die "triumphi laurea" trägt, erklärt damit, daß er mitschuldig ist au allen Übeln, die durch den Krieg hervorgerufen werden. Zu "portare causam" vgl de bapt. l "portare fidem". ---- Im folgenden Satz ist statt: Est et alia militia zu lesen: Est et alia (sc. corona) militiae. Der Sinn ist: Wenn auch dieser Kranz nicht durch die Schrecken des Krieges veranlaßt ist, so darf doch (was der folgende Satz begründet) der Christ sie nicht tragen.

93. p.257 2) Bei "et si duorum" ist zu ergänzen "miles ac servus". Der Sinn ist: In Kollisionsfällen (cum te deo debes) gehörst du Gott zu, und nicht dem Kaiser, und mußt du dich für Gott und gegen den Kaiser entscheiden; aber auch in Dingen, die beiden zukommen und miteinander verträglich sind (in communibus) z. B. Bezeugung der Ehrfurcht usw., hat Gott den Vorzug.

94. p.258 1) die goldenen Kronen, wel he die Einwohner einer Provinz als Zeichen ihrer Erkenntlichkeit den Prokuratoren oder Prokonsuln darbrachten. Sie waren zum Aufsetzen zu groß und zu schwer.

95. p.258 2) latus clavus ist der Purptrstreifen an der Toga. In clavus ist eine Anspielung auf die Kreuzesnägel gegeben, die in der Übersetzung natürlich verloren geht.

96. p.258 3) Ps. 20, 8.

97. p.258 4) Off. 18, 7.

98. p.258 5) Phil. 3, 20.

99. p.258 6) Job. 16, 20.

100. p.258 7) Matth. 5, 4.

101. p.259 1) nämlich dem Christen, der Diener Christi ist.

102. p.259 2) tunc, nämlich als du noch Sklave wäret.

103. p.259 3) in welchem man auch der "pompa diaboli" widersagt.

104. p.260 1) ἀντήλιος d. h. nach Osten gerichtet. 

105. p.260 2) 1 Kor. 11, 14. 

106. p.260 3) vgl. 1 Kor. 11, 10.

107. p.261 1) 1 Tim. 2, 9; 1 Petr. 3, 3.

108. p.261 2) terra carnis bezeichnet die vom Fluche getroffene Erde. Vgl. Job. 3, 6 und de res. carnis 45 ff.

109. p.262 1) Off. Job. 2, 10; Jak. 1. 12.

110 . p.262 2) Off. 6, 2.

111. p.262 3) Ebd. 10, 1. Der Ausdruck Wiese, der etwas befremdlich ist, wird auf das Grün des Regenbogens zu beziehen sein. Vgl. auch Off. 4, 3.

112. p.262 4) Ebd. 4, 4.

113. p.262 5) Ebd. 14, 14.

114. p.262 6) Ebd. 1, 6.


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Übersetzt von Heinrich Kellner, 1912/1915.  Übertragen durch Roger Pearse, 2002.

Der griechischer Text wird mit mit einem Unicode Schriftkegel angezeigt.


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