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SCORPIACE ODER ARZNEI GEGEN DEN SKORPIONSTICH. 

202 oder 203 n. Chr.1)

[Übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner]

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Inhalt:

1. Kap. Die Gnostiker suchen das Bekennen des Christentums vor den Heiden als unnötig und das Martyrium als von Gott nicht gefordert hinzustellen. Ihr Treiben gleicht dem der Skorpione.

2. Kap. Angabe des Themas und der Disposition. Schon der Pentateuch fordert ausdrücklich das Bekennen des wahren Gottes und verbietet aufs strengste den Abfall von ihm. Beweisstellen dafür.

3. Kap. Strafgerichte, welche über die abtrünnigen Israeliten wegen Abfalles verhängt wurden.

4. Kap. Schon aus diesen Verboten des Götzendienstes ergibt sich die Pflichtmäßigkeit des Martyriums in den Fällen, wo man sich dem Götzendienste anders nicht entziehen kann, als indem man den Tod leidet.

5. Kap. Durch das Martyrium wird die Sünde und Sündenlust überwunden. Es gehört daher zu den Arzneimitteln, wodurch Gott die Menschheit von der Sünde reinigt und ist dem Brennen und Schneiden eines Arztes zu vergleichen.

6. Kap. Die Gefahren, welchen Gott seine Bekenner aussetzt, dienen ihnen als Gelegenheit, ihre Festigkeit im Glauben zu erproben und Fortschritte zu machen. Die schwere Sünde des Abfalls vom Christentum wird um des Martyriums willen vergeben.

7. Kap. Man darf also nicht mit den Gnostikern sagen: wenn Gott das Martyrium will, so ist er ein Mörder. Denn der Märtyrertod gibt der Seele das Leben. |184 

8. Kap. Es war von Anfang an stets so, daß die Wahrheit gehaßt und verfolgt würde und folglich die Vertreter derselben zu leiden hatten. Beispiele dafür aus dem Alten Testament.

9. Kap. Auch für die christliche Wahrheit kann unmöglich etwas anderes zu erwarten sein. Die Aussprüche des Herrn, worin er das Bekenntnis seines Namens fordert, gelten nicht bloß für die Apostel, wie die Gnostiker meinen, sondern für alle. Bekämpfung der gnostischen Mißdeutung von Matth. 10, 23, wonach man zwischen Verleugnung des Christentums und Verleugnung Christi unterscheiden sollte.

10. Kap. Die Gnostiker geben vor, das von Christus geforderte Bekenntnis brauche erst im Himmel und vor den Himmelsmenschen zu geschehen. Sachliche und ironische Widerlegung dieser Torheit.

11. Kap. Auch Matth. 10, 39 ist nicht allegorisch zu verstehen. Indem die Häretiker gut verbürgte Wahrheiten nicht gelten lassen wollen, glauben sie dafür allerlei Unerwiesenes.

12. Kap. Die Schüler Christi haben seine, das Martyrium betreffenden Aussprüche immer buchstäblich verstanden; so Petrus, so Johannes.

13. Kap. Damit harmonieren auch zahlreiche Aussprüche des hl. Paulus.

14. Kap. Das Martyrium streitet nicht gegen den Gehorsam, den man der Obrigkeit nach Rom. 13, 1-4 schuldet.

15. Kap. Sind die auf das Martyrium sich beziehenden Aussprüche der Apostel etwa noch der Mißdeutung ausgesetzt, so haben wir die Beispiele von Stephanus, Jakobus, Petrus und Paulus, die es selber erlitten und so ihre Worte gegen Mißdeutung sicherten.

1. Als ein großes Übel, das aus kleinen entsteht, schwärt der Skorpion aus der Erde heraus; so vielfach die Gattung, so vielfach das Gift, so vielfach die Art, so vielfach das Verderben, so vielfach die Farben, so zahlreich die Schmerzen. Nikander gibt Beschreibungen und Abbildungen davon. Ihre Haltung beim Angriffe ist |185 dieselbe : sie bringen mit dem Schwänze, nicht mit dem Munde die Verletzung bei. Als Schwanz gilt bei ihnen die Verlängerung des Hinterkörpers und was sich da hin und her schwingt. So hebt sich jene Reihe von Knoten des Skorpions, innerlich mit einer feinen Giftader versehen, als gekrümmter Stachel nach Art einer Wurfmaschine in die Höhe und verwundet mit der Spitze. Daher hat man auch Kriegsmaschinen, die durch Zurückschnellen Geschosse schleudern, nach dem Skorpion benannt. Der Stachel ist zugleich eine Röhre mit feiner Öffnung, und wo er sich einbohrt, gießt er sein Gift in die Wunde aus. Die regelmäßige Zeit der Gefahr ist der Sommer; bei Nord- und Südwind steigert sich ihre Heftigkeit. Unter den Heilmitteln vermögen die natürlichsten am meisten. Die Magie sucht mit gewissen Binden, die Medizin mit dem Messer und einem Trank zu helfen. Manche nehmen zum voraus einen Trank als Schutzmittel ein; allein der geschlechtliche Umgang paralysiert dessen Kraft, und sie dürsten von neuem. Uns Christen dient der Glaube als Schutzwehr, wofern er nicht selbst etwa durch Mangel an Vertrauen erschüttert ist, sofort das Kreuzzeichen zu machen, eine Beschwörung zu sprechen und der Bestie einen Fußtritt zu geben2). Auf diese Weise haben wir sogar Heiden oft Hilfe gebracht, von Gott mit jener Macht begabt, deren sich der Apostel zuerst bediente, als er den Biß der Viper verachtete 3).

Was wird denn also in jener Schriftstelle verheißen4), wenn der Glaube aus sich heraus 5) sicher ist? |186 Das, daß er aus sich heraus auch sonst sicher ist, wenn er von seinen eigenen Skorpionen zu leiden hat. Auch diese haben ihren heftigen kleinen Stachel 6), auch ihre Gattungen sind mannigfaltig, auch ihre Bewaffnung ist die gleiche, und zu gewissen Zeiten stellen sie sich ein, und zwar immer nur zur Zeit der Hitze. Diese ist für uns Christen die Verfolgung. Also dann, wenn es für den Glauben eine heiße Zeit ist, wenn die Kirche in Flammen steht, wie weiland der vorbildliche Dornen-busch, dann brechen die Gnostiker los, dann schleichen sich die Valentinianer hervor, dann kriechen alle Gegner des Martyriums in Masse heraus, brennend vor Sucht, zu schaden, zu stechen, zu töten. Denn da sie wissen, daß alsdann viele einfältige und unwissende Leute schwach werden, und daß es manche gibt, die nur bei günstigem Winde, wenn es ihnen so paßt, Christen sind, so denken sie richtig, man müsse solchen dann gerade am meisten zusetzen, wenn die Furcht den Zugang zur Seele erleichtert; besonders dann, wenn bereits eine Grausamkeit vorgefallen ist und einem Märtyrer zur Krone des Glaubens verholten hat. Daher lassen sie erst den Schwanz noch nachschleppen und gebrauchen ihn, um Stimmung zu machen, oder peitschen die leere Luft und sagen: „daß schuldlose Leute sich so etwas gefallen lassen müssen!" Man könnte sie darum für Mitchristen oder gutgesinnte Heiden halten. „Ist das eine Art, eine Genossenschaft zu behandeln, die niemandem zu nahe tritt?!" Dann setzen sie ihn an: „Der Tod dieser Leute ist zwecklos." Umkommen nämlich, und zwar zwecklos, das ist die erste Ritze. Und dann stechen sie tödlich zu: „Ach, die guten, einfältigen Seelen wissen nicht, was geschrieben steht und wie es gemeint ist, wo, wann und vor wem man das Bekenntnis abzulegen habe ---- aber leider ist es nicht Einfalt, sondern Dummheit, ja sogar Wahnsinn, für Gott zu |187 sterben; denn dieser will mich ja erretten, ---- Ob der wohl tötet, welcher zum Heile führen soll? Christus ist ein für allemal für uns gestorben und einmal für uns getötet, damit wir nicht getötet würden. Wenn er aber das gleiche dafür zurückfordert, erwartet er denn auch sein Heil von meinem Tode? Oder verlangt Gott etwa nach dem Blute der Menschen, da er ja das von Böcken und Stieren verschmäht hat? Er will ja lieber die Buße des Sünders, als dessen Tod, So wenig wünscht er also den Tod der Sünder!"

Diese und andere Erfindungen häretischer Giftmischerei, wen sollten sie nicht, wenn nicht ins Verderben, so doch wenigstens in Zweifel, wen nicht, wenn nicht in den Tod, doch in Schwermut stürzen? Du aber, wenn dein Glaube wachsam ist, schleudere sofort diesem Skorpion statt des Fußtritts das Anathem zu und laß ihn in seinem Eiter 7) sterben! Sonst dringt, wenn er die Wunde gefüllt hat, das Gift in dein Inneres und gelangt in die Eingeweide, Dann sterben alsbald die früheren Gesinnungen ab, das Lebensblut der Seele wird träge, das blühende Aussehen des Geistes schwindet dahin, die Übelkeit und der Ekel vor der christlichen Religion steigern sich. Schon sucht sich der Geist einen Platz, um sich zu erbrechen, und so atmet er infolge der Krankheit, womit er einmal geschlagen ist, den tödlich verwundeten Glauben in Häresie oder in Heidentum aus.

Jetzt im gegenwärtigen Augenblick ist die Mittagshitze gerade auf ihrem Höhenpunkte, Es sind eben die Hundstage der Verfolgung, nämlich vom Hundskopf selber 8). Die einen haben im Feuer, die ändern durch das Schwert, wieder andere vor den wilden Tieren die Probe als Christen bestanden, noch andere vorläufig erst durch Schläge und Folterzangen einen |188 Vorgeschmack des Martyriums gekostet und dürsten im Kerker nach ihm. Wir selbst werden wie Hasen beim Treibjagen von weitem umzingelt, und die Häretiker schwärmen nach ihrer Weise herum.

So mahnten uns also die Zeitumstände, gegen unser Ungeziefer die Feder zu ergreifen und unsern heilenden Trank zu bereiten. Du nimmst ihn ein, wenn du dies liesest. Auch ist der Trank nicht bitter. Die Worte des Herrn sind süß über Honig und Honigseim, und aus ihnen ist unser Balsam bereitet; fließt die Verheißung Gottes von Milch und Honig, so schmeckt auch das darnach, was zu ihr hinzielt. Aber wehe denen, welche das Süße in Bitterkeit und das Licht in Finsternis verkehren! Denn in ähnlicher Weise verwandeln die, welche das Martyrium verwerfen und das Heil in Verderben umdeuten, das Süße in Bitterkeit und das Licht in Finsternis; so schieben sie Bitteres anstatt des Süßen, Licht statt der Finsternis unter, indem sie dieses elende Leben jenem glückseligsten vorziehen.

2. Jedoch, noch nicht über das hohe Gut des Martyriums, ---- zuvor muß man über dessen Pflichtmäßigkeit unterrichtet sein; nicht soll man zuvor über seinen Nutzen und erst hinterher über seine Notwendigkeit Belehrung suchen. Die göttliche Autorität hat den Vortritt ---- ob Gott so etwas gewollt und befohlen habe, so daß die, welche leugnen, daß es ein Gut ist, zu dem Vorteile, den es bringt, nur dann beredet werden sollen, wenn sie überwunden worden sind. Es ist nicht angemessen, die Häretiker zu ihrer Pflicht aufzumuntern, sondern man muß sie dazu treiben. Die Hartnäckigkeit muß man brechen, nicht bereden. Und es liegt sicherlich von vornherein ein ausreichendes Präjudiz vor, daß das ein hohes sittliches Gut ist, wovon man beweist, daß es von Gott angeordnet und vorgeschrieben ist. Hinsichtlich der Evangelien mögen sie sich erst noch etwas gedulden, bis ich deren Grundlage, das Gesetz, durchforscht, bis ich den Willen Gottes da, wo ich ihn auch selbst erkenne 9), erhoben habe. |189 

„Ich bin der Herr, dein Gott", heißt es, „der dich aus dem Lande Ägypten geführt hat. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bild machen von den Dingen, die im Himmel, die drunten auf der Erde, im Meere und unier der Erde sind. Du sollst sie nicht anbeten und ihnen nicht dienen. Denn ich bin der Herr, dein Gott" 10). Ebenso in demselben Buche Exodus: „Ihr habt gesehen, was ich vom Himmel her zu euch geredet habe. Ihr sollt euch keine silbernen und keine goldenen Götter machen" 11). Dementsprechend auch im Deuteronomium: „Höre Israel, der Herr, dein Gott ist ein einziger" und „du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen, aus allen deinen Kräften und aus deiner ganzen Seele" 12), Und wiederum: „Du sollst des Herrn, deines Gottes, nicht vergessen, der dich aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft herausgeführt hat. Du sollst den Herrn, deinen Gott, fürchten und ihm allein dienen, ihm anhängen und auf seinen Namen schwören. Den fremden Göttern und den Göttern der Völker, die um euch sind, sollt ihr nicht nachgehen; denn der Herr, dein Gott, ist ein eifriger Gott in Bezug auf dich, damit er nicht im Zorn ergrimme und dich vom Angesicht der Erde vertilge."

Er stellt aber auch Segnungen und Fluch in Aussicht und sagt: „Segen, wenn ihr alle Gebote des Herrn, eures Gottes, hört, die ich euch gegeben habe am heutigen Tage, und wenn ihr nicht abirret vom Wege, den ich euch befohlen habe, so daß ihr abweichend fremden Göttern dient, die ihr nicht kennt" 13). Hinsichtlich der gänzlichen Ausrottung der letzteren heißt es: „Gänzlich verwüsten sollt ihr alle Orte, in welchen die Heiden ihren Göttern dienen; ihr sollt diese Orte als Erbe besitzen; auf den Bergen und Hügeln und unter den belaubten Bäumen sollt ihr umreißen ihre Altäre, umstürzen und zerschlagen ihre Säulen, ausrotten ihre Haine, |190 geschnitzte Götzenbilder im Feuer verbrennen und vertilgen ihre Namen aus diesen Orten" 14), Noch fügt er bei für den Fall, daß sie in das Land der Verheißung eingegangen sind und die dortigen Völker vertilgt haben werden: „Hüte dich, daß du ihnen nicht nachfolgest, nachdem sie vor deinem Angesichte vertilgt worden sind, daß du ihre Götter nicht aufsuchst und denkst: Wie die Völker ihren Göttern tun, so will auch ich tun" 15). Er sagt sogar: „Selbst wenn ein Prophet aufstehen sollte bei dir, oder einer, der Traumgesichte hat, und dich ein Zeichen oder Wunder sehen lassen und kommen und sagen sollte: ,Kommt und laßt uns ändern Göttern dienen, die ihr nicht kennt', so sollt ihr die Rede jenes Propheten oder Sehers nicht hören, weil der Herr, euer Gott, euch auf die Probe stellt, ob ihr aus eurem ganzen Herzen und aus ganzer Seele Gott fürchtet. Dem Herrn, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen und ihn fürchten, seine Gebote bewahren und seine Stimme hören, ihm dienen und anhangen. Jener Prophet oder Seher aber soll sterben; denn er hat geredet, um dich abwendig zu machen vom Herrn, deinem Gott" 16), Und an einer ändern Stelle: „Wenn aber dein Bruder, der Sohn deiner Mutter oder deines Vaters, oder dein Sohn oder deine Tochter, oder das Weib, das an deinem Herzen ruht, oder der Freund, den du wie dein Leben liebst, heimlich sagen: ,Kommt, laßt uns gehen und ändern Göttern dienen', die du nicht kennst noch deine Väter, aus den Göttern der Heiden, die nah und fern um dich wohnen, so gehe nicht mit ihm und höre nicht auf ihn. Dein Auge schone seiner nicht und du sollst dich seiner nicht erbarmen noch ihn retten, sondern Anzeige sollst du von ihm machen. Deine Hände sollen gegen ihn sein unter den ersten, um ihn zu töten, und die Hände deines Volkes darnach; ihr sollt ihn steinigen, und er wird sterben, weil er versucht hat, dich abwendig zu machen vom Herrn, deinem Gott" 17). |191 

Er macht noch einen Zusatz hinsichtlich der Städte. Für den Fall, daß es von einer derselben feststehen sollte, daß sie auf das Betreiben gottloser Menschen sich den fremden Göttern zugewendet habe, sollen alle Einwohner getötet werden, alles dem Fluche verfallen, und es sollen alle Beutestücke aus der Stadt an ihren Ausgängen zusammengetragen und auf ihren Straßen im Feuer verbrannt werden mit allem Volke im Angesichte des Herrn, „und sie wird unbewohnt sein", heißt es, ,,in Ewigkeit, sie soll nicht wieder aufgebaut werden und nichts von ihren verfluchten Sachen in deinen Händen bleiben, damit der Herr den Grimm seines Zornes abwende" 18). Auch die Reihe der Verwünschungen beginnt mit der Verfluchung der Götzenbilder. „Verflucht sei der Mensch, der ein geschnitztes oder gegossenes Greuelbild verfertigt, ein Werk von Künstlerhänden, und es im Verborgenen aufstellt" 19). Im Leviticus aber heißt es: „Gehet nicht den Idolen nach und macht euch keine gegossenen Götzenbilder, Ich bin der Herr, euer Gott" 20). Und anderswo: „Die Söhne Israels sind meine Knechte, meine Diener, Diese sind es, die ich aus dem Lande Ägypten herausgeführt habe. Ich bin der Herr, euer Gott, Macht euch keine Gebilde der Hand und keine geschnitzte Säule stellt auf. Auch sollt ihr keinen Stein als Denkstein in eurem Lande aufstellen. Ich bin der Herr, euer Gott" 21).

Das sind die Aussprüche, die zuerst durch Moses vom Herrn getan wurden, und sie sind natürlich gerichtet an alle die, welche er als Herr und Gott Israels ebenso aus dem Ägypten der abgöttischen Heidenwelt und aus dem Hause menschlicher Knechtschaft herausgeführt hat. Allein auch in der Folgezeit hallt der Mund eines jeden der Propheten von den Worten desselben Gottes wieder; er schärft dasselbe Gesetz durch Erneuerung derselben Vorschriften ein und betont kein anderes so vorzugsweise als erstes Gebot, als |192 das, daß man sich vor jedem Verfertigen und Anbeten von Götzenbildern hüte, wie z. B, durch David: „Die Götter der Heiden sind Silber und Gold; Augen haben sie und sehen nicht; Ohren haben sie und hören nicht; Nasen haben sie und riechen nicht; einen Mund und reden nicht; Hände und fühlen nicht; Füße und gehen nicht. Ihnen gleich werden die werden, welche sie fabrizieren und auf sie vertrauen" 22).

3. Ich glaube kaum, daß man noch zu untersuchen braucht, ob Gott mit Recht verboten habe, seinen Namen und seine Ehre der Unwahrheit 23) beizulegen, ob er mit Recht nicht will, daß die, welche er dem Irrtum der Abgötterei entrissen hat, wieder nach Ägypten zurückkehren, ob er mit Recht nicht dulden will, daß die von ihm abfallen, die er sich zugesellt und auserwählt hat. Darum wird man auch nicht von uns erwarten, daß wir darüber handeln, ob es sein Wille sei, daß man die sittliche Ordnung, die er zu lehren beschlossen, auch beobachte, und ob er mit Recht den Abfall von ihr ahnde, wenn er ihre Befolgung wollte. Er hätte sie Ja umsonst gelehrt, wenn er ihre Beobachtung nicht wollte, und umsonst ihre Beobachtung gewollt, wenn er sie nicht sanktionieren will. Im folgenden soll ich vielmehr den Nachweis führen, daß diese Satzungen Gottes gegen die Abgötterei ebenso entschieden durchgesetzt als auch durch Strafe sanktioniert worden sind; denn darauf beruht der ganze Wesensgrund des Martyriums.

Moses weilte fern bei Gott auf dem Berge; unterdessen sucht das Volk, ungeduldig über seine so notwendige Abwesenheit, sich Götter zu verfertigen, die er selbst 24) vielmehr vernichtet hätte. Man setzt dem Aaron zu, und er befiehlt, daß man die Ohrringe ihrer Frauen zum Einschmelzen bringe. Denn sie sollten zum Gericht |193 für ihre Tat den wahren Schmuck ihrer Ohren, das Wort Gottes, verlieren. Tiefen Sinn hatte es, wenn das Feuer für sie das Bild eines Kalbes goß, zum Spott ihnen vorrückend, daß ihr Herz dort sei, wo auch ihr Schatz, nämlich in Ägypten, wo man unter ändern Tieren auch einen Ochsen göttlich verehrt. Dies war die Ursache, warum dreitausend Menschen von ihren nächsten Verwandten getötet wurden. Sie hatten den ihnen so innig nahestehenden Verwandten 25), Gott, beleidigt, und so haben sie als die Erstlinge in der Übertretung auch mit dem Lohn dafür den Anfang gemacht. Nach dem Buche Numeri gehen sie, als Israel bei Sethim weilte, zu den Töchtern von Moab, um Buhlerei zu treiben, werden zu den Götzenfesten eingeladen, um auch geistig Hurerei zu treiben, essen sodann auch von ihrem Befleckten, beten, die Götter des Volkes an und lassen sich in die Mysterien des Beelphegor aufnehmen. Auch wegen dieser Götzendienerei, die eine Schwester des Ehebruchs ist, kamen dreiundzwanzig Tausend durch die Schwerter der Ihrigen um und fielen dem göttlichen Zorne als Sühne.

Nach dem Tode des Jesus Nave verlassen sie den Gott ihrer Väter und dienen den Idolen, Baalim und Astarte. Der erzürnte Herr überlieferte sie in die Hände ihrer Plünderer, sie wurden voa ihnen ausgeplündert, an die Feinde verkauft und konnten vor ihren Gegnern durchaus nicht mehr standhalten. Wohin sie auch zogen, war seine Hand über ihnen zum Unheil, und sie waren sehr bedrängt. Nachher setzte Gott über sie die Richter, das, was wir unter Zensoren verstehen. Allein sie gehorchten auch Ihnen nicht auf die Dauer. Sobald einer der Richter gestorben war, sündigten sie noch schwerer als ihre Väter, indem sie fremden Göttern nachgingen, ihnen dienten und sie anbeteten. Daher ergrimmte der Herr und sprach: „Weil dieses Volk meinen Bund übertreten hat, den ich mit seinen Vätern geschlossen habe, und sie meine Stimme nicht hörten, so will auch ich; nicht auf sie achten und keinen Mann von den Völkern, welche Josua bei seinem Hinscheiden übrig gelassen hat, |194 mehr vertilgen" 26). Und so hat er fast den ganzen Zeitraum der Jahrbücher der Richter und Könige hindurch die Streitkräfte der umwohnenden Könige und Völker erhalten und Israel durch Kriege, Gefangenschaft und Knechtschaft unter den Fremden seinen Zorn fühlen lassen, so oft es sich vollends von ihm weg- und der Abgötterei zuwandte.

4. Wenn es also auf Grund so vieler und wichtiger Verbote feststeht, daß die Abgötterei von Anfang an verboten war, und auf Grund so vieler schwerwiegender geschichtlicher Zeugnisse feststeht, daß sie niemals ungestraft begangen wurde, und daß bei Gott kein Verbrechen als frecher angerechnet wird, wie eine derartige Übertretung, dann müssen wir wohl von selber einsehen, daß die Absicht der Drohungen und Strafen Gottes bereits damals darauf gerichtet war, das Martyrium so in Schutz zu nehmen, daß man es nicht bloß nicht in Zweifel ziehen darf, sondern es sogar erdulden muß, da er ihm ja durch das Verbot der Idololatrie Raum geschaffen hatte. Sonst hätten sich ja keine Martyrien ereignen können. Offensichtlich hatte er für dieselben seine Autorität eingesetzt, da er wollte, daß das auch eintreten solle, wozu er Gelegenheit gegeben hatte.

Gerade in der gegenwärtigen Zeit nämlich setzt man uns in Betreff des Willens Gottes mit Stichen zu, und der Skorpion versetzt uns einen doppelten Stich, indem er diesen Willen leugnet, und indem er ihn anklagt. Damit will er entweder einem ändern Gott, der einen solchen Willen nicht habe, Eingang verschaffen, oder doch unsern Gott stürzen, weil er einen solchen Willen habe, oder endlich, wenn er Gott nicht leugnen kann, jedenfalls diesen seinen Willen leugnen. Wir aber erledigen den Streit in Betreff Gottes und die übrige Summe der häretischen Lehre an einem ändern Ort 27) und stecken hier nur für diese eine Kampfgattung den Platz ab, indem wir behaupten, daß der Wille, welcher durch beständiges Verbieten, sowie richterliches |195 Bestrafen des Götzendienstes zum Martyrium Veranlassung gibt, keinem ändern Gott als dem Gott Israels angehöre. Denn wenn die Beobachtung des Gesetzes dazu führt, daß man Gewalttaten erdulden muß, so ist es gewissermaßen ein Gebot des zu beobachtenden Gebotes, das zu ertragen, durch dessen Ertragung ich das Gesetz zu befolgen imstande sein werde, also in unserem Falle alle Gewalttaten, womit ich bedroht werde, wenn ich den Götzendienst fliehe. Fürwahr, wer ein Gesetz auferlegt, der heischt auch Gehorsam, Es ist also unmöglich, daß er das Eintreffen dessen, worin sich der Gehorsam dokumentiert, nicht hätte wollen sollen. Also, es wird mir befohlen, niemand anders Gott zu nennen, nicht einmal mit dem Munde, ebensowenig mit der Zunge als mit der Hand mir einen ändern Gott zu machen und ihn anzubeten oder auf irgendeine Weise zu verehren, neben jenem einzigen, der mir solche Befehle gibt, den ich fürchten muß, um nicht von ihm verlassen zu werden, und den ich aus allen Kräften so lieben soll, daß ich für ihn zu sterben bereit bin. Ich nehme auf diesen Fahneneid hin Kriegsdienste und werde von den Feinden herausgefordert. Ich bin ihnen ein Genösse, wenn ich nicht mit ihnen handgemein werde 28). Ihn hochhaltend 29) kämpfe ich in der Schlachtreihe, werde verwundet, niedergestreckt und getötet. Wer hat seinem Soldaten dieses Ende bestimmt? Doch wohl nur derjenige, der ihn auf einen solchen Fahneneid in Pflicht genommen hat.

5. Da hast du nun den Willen meines Gottes. Diesem Stiche wäre vorgebeugt. Sehen wir uns den zweiten Stich näher an, jenen in Bezug auf die Beschaffenheit dieses Willens, Der Nachweis, daß mein Gott der gute sei, würde zu lange aufhalten; wir haben die Marcioniten auch schon darüber belehrt 30). Vorläufig genügt es, ihn Gott genannt zu haben, um zu dem Glauben genötigt zu |196 sein, er sei gut. Denn wer Gott für böse halten wollte, wird doch beides nicht zugleich aufrecht halten können; entweder muß er ihm den Namen Gott verweigern, wenn er ihn für schlecht hält, oder ihn gut nennen, wenn er ihn als Gott erklärt hat. Also wird auch sein Wille gut sein müssen, da er nur, wenn er gut ist, Gott sein kann. Dafür wird auch die sittliche Güte dessen, was Gott gewollt hat, ich meine des Martyriums, den Beweis liefern; denn Gutes kann er nur, wenn er gut ist, gewollt haben. Ich behaupte also, das Martyrium gilt in den Augen des Gottes, der die Idololatrie verbietet und straft, für gut. Denn Martyrium und Idololatrie sind unversöhnliche Gegensätze, Aber nur Gutes kann einen unversöhnlichen Gegensatz zum Schlechten bilden. Nicht als wollte ich leugnen, daß es sowohl beim Guten als beim Schlechten unter sich Gegensätze gebe; jedoch bei diesem Punkte liegt die Sache anders. Denn das Martyrium steht nicht im Kampfe mit der Idololatrie wegen einer beiden zukommenden Schlechtigkeit 31), sondern wegen des ihm eignenden Vorzugs; es befreit nämlich vom Götzendienste. Wer wollte das aber nicht gut nennen, wodurch man von etwas Bösem befreit wird?! Der Gegensatz zwischen Martyrium und Idololatrie ist ja kein anderer als der zwischen Leben und Tod. Dem Martyrium wird ebenso das Leben zugesprochen, wie die Idololatrie als Tod angerechnet wird. Wer das |197 Leben ein Übel nennt, dem bleibt nichts übrig, als den Tod ein Gut zu nennen.

Heilsame Dinge wegzuwerfen und verderbliche Dinge zu sich zu nehmen, das Gefahrbringende zu suchen und das Heilbringende zu meiden, ja sogar lieber nach dem Tode als nach der Heilung zu verlangen ----das ist auch eine von den menschlichen Verkehrtheiten. Denn manche verschmähen sogar die Hilfe der Arzneikunde; manche nämlich sind töricht, manche furchtsam, manche haben falsche Scham. Allerdings gibt es auch schauerliche Heilmittel, das Schneiden, das Brenneisen, den beißenden Senf. Und doch ist das Schneiden, das Brennen, das Ausgerecktwerden, das Beißen darum nichts Böses, denn diese Dinge verursachen heilsame Schmerzen. Man wird sich nicht dagegen sträuben, obwohl jene Mittel so sehr angreifen, sondern sie anwenden, weil es notwendig ist, daß sie angreifen. Die Ersprießlichkeit des Verfahrens deckt das Schreckliche desselben zu. Darum wird der, welcher jetzt unter den Händen des Arztes heult, stöhnt und brüllt, sie nachher mit Gold überschütten, ihre edle Kunst preisen und sagen, sie seien nicht schrecklich. So ist auch das Martyrium schrecklich, aber zum Heile. Es muß Gott auch verstattet sein, vermittels Feuer, Schwert und durch alles mögliche Schreckliche den Heilkünstler fürs ewige Leben zu machen.

Du wirst aber den Arzt selbst darin bewundern, daß er Heilmittel anwendet, die mit den Plagen so ziemlich gleiche Beschaffenheit haben, wenn er nämlich, gleichsam in verkehrter Weise, mit dem Hilfe schafft, woran man leidet. Hitze bewältigt er z. B. durch Überbietung der Hitze, Fieberglut löscht er, indem er sie durch Durst noch mehr anfacht, den Überfluß der Galle schränkt er ein durch lauter bittere Tränkchen, und Blutflüsse treibt er durch Aderlaß zurück, Gott aber glaubst du, und zwar als einen Zeloten, anklagen zu müssen, wenn er das Übel an der Ursache fassen und nützen will, indem er mit der Gewalttätigkeit wetteifert, wenn er den Tod durch den Tod aufheben, Mord durch Mord vereiteln, Qualen durch Qualen vertreiben, Hinrichtungen durch Hinrichtungen entkräften will, wenn er das Leben gibt, |198 indem er es nimmt, dem Fleische durch Verwunden hilft und die Seele durch Entreißen derselben rettet. Was du für Verkehrtheit ansiehst, ist sehr vernünftig; was du für Härte ansiehst, ist Güte, Wenn Gott also auf diese Weise durch Zeitliches ewige Heilung herbeiführt, so verherrliche deinen Gott wegen des Nutzens, den du davon hast. Du bist in seine Hände gefallen, aber es geschah zu deinem Glück. Auch er ist in dein Elend gefallen.

Erst macht der Mensch dem Arzt immer zu schaffen; denn er hat sich selbst die Todesgefahr zugezogen. Er war von seinem Herrn, wie von einem Arzte, in eine sehr heilsame Schule genommen worden, da er nach dem Gebote leben sollte, von allem zu essen, von einem Bäumlein allein aber sich zu enthalten, dessen Schädlichkeit vorläufig nur der Arzt selbst kannte. Er hörte aber auf jemand, der ihm besser gefiel, und brach die Enthaltsamkeit, Er aß von dem Verbotenen, und nachdem er sich an der Übertretung gesättigt, überaß er sich zum Tode, würdig fürwahr, gänzlich unterzugehen, da er es gewollt hatte. Allein der Herr hielt mit der schwersten Ahndung des Vergehens an sich, bis er mit der Zeit das Heilmittel bereitet haben würde, und stellte unterdessen die Heilmittel nach und nach zurecht, nämlich die sämtlichen Lehren des Glaubens, welche dem Laster entgegengesetzt sind, das Wort des Todes durch das Wort des Lebens aufheben und das der Übertretung willige Gehör durch den willigen Gehorsam der Hingebung verbessern. So beseitigt denn dieser Arzt, wenn er zu sterben befiehlt, nur den alten Schmutz des Todes. Was beschwert sich der Mensch, jetzt zur Heilung zu leiden, was zu leiden er sich damals aus Sündenlust nicht beschwerte? Mißfällt es ihm, zu seinem Heile getötet zu werden, da es ihm doch nicht mißfiel, sich zu seinem Verderben töten zu lassen? Sollte der vor dem Gegengift Ekel empfinden, der nach dem Gifte so gierig war?

6. Aber auch dann, wenn Gott uns das Martyrium als einen bloßen Wettkampf, in welchem wir uns mit dem Widersacher messen sollen, anheimgegeben hätte, damit der Mensch mit Tapferkeit denjenigen |199 niederwerfe, von welchem er sich so leichtlich hatte niederwerfen lassen, ---- auch dann käme noch mehr die Güte Gottes als seine Strenge ins Spiel, Er will dem mittels des Glaubens aus dem Rachen des Teufels gerissenen Menschen dazu verhelfen, daß er des Teufels spotten könne, so daß er nicht bloß dem Feinde entwischt sei, sondern als Sieger über ihn dastehe. Der ihn zum Heile berufen hatte, beliebte ihn auch zum Siege einzuladen, damit wir zur Freude über unsere Befreiung auch den Jubel eines Siegeskranzes hinzufügten.

Mit welcher Vorliebe die eben stattfindenden Kampfspiele, diese streitvollen Festlichkeiten, diese abergläubischen Wettkämpfe bei den griechischen Religionsfesten und Ausschweifungen von der Heidenwelt gefeiert werden, ist auch in Afrika bereits männiglich bekannt. Noch immer lassen die einzelnen Städte Karthago keine Ruhe mit ihren Glückwünschen, daß, nachdem die Rennbahn etwas Altes geworden, ihm ein pythischer Wettkampf beschert ist. Es galt von jeher für etwas höchst Angemessenes, Proben seiner Leistungen abzulegen, zu wetteifern, wer in den Fertigkeiten der Körperkraft und Stimmittel am meisten vermöge 32), wobei der Kampfpreis den Herold und die Schaulust den Richter macht, das Amüsement aber die Entscheidung gibt. Wo ungeschützt gekämpft wird, da gibt es immer Wunden : die Fäuste werden geschwungen, die Fersen teilen Tritte aus, man wird durch die Faustriemen geschunden, durch die Peitschen zerfleischt. Niemand jedoch wird dem Vorsitzenden Kampfrichter den Vorwurf machen, er setze die Menschen gewalttätiger Verletzung aus, Klagen über Injurien gehören nicht in die Rennbahn. Nur das, was um jene blauen Flecken, Wunden und Beulen zu haben ist, behält man im Auge, die Kränze, die Ehre, die Gaben, die staatlichen Auszeichnungen, die Besoldungen seitens der Bürgerschaft, die Bilder, Statuen und jene Art von Unsterblichkeit, wie sie die Welt zu verleihen imstande ist, das ewige Leben des Ruhmes und die Auferstehung im |200 Angedenken der Menschen. Der Kämpfer klagt nicht über seine Schmerzen; denn er will sie. Der Kranz schließt ihm die Wunden, die Siegespalme überschattet das Blut. Wolltest du den für einen geschlagenen Mann halten, dessen Freude du mit Augen siehest? Nicht einmal der Besiegte wird dem Preisrichter seinen Unfall zum Vorwurf machen.

Wird es nun wohl Gottes unwürdig sein, seine Künste und Leistungen in die Öffentlichkeit, auf die Rennbahn dieser Welt treten zu lassen, als Schauspiel iür die Engel, die Menschen und alle Gewalten? Fleisch und Geist hinsichtlich ihrer Standhaftigkeit und Ausdauer zu prüfen? Dem einen die Palme oder die Ehre zu geben, dem ändern das Bürgerrecht oder einen Ehrensold? Auch einige zu verwerfen und die Gestraften mit Schimpf und Schande auf die Seite zu bringen? Nicht wahr, du willst Gott Zeit, Art und Ort vorschreiben, wie er über seine Dienerschaft sein Urteil fällen soll, als wenn es dem Richter nicht auch zukäme, sein Urteil zum voraus zu bilden.

Wie wäre es aber, wenn Gott den Glauben dem Martyrertum ausgesetzt hätte, nicht zu bloßem Probekampfe, sondern zu eigenem Wachstum? Mußte der Glaube nicht für seine Hoffnung einen Höhepunkt haben, wohin er seinen Eifer hindrängt, dem er sich ganz weiht, wozu emporzusteigen er bestrebt ist, zumal ja auch die weltlichen Beamten nach Beförderung lechzen. Wozu wären die „vielen Wohnungen im Hause des Vaters", wenn nicht wegen der Mannigfaltigkeit der Verdienste? Wie könnte ein Stern von dem ändern verschieden sein, wenn nicht wegen der Verschiedenheit der Strahlen? Wenn übrigens einem höherstehenden Glauben eine vorzüglichere Verherrlichung gebührt, so mußte dieser Gewinn in etwas bestehen, was um hohen Preis errungen wird, durch Anstrengung, Marter, Qual und Tod 33), Wenn Leib und Seele daran gegeben werden ---- das liebste, was der Mensch besitzt, wovon ersterer das |201 Werk der Hand Gottes, letztere sein Odem ist ---- so schaue nur den Ausgleich: was eingezahlt wird 34), um Zuwachs zu bringen, erhält auch selbst den Zuwachs; was eingesetzt wird, gewinnt auch. Eins und dasselbe ist einerseits Einzahlung und anderseits Auszahlung.

Gott hat auch die ändern Schwachheiten des Menschenwesens vorhergesehen, die Nachstellungen des Widersachers, die Täuschungen durch die Dinge, die Fallstricke der Welt, daß der Glauben auch nach der Taufe wieder in Gefahr geraten und viele nach erlangtem Heile wiederum verloren gehen würden, weil sie ihr hochzeitliches Kleid befleckt und für ihre Lampen kein Öl bereitet hatten, daß diese in Schluchten und auf Bergen gesucht und auf den Schultern zurückgetragen werden müßten 35). Er hat also einen abermaligen Trost und eine letzte Hilfe bereitgestellt, den Kampf im Martyrium und die hieraus folgende Abwaschung durch Blut. Diese Glückseligkeit meint David, wenn er sagt: „Glückselig, deren Ungerechtigkeiten nachgelassen und deren Sünden zugedeckt sind. Selig der Mann, dem Gott seine Vergehen nicht zugerechnet hat" 36). Nur den Märtyrern kann im vollen Sinne nichts mehr angerechnet werden, weil ihnen bei der Abwaschung das Leben selbst in Sicherheit gestellt wird 37). So bedeckt die Liebe die Menge der Sünden 38), nämlich jene Liebe, welche, Gott liebend aus allen Kräften, die sie beim Martyrium aufbietet, aus ganzer Seele, die sie um Gottes willen hingibt, den Menschen zum Märtyrer stempelt 39), Diese Heilmittel, Ratschläge, Gerichte, Schauspiele, willst du sie etwa auch Härte von Seiten Gottes nennen? Ist Gott etwa nach dem Blute des Menschen begierig? Ich möchte es |202 wagen, Ja zu sagen, für den Fall, daß auch der Mensch das Reich Gottes, der Mensch die Sicherheit seines Heiles, der Mensch die zweite Wiedergeburt begehrt. Kein Ausgleich erregt Mißfallen, bei dem das Verhältnis sei es des Nutzens, sei es des Schadens auf beiden Seiten gleich ist.

7. Will der Skorpion noch weiter vordringen und Gott einen Menschenmörder schelten, so werde ich mich wahrhaftig entsetzen über diesen scheußlichen, gotteslästerlichen Gestank, der aus dem Munde der Häretiker hervorgeht. Doch ich werde mir auch einen solchen Gott gefallen lassen, im Vertrauen auf jene Vernunft 40), in der er in der Person seiner Sophia, durch den Mund Salomos, sich selbst einen noch schlimmeren Namen als „Menschenmörder" beilegt. „Die Sophia", sagt er, „hat ihre Kinder erwürgt" 41). Sophia ist die Weisheit, Er hat sie also mit Weisheit erwürgt, weil zum Leben, und von der Vernunft geleitet, weil zur Herrlichkeit, Das ist ein weisheitsvoller Kindesmord, ein kunstvolles Verbrechen, eine bewunderungswürdige Grausamkeit 42); sie tötet, damit der Getötete nicht sterbe! Und darum, was folgt darauf? „Der Weisheit singt man auf den Ausgängen Hymnen" 43), Es wird nämlich auch der Ausgang der Märtyrer besungen. Die Sophia ist geschäftig auf den Gassen in der Sache der Standhaftigkeit 44); zu |203 einem guten Zwecke erwürgt sie ihre Söhne, Höher als auf die höchsten Mauern vertrauend 45), spricht sie, wenn z. B. bei Isaias der eine ausruft: „Ich bin Gottes" und der andere laut ruft „im Namen Jakobs" und ein anderer schriftlich erklärt 46) „Im Namen Israels" 47), 0 gute Mutter! Auch ich hoffe noch zu ihren Söhnen zu gehören und von ihr getötet zu werden. Auch ich wünsche zu sterben, um ihr Sohn zu werden.

Bringt sie nun ihre Kinder einfach um, oder martert sie dieselben auch? Ich höre Gott nämlich an einer ändern Stelle den Ausspruch tun: „Ich will sie brennen, wie Gold in Feuer geglüht, und sie prüfen, wie Silber geprüft wird" 48). Natürlich durch die Marter des Feuers und der Hinrichtung und durch die Martyrien, welche den Glauben erproben. Auch der Apostel weiß sehr gut, was er für eine Beschreibung von Gott gibt, wenn er sagt: „Wenn Gott seines eingeborenen Sohnes nicht geschonet, sondern ihn für uns dahingegeben hat, wiesollte er nicht mit ihm uns alles geschenkt haben?" 49) Da siehst du, wie die göttliche Sophia ihren erstgeborenen und eingeborenen Sohn erwürgt hat, sicher damit er siege und die übrigen zum Leben zurückbringe. Ich kann mit der Sophia Gottes sagen: Christus ist es, der sich hingegeben hat für unsere Fehltritte, Sich selbst sogar hat die Sophia gemordet, Worte besitzen ihren geistigen Inhalt nicht bloß im Wortklang, sondern auch im Sinn 50), und sind nicht bloß mit dem Ohre aufzufassen, sondern auch mit dem Geiste. Wer nicht versteht, daß Gott grausam ist, der glaube es. Auch für den, der es nicht versteht, findet sich ein Spruch, wodurch der Verwegenheit, die Sache anders zu verstehen, gesteuert |204 wird: „Wer", heißt es, „hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen, daß er ihn belehrte? Oder wer hat ihm den Weg der Erkenntnis gezeigt?" 51) Der Diana der Skythen, dem Merkur der Gallier und dem Saturn der Afrikaner war es in der Heidenwelt vergönnt, sich durch Menschenopfer versöhnen zu lassen; dem latinischen Jupiter zu Ehren wird noch heute mitten in Rom Menschenblut vergossen 52), und niemand hat dabei Bedenken oder nimmt an, es geschehe ohne Grund oder der Wille seines Gottes sei nicht hoch zu schätzen. Wenn nun auch unser Gott als ein Opfer im eigentlichen Sinne des Wortes Martyrien verlangt hätte, wer hätte ihm dann vorgeworfen, seine Religion sei eine blutbefleckte, seine Riten jammervoll, sein Altar ein Scheiterhaufen, sein Priester ein Leichenbitter; wer hätte nicht vielmehr den für selig gehalten, der von Gott verzehrt worden wäre?! 53)

8. Wir halten also immer an dieser einen Position fest und fordern von ihr allein aus zum Kampfe auf: ob die Martyrien von Gott vorgeschrieben sind, damit man, wenn man erkannt hat, daß sie anbefohlen sind, auch glaube, daß sie mit gutem Grunde anbefohlen sind, da Gott ohne solchen nichts anbefohlen hat. „Kostbar ist vor ihm der Tod seiner Frommen", wie David singt 54); aber, sollt ich denn doch denken, nicht der Tod in der gewöhnlichen Form, als allen gemeinsamer Tribut ---- ist derselbe doch sogar schmachvoll als Strafsentenz für die Übertretung und als verdiente Verurteilung ---- sondern jener Tod, dem man sich in Gott selbst unterzieht wegen des Zeugnisses für die Religion, im Kampf für das Bekenntnis und um der Gerechtigkeit und der |205 Heilsgeheimnisse willen. Wie Isaias sagt: „Seht, der Gerechte kommt um und niemand nimmt es zu Herzen; die gerechten Männer gehen dahin und niemand achtet darauf; von der Ungerechtigkeit nämlich kommt der Gerechte um" 55) und „sein Begräbnis wird seine Ehre sein." Da hast du das Lob und die Belohnung des Martyriums!

Von Anbeginn an leidet die Gerechtigkeit Gewalt. Sobald die Verehrung Gottes ihren Anfang nahm, wurde die Religion Gegenstand des Mißfallens. Wer Gott wohlgefällig war, wurde erschlagen, und zwar von seinem eigenen Bruder. Damit die Gottlosigkeit um so eifriger nach fremdem Blute trachte, fing sie mit ihrem eigenen an. So hat sie späterhin nicht bloß nach dem Blute der Frommen, sondern auch nach dem der Propheten gelechzet. David wird umhergehetzt, Elias verjagt, Jeremias gesteinigt, Isaias zersägt, Zacharias zwischen Tempel und Altar umgebracht und läßt unvergängliche Blutflecken auf den Steinen zurück. Selbst der, welcher den Schluß des Gesetzes und des Prophetentums bildete, der nicht Prophet, sondern Engel genannt wurde, mußte eines scheußlichen Todes sterben, gleichsam zum Salär für ein Harfenmädchen 56).

Auch diejenigen, welche sich vom Geiste Gottes treiben ließen, wurden von ihm zum Martyrium geführt, indem sie das, was sie gepredigt hatten, auch duldeten. Als die Einweihung des Bildes des Königs der Volksmasse durch die geforderte Ehrenbezeugung 57) Bedrängnis verursachte, wußten jene drei Brüder recht gut, was der Glaube fordere, welcher allein bei ihnen nicht gefangen war, nämlich, daß man sterben müsse im Kampf gegen die Idololatrie, Sie vergaßen nicht, daß Jeremias denen, welchen die Gefangenschaft bevorstand, geschrieben hatte: „Nun werdet ihr die goldenen und silbernen |206 Götter der Babylonier sehen, wie sie auf den Schultern der Menschen getragen werden und den Heiden Furcht einjagen. Hütet euch also, damit ihr nicht auch werdet wie die fremden Volksstämme und von Furcht befallen werdet, wenn ihr die Scharen sehet, die vor und hinter ihnen anbetend niederknien, sondern damit ihr in eurem Herzen sagt: Dich müssen wir anbeten, o Herr" 58), In festem Vertrauen auf Gott also und mit Seelenstärke wiesen sie die bedingten Drohungen des Königs ab und sagten: „Wir haben nicht nötig, diesem deinem Befehl zu entsprechen; denn unser Gott, den wir verehren, ist mächtig genug, uns aus dem Feuerofen und aus deinen Händen zu retten, und dann wird es dir offenbar werden, daß wir weder deinem Idol dienen, noch dein goldenes Bild, welches du aufgestellt hast, anbeten" 59). Ein herrliches Martyrium, welches auch ohne wirkliches Leiden ein vollendetes war! Sie haben genug ausgestanden, genug vom Feuer gelitten, und deshalb hat sie Gott mit seinem Schutz bedeckt, damit es nicht scheine, als hätten sie in Betreff seiner Macht etwas Falsches behauptet. So hätte auch Daniel, der keinen außer Gott anrief, der deswegen von den Chaldäern angezeigt und dessen Tod gefordert wurde, sofort bei der gewöhnlichen Wildheit der eingesperrten Löwen ihr Fraß werden müssen, wenn die würdige Vorstellung des Darius in Betreff Gottes hätte getäuscht werden dürfen.

Im übrigen aber mußte jeder Verkündiger und Verehrer Gottes leiden, wenn er, zur Verehrung der Götzen aufgefordert, den Gehorsam verweigerte; schon aus dem Grunde, weil die Wahrheit sowohl den Zeitgenossen damals, als späterhin den Nachkommen empfohlen und ans Herz gelegt werden mußte. Das Leiden ihrer Verteidiger selbst mußte für sie Bürgschaft leisten; denn niemand würde den Tod haben erleiden wollen, als wer im Besitz der Wahrheit war 60). Das sind die Vorschriften |207 und Beispiele aus der Vorzeit, welche zeigen, daß der Glaube zum Martyrium verpflichtet.

9. Damit es nicht etwa scheine, als besäße der Alte Bund dieses sein Geheimnis als ausschließliches Eigentum, so erübrigt uns noch, auch den christlichen Neuen Bund durchzugehen, ob er etwa von Gott eine andere und demnach in Bezug auf die Disziplin eine entgegengesetzte Lehre verkünde, deren Weisheit (sophia) ihre Söhne zu erwürgen nicht versteht. Fürwahr, die Gottheit, ihr Wille und ihre Schule ist ganz anders bei Christus, Martyrien befiehlt er entweder überhaupt gar nicht oder sie sind anders zu verstehen, zu einem solchen Kampfe ermahnt er niemand, und denen, die für ihn gelitten haben, verspricht er nichts, weil er ihre Leiden nicht wollte, und deshalb spricht er, wenn er seine Hauptgebote als Leitsterne verkündet 61), die Worte: „Selig sind die, welche Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich"?! 62) Diese Worte gelten allgemein für alle; sodann speziell für die Apostel: „Selig seid ihr, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen, und alles Schlechte gegen euch reden um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket; denn sehr groß ist euer Lohn im Himmel, denn so haben es ihre Väter den Propheten auch gemacht" 63). Damit verkündete er ihnen vorher, daß auch ihnen nach dem Vorgang der Propheten der Tod bevorstehe. Indes gesetzt, er hätte alle diese Verfolgungen, als bloß bedingte, damals nur für die Apostel bestimmt, so würde durch diese mit der gesamten Heilslehre, mit der Erbschaft des christlichen Namens, mit der Übertragung des Hl. Geistes auch die Lehre und Anleitung, sich Verfolgungen zu unterziehen, sich auf uns mitbeziehen, da wir ihre Erben und Schüler, die Schößlinge aus dem |208 apostolischen Samen sind. Denn wenn er auch folgenden Ausspruch wiederum an die Apostel richtet: „Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe", und „hütet euch vor den Menschen; denn sie werden euch den Ratsversammlungen überliefern, in ihren Synagogen euch geißeln, und ihr werdet vor die Könige und Statthalter geführt um meinetwillen, zum Zeugnis für sie und die Heiden" usw., dann aber hinzufügt: „Es wird der Bruder den Bruder zum Tode ausliefern, und es werden sich Kinder gegen ihre Eltern erheben und sie töten" 64), so hat er doch diese letztere Bosheit offenbar als eine anderen Personen bevorstehende verkündigt. Denn bei den Aposteln finden wir davon nichts. An keinem von ihnen ist der Vater oder Bruder zum Verräter geworden, wie es jetzt sehr vielen von uns ergangen ist. Sodann kommt er auf die Apostel zurück mit den Worten: „Ihr werdet allen verhaßt sein um meines Namens willen," Um wieviel mehr noch wir, die wir sogar von unsern Eltern ausgeliefert werden sollen!

So hat er denn, indem er diese Auslieferung 65) bald den Aposteln, bald allen in Aussicht stellt, über alle, welche den Namen Christen und den damit verknüpften Haß tragen, dasselbe Los verhängt. „Wer aber ausharret bis ans Ende, der wird gerettet werden" 66). Worin denn ausharret? Doch nur in der Verfolgung, bei der Auslieferung und Hinrichtung. Denn ausharren bis ans Ende heißt nichts anderes als das Ende erleiden. Daher folgt auch sogleich die Lehre: „Der Schüler ist nicht über den Lehrer, noch der Knecht über den Herrn." Da der Herr und Meister Verfolgung, Auslieferung und den Tod ertragen hat, so werden die Schüler und Knechte noch um so mehr denselben Preis zahlen müssen, damit es nicht scheine, als seien sie gleichsam als |209 Höherstehende vor Ungerechtigkeit geschützt, während ihnen doch gerade der Umstand zur Erlangung der Herrlichkeit genügen soll, daß sie im Leiden ihrem Herrn und Meister gleich geworden sind. Sie zur Erduldung desselben aufrichtend ermahnt er, „nicht diejenigen zu fürchten, welche bloß den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern Furcht lieber vor dem zu hegen, welcher imstande ist, Leib und Seele zu töten und in die Hölle zu stürzen" 67). Wer sind nun diejenigen, die bloß den Leib töten, anders als die vorhergenannten 68) Präsidenten und Könige, bloße Menschen, wie mich dünkt? Wer aber herrscht zugleich über die Seelen, wenn nicht Gott allein? Wer anders ist der mit dem Feuer drohende, als der, ohne dessen Willen kein Sperling, d. h, keine der beiden Substanzen des Menschen, weder Leib noch Seele, zur Erde fällt? Sogar die Zahl der Haare ist bei ihm aufgezeichnet. Wenn er außerdem noch sagt: „Fürchtet euch also nicht! Ihr seid besser als viele Sperlinge" 69), so verspricht er damit, daß wir nicht vergebens, d. h. nicht ohne Nutzen zur Erde fallen sollen, im Fall wir es vorziehen, uns lieber von den Menschen als von Gott töten zu lassen.

„Jeder also, der in mir 70) Bekenntnis ablegen wird vor den Menschen, in dem werde auch ich ein Bekenntnis ablegen vor meinem Vater, der im Himmel ist." „Und jeder, der mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist." Klar und deutlich, sollte ich meinen, sind Begriff und Wesen, sowohl des Bekennens als des Leugnens, ausgesprochen, wenn auch die Wahl der Worte 71) eine verschiedene ist. Wer sich als Christen |210 bekennt, der bezeugt, Christo anzugehören; wer Christo angehört, der muß notwendig in Christo sein. Wer in Christo ist, der bekennt fürwahr in Christo, wenn er sich als Christen bekennt. Denn er kann dies nicht sein, wenn er nicht in Christo ist. Indem er ferner in Christo bekennt, bekennt er auch Christum, der da in ihm ist, solange er selbst, nämlich als Christ, in jenem (in Christo) ist. Spricht man z. B. das Wort Tag aus, so bezeichnet man damit, auch ohne das Wort Licht auszusprechen, die Wirkung des Lichtes, welches den Tag bewirkt. So ist auch, wenn er sich auch nicht direkt ausgedrückt hat: „Wer mich bekennt", der Akt des täglich vorkommenden Bekennens nicht verschieden von dem, was der Ausspruch des Herrn besagt. Denn wer bekennt, was er ist, d. h. sich als Christen, der bekennt auch das, wodurch er dies ist, d. h. Christum. Mithin, wer ableugnet, ein Christ zu sein, der hat ,,in Christo" verleugnet; denn er leugnet, in Christo zu sein, da er leugnet, ein Christ zu sein; indem er aber dadurch, daß er leugnet, in Christo zu sein, auch leugnet, daß Christus in ihm ist, so wird man damit auch Christus selbst verleugnen. Somit wird also der, welcher in Christo geleugnet hat, Christum selbst verleugnen, und der, welcher in Christo bekannt hat, Christum selbst bekennen.

Es hätte also genügt, wenn der Herr bloß in Betreff des Bekennens einen Ausspruch getan hätte. Denn aus der Form des Bekennens hätte man sich auch von vornherein über das Gegenteil davon, d. i. über die Verleugnung, das Urteil bilden können, daß die Verleugnung ebenso mit Verleugnung von Seiten des Herrn vergolten werde, wie das Bekennen mit Bekennen. Wenn daher aus der Form des Bekennens auch das Schicksal der Verleugner erkannt wird, so ist es klar, daß die Verleugnung sich nicht deshalb auf eine andere Weise vollzieht 72), weil der Ausspruch des Herrn über sie anders |211 lautet, als der über das Bekennen, wenn er nämlich sagt: „Wer mich", nicht „wer in mir" verleugnen wird. Er hatte nämlich voraus erkannt, daß bei der Bekämpfung des Christentums sehr oft auch die Gewalttat erfolgen würde, daß man einen, der geleugnet hat, ein Christ zu sein, auch noch zwingen werde, sogar Christum selbst zu lästern und zu verleugnen. In solcher Weise ist vor nicht langer Zeit 73), wie wir zu unserem Schrecken gesehen haben, bei einigen ihr Glaube bis auf seine letzten Fasern befehdet worden.

Daher wird es vergeblich sein, sich zu sagen, wenn ich auch geleugnet habe, ein Christ zu sein, so werde ich doch nicht von Christus verleugnet werden; denn ich habe ihn selbst nicht abgeleugnet. Kraft jener Verleugnung wird er in gleich großer Schuld verstrickt erfunden werden, weil er durch Verleugnung seiner Christenwürde leugnend, daß Christus in ihm sei, auch Christum selbst verleugnet hat. Als weiteres Moment kommt noch hinzu, daß er denen, die sich seiner schämen, auch mit Beschämung droht: „Wer sich meiner vor den Menschen geschämt hat, den werde auch ich vor meinem Vater beschämen, der im Himmel ist"; denn er wußte recht gut, daß durch Scham die Ableugnung gerade am meisten vorbereitet wird, daß der Seelenzu-stand sich auf der Stirn kundgibt und die Wunde des Sichschämens der Verwundung des Körpers vorausgeht.

10. Wollte man dagegen glauben, das geforderte Bekenntnis habe nicht hier, d. h. nicht innerhalb des Umkreises dieser Erde, nicht innerhalb der Frist dieses Lebens und nicht vor Menschen von dieser unserer gewöhnlichen Beschaffenheit zu geschehen, wie sehr wäre nicht eine solche Annahme gegen die gesamte Ordnung der Dinge, die wir auf dieser Erde, in diesem Leben und vor den menschlichen Mächten zu erfahren |212 haben?! Nämlich 74) erst wenn die Seelen aus den Leibern herausgegangen sind, und erst wenn man angefangen hat, durch die einzelnen Stockwerke des Himmels hindurch, sie einer Untersuchung in Betreff der Aufnahme 75) in das jedesmalige Stockwerk und einem Verhör über die geheimen Lehren der Häretiker zu unterziehen, dann erst hat das Bekenntnis stattzufinden, vor den richtigen Mächten und den wirklichen Menschen, den Vollkommenen, Unwandelbaren und Unbescholtenen des Valentinus 76). Denn Wesen wie wir sind, behaupten sie, habe nicht einmal der Demiurg konstant als Menschen gelten lassen, sondern sie wie den Tropfen am Eimer, den Staub auf der Tenne, wie Auswurf oder wie Heuschrecken angesehen und sie sogar dem unvernünftigen Vieh gleichgestellt. Allerdings kommen solche Ausdrücke in der Hl. Schrift vor. Darum darf man aber kein zweites Menschengeschlecht neben uns annehmen, sondern die Schrift konnte uns, eben weil unsere menschliche Existenz feststeht, ganz gut in einen Vergleich stellen, unbeschadet dessen, daß wir eine eigene und für sich bestehende Art sind. Wenn auch der Lebenswandel so der Befleckung verfallen ist, daß er der Verachtung preisgegeben und mit verächtlichen Dingen verglichen werden kann, so ist doch damit noch nicht gleich die Natur aufgehoben, so daß man bei ihrem Namen an eine andere denken dürfte. Im Gegenteil, die Natur bleibt, wenn auch die Lebensweise eine beschämende ist, und Christus weiß von keinen ändern Menschen, als die sind, von denen er sagt: ,,Was sagen die Menschen, wer ich sei?" Und „wie ihr wollt, daß euch die Menschen tun, so tut ihnen auch! 77) Da siehe nun, ob für ihn die Gattung von Wesen, von |213 welchen er ein Zeugnis für sich erwartet, und gegen welche er wechselseitige Gerechtigkeit befiehlt, dieselbe sei. Wollte ich aber einmal verlangen, jene Himmelsmenschen zu sehen, so würde mir Aratus eher die Sternbilder: Perseus, Kepheus, Erigona und Ariadne abzeichnen.

Was aber hätte den Herrn hindern können, deutlich zu bestimmen, daß auch das Bekenntnis der Menschen dort abzulegen sei, wo, nach seiner offenen Erklärung, sein eigenes Bekenntnis in der Zukunft stattfinden wird, so daß er folgendermaßen gesagt hätte: „Wer in mir bekennet vor den Menschen im Himmel, den werde auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist." Er hätte die Pflicht gehabt, mich vor der irrtümlichen Annahme eines Bekenntnisses hier auf Erden zu bewahren, dessen Ablegung er nicht gewollt hätte, wenn er ein solches im Himmel zur Vorschrift gemacht hätte. Mir waren ja keine ändern Menschen bekannt als die Bewohner der Erde, ja er selbst, der bis dahin einzige himmlische Mensch, war nicht einmal voll und ganz erkannt 78). Wie unglaublich ist es ferner, daß ich, nach meinem Tode in den Himmel erhoben, dort einer Probe unterworfen werde, da ich ungeprüft doch gar nicht dorthin versetzt werden kann. Ich soll dort über die Aufnahme examiniert werden, wohin ich, wenn ich der Zulassung unwürdig bin, gar nicht kommen konnte?! Der Himmel steht dem Christen eher offen als der Weg dazu, da es ja zum Himmel keinen Weg gibt als nur für den, dem der Himmel schon offen steht. Wer bis zu ihm |214 hin gelangt ist, der wird Einlaß erhalten. Welche Türgottheiten soll ich, entsprechend dem Aberglauben der Römer, dort zu finden erwarten? Etwa Carnus, Forculus und Limentinus? Welche Mächte willst du an den Toren aufstellen? Wenn du jemals bei David gelesen hast: „Öffnet eure Tore, ihr Fürsten; es mögen sich auftun die ewigen Tore und es wird eintreten der König der Herrlichkeit" 79), und wenn du von Amos vernommen hast: „Er baut im Himmel seinen Aufgang und gießt seinen Ausfluß über die Erde" 80), so magst du wissen, jener Aufgang ist seitdem geebnet ---- durch die Fußstapfen des Herrn, jener Eingang von der Zeit an aufgeriegelt ----durch die Kraft Christi, und es tritt uns Christen an jener Schwelle kein Aufenthalt und kein Fragesteller entgegen, da wir dort nicht mehr untersucht, sondern anerkannt, nicht verhört, sondern zugelassen werden müssen. Und wenn du etwa glauben solltest, der Himmel sei auch jetzt noch verschlossen, so erinnere dich, daß der Herr die Schlüssel dazu hienieden dem Petrus und durch ihn der Kirche hinterlassen hat, und jeder, der hier 81) verhört ist und bekannt hat, wird sie mit sich nehmen.

Allein der Teufel bleibt dabei, man müsse jenseits ein Bekenntnis ablegen, um uns zu bereden, daß wir hienieden verleugnen. Da werde ich mir wahrhaftig als; schönes Empfehlungsschreiben vorausschicken und als herrliche Schlüssel mitbringen die Furcht vor denen, welche bloß den Leib töten, der Seele aber nicht schaden können! Da werde ich mich durch Nichtbefolgung obiger Vorschrift bestens empfohlen haben! Da werde ich, der ich auf Erden nicht standhalten konnte, einen Ehrenplatz in den himmlischen Gefilden bekommen! Da werde ich den größeren Mächten Trotz bieten, nachdem ich vor den kleineren zurückgewichen bin! Ich werde mit einem Worte mir die Zulassung verdienen, obwohl ich schon ausgeschlossen bin. Es fehlte bloß noch, daß man sagte: Wenn das Bekenntnis erst im Himmel |215 geschehen muß, dann Ist hienieden das Ableugnen notwendig. Denn wohin das eine davon gehört, dahin gehört beides. Gegensätze laufen ja immer nebeneinander her. Es wird dann notwendigerweise auch eine Verfolgung im Himmel angestellt werden müssen, welche zum Bekennen oder Verleugnen Gelegenheit darbietet. Was zögerst du daher, verwegener Häretiker, das Geschäft der Einschüchterung der Christen in seiner ganzen Ausdehnung in den Himmel zu übertragen und vor allem den Haß gegen das Christentum dorthin zu verpflanzen, wo Christus zur Rechten des Vaters sitzet? Dahin versetze auch die Synagogen der Juden, diese Ausgangspunkte der Verfolgungen 82), vor welchen die Apostel gegeißelt worden sind; dahin die heidnischen Völker, jedes mit seinem Zirkus, wo sie so gern schreien: Wo bleibt denn das dritte Geschlecht? 83) Auch unsere Brüder, Väter, Kinder, Schwiegersöhne und Töchter und unsere Hausgenossen, welchen der Verrat zugewiesen ist, müßt ihr uns dort zeigen; ebenso die Könige, die Präsidenten und die bewaffnete Macht, vor welchen die Sache auszukämpfen ist. Es gibt dann sicher im Himmel auch ein Gefängnis, welches der Sonne entbehrt oder sich nur ungern erleuchtet sieht; die Fesseln sind vielleicht aus den Himmelszonen gemacht und als Equuleus 84) dient der Pol, der sie dreht. Soll der Christ gesteinigt werden, so wird man dort den Hagel haben; soll er verbrannt werden, so sind die Blitze bei der Hand; soll er durchbohrt werden, so wird |216 die Hand des bewaffneten Orion tätig sein; sollen ihm Bestien den Garaus machen, so wird der Norden den Bären loslassen, der Tierkreis die Stiere und Löwen, Wer das aushält bis zum Ende, der wird gerettet werden. Also wird es auch ein Ende im Himmel geben, sowie Leiden, Tod und erstes Bekenntnis! Aber wo wird dann das Fleisch sein, das zu allen diesen Dingen doch so notwendig ist? Wo der Leib, der ja allein nur von dem Menschen getötet werden kann? 85)

Das sind allerdings Scherze, aber wir haben auch Grund genug, sie zu machen, und niemand wird uns die Einrede als sperrenden Riegel vorhalten können, er sei doch nicht in die Notwendigkeit versetzt, alles, was bei den Verfolgungen vorkommt, die ganze Prozeßführung, die gesetzmäßige Form und die sämtlichen Zurüstungen bei denselben dahin zu versetzen, wo er das Forum für das Bekennen hinverlegt habe. Denn das Bekennen ist ja ein Ergebnis, wird durch die Verfolgung herbeigeführt, die Verfolgung endigt mit dem Bekenntnis, und es ist unausbleiblich, daß das, was den Eingang und Ausgang, d. h. den Anfang und das Ende ausmacht, zusammen erfolge. Nun findet sich aber der Haß gegen das Christentum gerade hienieden, hienieden bricht die Verfolgung aus, hienieden stellt die Anzeige uns vor das Tribunal, hienieden setzt das Verhör uns zu, hienieden wütet die Folter; all diese Vorgänge hier auf Erden kommen aber zum Abschluß, entweder im Bekenntnis oder in der Ableugnung. Wenn sich also alles übrige hier abspielt, so wird wohl auch das Bekenntnis nicht anderswo stattfinden; wenn aber das Bekenntnis anderswo vor sich geht, dann auch alles übrige. Nun findet aber das übrige nirgendwo anders statt, folglich geschieht auch das Bekennen nicht erst im Himmel. Wenn sie aber willkürlich annehmen, das Verhör und Bekennen im Himmel sei von anderer Art, so werden sie auch, einen ihm eigenartigen Verlauf aufstellen müssen, und |217 dieser wird dann ein ganz anderer und von dem jetzigen Verfahren, wie es sich in der Hl. Schrift angegeben findet, verschiedener sein. Und nun können wir sagen: Mögen sie sehen, wie sie zurechtkommen, da dieser 86) Verlauf des Verhörs und Bekenntnisses auf Erden, wie es aus Anlaß der Verfolgung und öffentlichen Abneigung hervorgeht, für den Glauben, der sich nach ihr (der Hl. Schrift) richtet 87), vollständig sichergestellt ist, so daß man es so zu glauben hat, wie es in der Schrift steht, und es so verstehen muß, wie es ihrem Wortlaut entspricht. Hienieden erwarte ich den ganzen Verlauf der Sache, da der Herr selbst keine andere Weltregion dafür anweist. Denn warum fügt er nach der Bestimmung über Bekennen und Verleugnen hinzu: „Glaubet nicht, daß ich gekommen sei, um den Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert", natürlich auf die Erde. „Denn ich bin gekommen, um den Menschen zu scheiden von seinem Vater, die Tochter von ihrer Mutter, die Schnur von ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen der Menschen werden seine Feinde sein." So nämlich wird bewirkt, „daß der Bruder den Bruder zum Tode ausliefert und der Vater den Sohn, Kinder sich gegen ihre Eltern erheben und ihren Tod bewirken, und wer aber bis zum Ende ausharret, der mag gerettet werden" 88). Die ganze Aufgabe also, welche das Schwert des Herrn hat, vollzieht sich hier; es ist nicht in den Himmel gebracht worden, sondern aul die Erde; somit hat eben dahin Christus auch das Bekennen verlegt, jenes Bekennen, das, wenn es bis zum Ende ausharret, den Tod erleiden wird. |218 

11. Nach derselben Regel, behaupten wir, bezieht sich auch das Folgende auf das Martyrium. „Wer sein Leben", heißt es, „mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert" 89), d. h. wer es vorzieht, zu leben und mich zu verleugnen, statt mich zu bekennen und zu sterben. Und: „Wer sein Leben findet, der wird es verlieren, wer es aber um meinetwillen verliert, der wird es finden," Mithin findet es der, welcher leugnet, um sein Leben zu profitieren; allein er verliert es dennoch ---- an die Hölle ---- wenn er meint, durch sein Leugnen es zu gewinnen. Der aber, welcher bekennt und getötet wird, verliert es für den Augenblick; doch er wird es wieder finden zum ewigen Leben. Daher sagen sogar die Präsidenten, wenn sie zum Ableugnen ermuntern wollen: „Erhalte doch dein Leben", oder: „Vernichte doch dein Leben nicht!" Wie würde Christus wohl sprechen? Nur so, wie der Christ behandelt werden soll. Wenn aber Christus verbietet, auf eine Antwort vor dem Richter zu sännen, so belehrt er seine Diener, verheißt ihnen, der Hl. Geist werde antworten, und wenn er will, daß der Bruder im Kerker besucht werden soll 90), so befiehlt er damit eine Fürsorge für die Bekenner, und wenn er versichert, Gott werde Rache üben für seine Auserwählten 91), so ist das ein Trost für ihre Leiden. Auch in dem Gleichnis von dem Samen, der neben das Ackerland fiel und vertrocknete, versinnbildet er die Glut der Verfolgung, Wenn diese Aussprüche nicht so genommen werden, wie sie lauten, dann haben sie offenbar neben dem Wortlaut einen ändern Sinn, und die Worte besagen etwas anderes als die Gedanken, wie bei Allegorien, Parabeln und Rätseln.

Mögen also jene Skorpione noch so empfänglich sein für jede Art windiger Sophistik, mögen sie ihren Stachel bald hier, bald dort ansetzen ---- es gibt nur einen Kampfplatz: Sie werden auf die wirklichen Dinge verwiesen, ob sie schriftgemäß sich vollziehen. Denn nur dann wird in Stellen der Hl. Schrift ein |219 allegorischer Sinn vorliegen, wenn sich die Sache selbst in der Wirklichkeit nicht findet. Was geschrieben steht, wird auch geschehen müssen. Ferner, was geschrieben steht, wird dann geschehen, wenn nichts anderes geschieht. Und siehe da, wir werden wirklich von allen Menschen um seines Namens willen gehaßt, wie geschrieben steht; wir werden von unsern nächsten Angehörigen ausgeliefert, wie geschrieben steht; vor die Gewalthaber gestellt, verhört und gemartert bekennen wir und werden getötet, wie geschrieben steht. So hat der Herr es verkündet. Wenn er dies anders gesagt hat, warum kommt das, was er gesagt hat, nicht anders, d. h. so, wie er gesagt hat? 92) Nun aber kommt es eben nicht anders, als er gesagt hat. Also wie es geschieht, so hat er es angekündigt, und wie er es angekündigt hat, so geschieht es. Es hätte auch gar nicht anders kommen dürfen, als er ausgesagt hat, und er hätte auch nichts anderes sagen können, als was er wollte, daß kommen sollte. Mithin werden die Schriftstellen nichts anderes bedeuten, als das, was wir in der Wirklichkeit wiederfinden. Gehen aber die angekündigten Ereignisse jetzt noch nicht vor sich, wie kommt es dann, daß das, was sich wirklich ereignet, nicht angekündigt ist? Denn das, was sich wirklich ereignet, ist nicht verkündet, wenn das, was verkündet wurde, etwas anderes ist als das, was sich wirklich ereignet. Jetzt aber, weil die Ereignisse mit den Worten übereinstimmen, meint man, letztere seien allegorisch gemeint. Was würde erst geschehen, wenn die Ereignisse anders vor sich gingen?! Aber darin gerade besteht die Verirrung im Glauben, Bewiesenes nicht zu glauben und nicht Bewiesenes |220 anzunehmen. Dieser Verirrung stelle ich noch folgende Bemerkung entgegen: Wenn diese Dinge, die so vor sich gehen, wie geschrieben steht, nicht die angekündigten sind, dann dürfen auch die ändern Dinge 93) nicht so vor sich gehen, wie geschrieben steht, so daß auch sie nach Analogie der ersteren Gefahr laufen ebenfalls abgewiesen zu werden. Wenn einmal anders die Fakta sind, anders die Worte, so bleibt nichts übrig, als sie bei ihrem Eintreffen für nicht angekündigt zu halten, wenn sie anders angekündigt werden, als sie eintreffen. Und wie soll man an Dinge glauben, die nicht verkündet worden sind, deshalb eben nicht verkündet worden sind, weil sie nicht so verkündet worden sind, wie sie sich ereigneten?! So kommt es, daß die Häretiker, was verkündet wurde, nicht glauben, so eben nicht, wie es durch die Wirklichkeit verbürgt ist, dafür aber Dinge glauben, die nicht einmal angekündigt worden sind.

12. Wer mußte nun wohl das innerste Mark der Hl. Schrift besser kennen, als eben die Schule Christi selbst? Der Herr hat in seine Schule nur solche Schüler aufgenommen, welche über alles belehrt wer-,den sollten, und für uns nur solche Lehrer bestimmt, welche alles lehren sollten! Wem würde er wohl lieber das Sinnbildliche seines Ausspruches erklärt haben, als dem, welchem er das Bild seiner Herrlichkeit enthüllt hat, einem Petrus, Johannes, Jakobus und nachher einem Paulus, welch letztern er sogar das Paradies kosten ließ, noch bevor er das Martyrium erlitt? Oder schreiben etwa auch die Genannten anders, als sie denken, wie Lehrer des Truges, nicht wie Lehrer der Wahrheit? Petrus schreibt an die Bewohner von Pontus 94): „Wie groß ist der Ruhm, wenn ihr Strafen erleidet, aber nicht wegen Vergehungen! Denn das ist Gnade, und dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten hat, sich selbst uns als Beispiel hinterlassend, damit wir seinen Fußstapfen folgen." Und wieder: „Geliebteste, |221 schrecket nicht zurück vor der Feuerprobe, welche euch widerfährt zur Prüfung, als wenn euch etwas Unerhörtes träfe. Denn in dem Maße, wie ihr an den Leiden Christi teilnehmet, freuet euch, damit ihr auch bei der Enthüllung seiner Herrlichkeit euch freuen und frohlocken könnt. Selig seid ihr, wenn ihr um des Namens Christi willen Schmach leidet, weil die Herrlichkeit und der Geist Gottes in euch ruht. Daß nur niemand unter euch leide, weil er ein Mörder, Dieb oder Bösewicht ist oder nach fremdem Gute trachtet! Wofern er aber als Christ leidet, so soll er sich dessen nicht schämen; er verherrliche vielmehr den Herrn in diesem Namen" 95).

Johannes ermahnt uns, „unser Leben sogar für unsere Brüder hinzugeben", und stellt in Abrede, daß in der Liebe Furcht sei. Denn „die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, weil die Furcht Pein hat, und wer fürchtet, in der Liebe nicht vollkommen ist" 96). Welche Furcht könnte man passender darunter verstehen als die, welche die Veranlassung zum Verleugnen wird? Welche Liebe bezeichnet er als die vollkommene, wenn nicht die, welche die Furcht verscheucht und zum Bekenntnis ermutigt? Welche andere Strafe diktiert er der Furcht zu, wenn nicht die, welche der Abtrünnige mit sich zurückbringt, der mit Leib und Seele dem Höllentode verfällt? Wenn wir nach seiner Lehre schon für die Brüder sterben sollen, dann noch viel mehr für den Herrn. Eine solche Ermahnung zu geben, war er auch durch die ihm zuteil gewordene geheime Offenbarung genügend unterrichtet worden. Hat ja doch der Geist dem Engel der Kirche. von Smyrna befohlen: „Siehe, der Teufel wird einige aus der Zahl der Deinen in den Kerker bringen, um sie zu versuchen zehn Tage lang. Sei getreu bis in den Tod und ich werde dir die Krone des Lebens geben" 97). Ähnliche Worte werden an den Engel von Pergamus gerichtet in Betreff des Antipas, des getreuesten Märtyrers, der in der Behausung des Satans getötet wurde; ähnliche an |222 den von Philadelphia 98), daß von der letzten Versuchung befreit werde, wer den Namen des Herrn nicht verleugnet habe. Sodann verheißt er den Siegern das eine Mal den Baum des Lebens und Nachlaß des zweiten Todes, das andere Mal verborgenes Manna mit den weißen Steinchen und dem verborgenen Namen, dann die Macht des eisernen Szepters und die Helle des Morgensternes, dann das weiße Kleid zu tragen, nicht ausgelöscht zu werden aus dem Buche des Lebens, eine Säule im Tempel Gottes zu werden, die mit dem Namen Gottes des Herrn und des himmlischen Jerusalems bezeichnet ist, endlich zu sitzen mit dem Herrn auf seinem Throne, was einst den Söhnen des Zebedäus versagt wurde 99).

Wer sind denn diese glücklichen Sieger, wenn nicht recht eigentlich die Märtyrer? Der Sieg ist dessen, der kämpft, wer aber kämpft, der vergießt auch sein Blut. Vorläufig ruhen die Seelen der Märtyrer ruhig unter dem Altare, durch das Vertrauen, gerächt zu werden, geben sie ihrer Geduld Nahrung und bekleidet mit ihren Kleidern nehmen sie ihre Anwartschaft auf die Klarheit in Besitz, bis die Zahl der Genossen ihrer Herrlichkeit durch die ändern vollzählig wird. Denn es ist wiederum geoffenbart, daß der Weißgekleideten und der mit Siegespalmen Ausgezeichneten eine unzählbare Menge sei, nämlich derer, die über den Antichrist triumphieren, wie einer von den Ältesten sagt: ,,Diese sind es, die aus jener großen Trübsal kommen und ihr Gewand gewaschen und weiß gemacht haben im Blute des Lammes" 100). Das Gewand der Seele ist der Leib. Der Schmutz nämlich wird in der Taufe abgewaschen, die Flecken aber durch das Martyrium weißgemacht; denn nach Isaias soll aus dem Rot und Scharlach eine Weiße wie die des Schnees und der Wolle hervorgehen 101). Auch wenn das große Babylon dargestellt wird als trunken vom Blut der Heiligen, so ist diese Trunkenheit ohne |223 Zweifel bewirkt durch den Becher der Martyrien. Was die Furcht vor letzteren bringen werde, ist in gleicher Weise dargestellt. Unter den ändern Verworfenen, ja sogar vor allen ändern stehen die Feiglinge, „Den Feiglingen", heißt es, „und sodann den übrigen wird ihr Anteil im Pfuhle des Feuers und Schwefels sein" 102). So hat die in seinem Briefe genannte Furcht, welche durch die Liebe hinausgetrieben wird, ihre Strafe gefunden.

13. Vollends Paulus, der aus einem Verfolger eia Apostel geworden, der zuerst das Blut der Kirche vergossen und dann nachher das Schwert mit der Feder vertauscht, das Messer in eine Pflugschar verwandelt hat, der reißende Wolf Benjamins, der dann selbst Speise herbeibringt nach dem Worte Jakobs ---- wie sehr hat er nicht das Martyrium als auch für ihn selbst wünschenswert hervorgehoben! So, wenn er sich über die Thessalonicher freuend ausruft: „Daß wir uns in den Kirchen Gottes euer rühmen wegen eurer Geduld und eures Glaubens in allen Verfolgungen und Drangsalen, in welchen ihr erwartet die Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, um würdig befunden zu werden seines Reiches, um dessentwillen ihr auch leidet!" 103) So auch im Briefe an die Römer: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in der Bedrängnis, wohl wissend, daß die Bedrängnis Geduld bewirkt, die Geduld Bewährung, die Bewährung Hoffnung, die Hoffnung aber trügt nicht" 104). Und abermals: „Wenn wir Söhne sind, dann sind wir auch Erben, Erben nämlich Gottes, Miterben aber Christi. Denn da wir mit ihm leiden, so werden wir auch mit ihm verherrlicht werden. Denn ich achte, daß die Leiden dieser Zeit nicht wert seien der Herrlichkeit, die an uns wird geoffenbart werden" 105). Darum ruft er nachher auch aus: „Wer wird uns trennen von der Liebe Christi? Verfolgung, Bedrängnis, Hunger, Blöße, Gefahr oder das Schwert? wie geschrieben steht: |224 Deinetwegen werden wir getötet jeden Tag und sind wir geachtet für Schlachtschafe; allein in allen diesen Dingen siegen wir um dessentwillen, der uns geliebt hat. Denn wir sind überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Macht, Höhe, Tiefe noch irgendeine andere Kreatur uns zu trennen vermag von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu" 106), Den Korinthern zählt er seine Leiden auf und schreibt ihnen damit doch ganz gewiß auch vor, zu leiden: „In Arbeiten und Mühen reichlich, im Kerker häufig, öfters in Todesgefahr habe ich von den Juden fünfmal vierzig Streiche weniger einen empfangen, dreimal bin ich mit Ruten gestrichen, einmal gesteinigt worden usw." 107).

Wenn es dir scheinen sollte, das seien mehr nur Unannehmlichkeiten als eigentliche Martyrien, so sagt er doch auch wiederum: „Darum habe ich Wohlgefallen an meinen Schwachheiten, Unbilden, Nöten, Verfolgungen und Bedrängnissen für Christus" 108), Und im vorhergehenden: „Allenthalben leiden wir Trübsal, aber wir werden nicht bange; wir geraten in Not, aber wir kommen nicht darin um; wir leiden Verfolgung, aber wir sind nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, gehen aber nicht zugrunde, indem wir beständig die Abtötung Christi an unserem Körper mit uns herumtragen" 109). „Auch wenn", sagt er, „unser äußerer Mensch verunstaltet wird ---- nämlich das Fleisch durch die Gewalt der Verfolgung ----, der innere erneuert sich von Tag zu Tag ---- die Seele nämlich durch die Hoffnung der Verheißung. Denn unsere gegenwärtige Trübsal, die vorübergehend und leicht ist, bewirkt eine überschwängliche, ewige Fülle von Herrlichkeit für uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare" 110). „Was sichtbar ist, das ist vorübergehend", bemerkt er hinsichtlich der Widerwärtigkeiten, „das Unsichtbare aber ist ewig", wie er hinsichtlich der |225 Belohnungen verspricht. Vollends wo er den Thessalonichern in Betreff seiner Fesseln schreibt, nennt er diejenigen glücklich, denen es gegeben sei, nicht bloß an Christus zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden. „Ihr habt denselben Kampf", heißt es, „den ihr an mir gesehen habt und von dem ihr jetzt höret 111). Denn wenn ich auch ein Opfer werde, so bin ich froh und freue mich mit euch allen; ebenso sollt auch ihr froh sein und euch freuen mit mir" 112). ---- Da siehst du, was für eine Erklärung über das Glück des Märtyrertums er gibt, indem er noch eine Erhöhung für dasselbe in der geteilten Freude sucht.

Wie schreibt er, der Erreichung seines Wunsches bereits nahegebracht, in der Voraussicht desselben frohlockend, an Timotheus: „Ich werde bereits geopfert und die Zeit meiner Auflösung steht bevor; ich habe einen guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt; es fehlt nur noch die Krone, die mir an Jenem Tage der Herr geben wird" 113), nämlich die Krone des Leidens. Hinreichend war auch die vorangegangene Ansprache: „Wahrhaft ist das Wort. Denn wenn wir mit Christo gestorben sind, so werden wir auch mit ihm leben; wenn wir dulden, werden wir auch mit herrschen; wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen; wenn wir nicht glauben, so bleibt er doch getreu und kann sich nicht verleugnen" 114). „Schäme dich also nicht des Martyriums unseres Herrn und auch nicht meiner, seines Gefesselten." Hatte er doch kurz vorher gesagt: „Nicht einen Geist der Furcht hat er uns gegeben, sondern der Stärke, der Liebe und des gesunden Sinnes" 115). Infolge der Stärke nämlich leiden wir aus Liebe zu Gott, und zwar mit gesundem Sinne, da wir unschuldig leiden. Und wenn er Ausdauer vorschreibt, für wen ist sie mehr als für die, deren Leiden er bevorstehen sieht? Wenn er uns vor der Idololatrie wie durch eine Mauer schützen |226 will, was stellt er ihr mehr entgegen als die Mauer des Martyriums?

14. Allerdings ermahnt er die Römer, allen Gewalten Untertan zu sein, weil es keine Gewalt gibt als von Gott, weil sie nicht ohne Grund das Schwert trägt und eines göttlichen Amtes waltet; „aber sie ist auch", sagt er, „eine Rächerin zum Zorne für den, der Unrecht tut". Denn er hatte vorausgeschickt: „Die Fürsten sind nicht furchtbar dem guten Werke, sondern dem bösen. Willst du aber die Gewalt nicht zu fürchten haben, so tue Gutes, und du wirst Lob von ihr erhalten. Sie ist also eine Dienerin Gottes dir zum besten. Wenn du aber Böses tust, so fürchte" 116). Er befiehlt dir also, den Gewalten Untertan zu sein, nicht um Gelegenheit zu geben, das Martyrium illusorisch zu machen, sondern, als Aufforderung, gut zu leben, selbst in Rücksicht auf sie als Helferinnen der Gerechtigkeit, als Dienerinnen des göttlichen Gerichtes, welche schon hienieden über die Schuldigen zum voraus aburteilen. Sodann fährt er fort und gibt an, wie du nach seiner Lehrmeinung den Gewalten Untertan sein sollst, indem er dich Steuer geben heißt, wem Steuer gebührt, und Zoll, wem Zoll, d. h. „dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist"; der Mensch aber gehört Gott allein zu. So hatte nämlich auch Petrus gesagt: „Daß man den König zwar ehren müsse" 117), doch so, daß er als König geehrt werde, wenn er bei seinen Angelegenheiten bleibt und sich vom Verlangen nach göttlicher Ehre fernhält. Auch Vater und Mutter sollen geliebt werden mit Gott, nicht aber ihm gleichgestellt werden; übrigens mehr als Gott darf man nicht einmal seine eigene Seele lieben.

15. Sind jetzt auch die Briefe der Apostel ins Wanken geraten? 118) Und sind wir immerfort die einfältigen |227 Seelen und nur Tauben 119), die sich gern verirren? Durch das Verlangen, uns das Leben zu erhalten, dünkt mich. Indes, mag es so sein, daß der Sinn aus ihren Briefen 120) verschwindet, die Lehre aber, die in dem enthalten ist, was die Apostel, wie wir wissen, wirklich litten, diese Lehre ist nicht wegzudeuten. Diese Lehre und keine andere finde ich, wenn ich die Apostelgeschichte durchblättere; weiter suche ich nichts mehr. Da ist die Rede von Kerkern, Banden, Geißeln, Steinigung, Schwertern, von Angriffen seitens der Juden, Zusammenrottungen der Heiden, Verhörtabellen der Tribunen, Audienzsälen der Könige, Richterstühlen der Prokonsuln und Appellationen an den Namen des Kaisers. Diese Dinge bedürfen keiner Deutung. Daß Petrus geschlagen 121), Stephanus unter Steinen erdrückt, Jakobus geopfert, Paulus hinausgeschleift wurde 122), diese Dinge sind mit ihrem Blute niedergeschrieben.

Wollten die Häretiker etwa zuverlässige amtliche Aufzeichnungen dessen verlangen, so werden die kaiserlichen Aktenstücke sprechen und die Steine Jerusalems. Wir haben die Lebensgeschichten der Kaiser gelesen; Nero war der erste, der zu Rom den aufkeimenden Glauben mit Blut düngte. Damals wird Petrus wirklich von einem ändern gegürtet, indem er an das |228 Kreuz festgebunden wird; damals erlangt Paulus in Wahrheit das römische Bürgerrecht, indem er daselbst 123) im Adelstande des Martyriums wiedergeboren wird. Wo auch immer ich dieses lese, lerne ich daraus das Leiden, und es liegt mir nichts daran, welchen Lehrmeistern im Märtyrertum ich folge, den Ansichten oder den endlichen Schicksalen der Apostel, nur daß ich in den endlichen Schicksalen ihre Ansichten wiederfinde. Denn sie würden nichts gelitten haben, als nur, wovon sie früher bereits wußten, daß man es leiden müsse.

Als Agabus dem Paulus durch seinen Gestus 124) Fesselung prophezeite, war es vergeblich, daß die Schüler unter Tränen baten, er solle sich nicht nach Jerusalem begeben. Denn Paulus war so, wie er immer gelehrt hatte, ein Mann voll Mut und sagte: „Warum weint ihr und betrübt euer Herz? Ich wünschte nicht bloß Fesseln zu Jerusalem zu leiden, sondern sogar zu sterben um des Namens meines Herrn Jesu Christi willen." Und so hörten sie denn auf und sagten: „Es geschehe der Wille des Herrn", in der Überzeugung natürlich, daß die Leiden dem Willen Gottes entsprächen. Denn sie hatten diesen Versucht gemacht nicht in der Absicht, um ihn abzumahnen, sondern aus Liebe, um ihn zu behalten, aus Verlangen nach dem Apostel, nicht um ihm das Martyrium zu widerraten.

Wenn damals bereits ein Prodikus oder ein Valentinus dagestanden und ihm zugeflüstert hätte, man brauche auf Erden kein Bekenntnis vor den Menschen abzulegen, um so weniger, weil Gott nicht nach dem Blute der Menschen dürste und Christus keine Vergeltung für sein Leiden verlange, als begehre er erst selbst noch durch diese Vergeltung sein eigenes Heil zu erlangen ----so würde er sogleich von dem Knechte Gottes die Worte zu hören bekommen haben, die der Teufel vom Herrn zu hören bekam: „Weiche von mir, Satan, du bist mir ein Ärgernis. Es steht geschrieben, du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen" 125). Auch jetzt |229 wird er sie zu hören bekommen müssen, soweit er, wenn auch lange Zeit nachher, dieses Gift mischt. Es wird aber so leicht keinem Kranken schaden, wenn derselbe nur diesen unsern aus dem Glauben bereiteten Heiltrank vorher oder auch nachher zu sich nimmt.


Anmerkungen

1. 1) Über die Abfassungszeit vgl. Einleitung S. 23.

2. 1) Die gewöhnliche Lesart lautet: et unguendi bestia calcem, was Kellner nach der Erklärung bei Oehler I, 496 übersetzte „und mit der zerquetschten Bestie den Fuß einreihen". Das kann aber unmöglich richtig sein. Denn T. denkt hier, wie sich aus dem Folgenden ergibt, an Luk. 10, 19: Ecce dedi vobis potestatem calcandi supra serpentes et scorpiones. Die Wiener Ausgabe schreibt: et iniciendi bestiae calcem. Damit ist der Sinn getroffen; aber statt „unguendi" wird nicht „iniciendi" sondern „impingendi" zu lesen sein.

3. 2) Apg. 28, 3.

4. 3) Die Stelle Luk. 10, 19.

5. 4) De suo darf, glaube ich, nicht übersetzt werden „in Betreff seiner". Es bedeutet hier „aus seiner Kraft", „aus sich, heraus". Über den Gebrauch von de bei T. vgl. Hoppe 38.

6. 1) Acerba mediocritas et istis (sc. scorpiis) wird von Kellner übersetzt : Ihre Unbedeutenheit ist lästig; aber der Vergleichungspunkt kann nur der kleine giftige Schwanz bei den Skorpionen sein, wie es auch später heißt: trahentes adhuc caudam.

7. 1) Nach der von Junius vorgeschlagenen und von der Wiener Ausgabe angenommenen Lesart: in suo pure. Die gewöhnliche Lesart lautet: in suo sopore.

8. 2) Unter diesem Cynocephalus will Rigaltius den Teufel verstehen. Mit einem Hundekopf wurde der ägyptische Anubis dargestellt und in der Kaiserzeit mit Hermes oder Merkur identifiziert. Wen Tertullian eigentlich damit meint, ist nicht zu erraten; daß er auf eine lebende Persönlichkeit anspielt, ist nicht unwahrscheinlich.

9. 1) Nämlich als den einzigen wahren Gott, der den Götzendienst verbietet.

10. 1) Exod. 20, 2 ff. 

11. 2) Ebd. 20, 22.

12. 3) Deut. 6, 4 ff.

13. 4) Ebd. 11, 27 ff.

14. 1) Deut. 12, 2. 3.

15. 2) Ebd. 12, 30.

16. 3) Ebd. 13, 1 ff.

17. 4) Ebd. 13, 6 ff.

18. 1) Deut. 13, 16 f.

19. 2) Ebd. 27, 15.

20. 3) Lev. 19, 4.

21. 4) Ebd. 25, 55; 26, 1.

22. 1) Ps. 135, 15ff. Ebd. 115, 4 ff.

23. 2) Mendacio, im objektiven Sinne, Dinge, die nicht Gott sind und Gott sein können.

24. 3) Nach der Lesart der Handschriften „quos potius ipse perdiderit", wofür Junius und die Wiener Ausgabe setzen wollen : „quo se potius ipse perdiderit". Unter „ipse" wird aber Moses zu verstehen sein und dann ist die überlieferte Lesart richtig.

25. 1) ihren Befreier und Vater.

26. 1) Richt. 2, 20. 21.

27. 2) In den beiden ersten Büchern gegen Marcion.

28. 1) Nach der Lesart: nisi illis manus dedere. 

29. 2) Hoc defendendo, gemeint ist der Fahneneid; defendere steht bei T. an vielen Stellen = asserere, vindicare.

30. 3) In dem genannten Werke gegen die Marcioniten.

31. 1) Nach der Lesart des Agobardinus: martyrium enim non de communi aliqua malitia certat cum idololatria. Die Wiener Ausgabe gab, wie ich glaube mit Unrecht, der anderen Lesart „militia" statt „malitia" den Vorzug. Aus dem Vorhergehenden folgt nämlich, daß T. sagen will : Martyrium und Idololatrie streiten nicht so miteinander, wie auch zwei Dinge miteinander streiten können, die beide bös sind, so daß ich sie nämlich beide nicht zu gleicher Zeit befriedigen kann, obwohl ich beiden anhange. So könne z. B. Grausamkeit und Unmäßigkeit oft mit einander streiten, so daß einer der Grausamkeit wegen auf die Unmäßigkeit verzichten muß, obwohl er die Unmäßigkeit liebt. Die Grausamkeit befreit ihn nicht vom Laster der Unmäßigkeit, er besitzt vielmehr beide; das Martyrium dagegen besitzt aus sich den Vorzug, daß es von der Idololatrie befreit; deshalb kann es nur gut sein.

32. 1) Oehler hat nach dem Agobardinus praesentia. Wissowa folgt der Konjektur des Gelenius praestantia.

33. 1) quod magno constaret: labore, cruciatu, tormento, morte. Nach Oehler ist im Agobardinus nach constaret eine Lücke, die mit „pretio" ausgefüllt wird. Notwendig ist „pretio" nicht.

34. 1) Dämlich Leib und Seele.

35. 2) als verlorene Schafe.

36. 3) Ps. 31, 11

37. 4) quibus in lavacro ipsa vita deponitur wird mit „da sie bei der Abwaschung ihr Leben selbst hingeben'' nicht richtig übersetzt. Der Gedanke ist: die Bluttaufe stellt das Heil sicher und erwirbt durch sich das Leben bei Gott. Zu „deponere" vgl. de res. carn. 63 : In deposito est (sc. caro) apud deum.

38. 5) 1 Petr. 4, 8.

39. 6) Vgl. Matth. 22, 37.

40. 1) de fiducia rationis . . . qua ratione etc. Gemeint ist die göttliche ratio, der göttliche Logos, der mit der Sophia identisch ist. Vgl. adv. Prax. 6.

41. 2) Eine solche Bibelstelle gibt es nicht. Sprichw. 9, 2 liest die Vulg. immolavit victimas suas. Da aber T. den Vers l, 20 mit „et ideo quid sequitur?" anführt, so muß er obigen Satz; im 1. Kapitel der Sprüche gelesen haben.

42. 3) argumentum crudelitatis; argumentum steht öfters bei T. = eine weisheitsvoll ausgedachte und deshalb bewunderungswürdige, ruhmvolle Sache; vgl. Oehler I, 24.

43. 4) Spr. 1, 20.

44. 5) Tgl. Spr. 1, 20 nach LXX: Ζοφία ἐν ἐξόδοις ὑμνεῖται, ἐν δὲ πλατείαις παῥῤησίαν ἄγει. „Agit de constantia" will sagen: Sie ist geschäftig, um die Standhaftigkeit zu bewirten,, und sie bewirkt sie dadurch, daß sie ihre Kinder zum Martertod beseelt

45. 1) Super summos autem muros confisa dicit; der griech. Text hat: Ἐπ' ἄκρων δὲ τειχέων κηρύσσεται.

46. 2) „inscribit" = schriftlich erklärt, was mehr bedeutet als eine bloß mündliche Erklärung.

47. 3) Is. 44, 5.

48. 4) Zach. 13, 19.

49. 5) Rom. 8, 32.

50. 6) T. will sagen: Worte, vor allem göttliche Worte, haben oft einen über dem Wortsinn liegenden höheren Sinn; so auch« das angebliche Schriftwort: Sophia iugulavit filios suos.

51. 1) Rom. 11, 33.

52. 2) Vgl. Apolog. 9.

53. 3) Der Satz ist irrealer Bedingungssatz und ironisch. Gott verlangt tatsächlich keine Menschenopfer, wie die heidnischen Götter. Der Satz darf deshalb nicht übersetzt werden: „Fordert nun unser Gott ebenfalls als ein ihm eigenes Opfer Martyrien"; propriae hostiae nomine ist = als Menschenopfer im eigentlichen Sinne.

54. 4) Ps. 115, 15.

55. 1) Is. 57, 1.

56. 2) Statt „puellae psalticae" setzen Gelenius und die Wiener Ausgabe „puellae salticae" = Tänzerin. Vgl. Matth. 14, 6 ff.

57. 3) Die Handschriften lesen „turbam urgeret officio". Unter „officio" verstehe ich die Aufforderung des Herolds Dan. 8, 4 ff. Die Wiener Ausgabe will lesen: „turbam urgeret officii", wofür ich keinen Grund finden kann.

58. 1) Baruch 6, 3-5.

59. 2) Dan. 3, 16 ff.

60. 3) Der Agobardinus, dem die Wiener Ausgabe folgt, liest quia nemo voluisset frustra occidi, nisi compos veritatis. Wenn man „frustra" festhält, wird man mit Oehler lesen müssen: nec nisi compos veritatis, und es wäre zu übersetzen: da niemand zwecklos den Tod hätte erleiden wollen, und nur der, der in den Besitz der Wahrheit gelangt war.

61. 1) Praeceptorum principia deducens. „Deducens" ist das griechische o(dhgei=n, vgl. Apol 2l „deductor generis humani"; der Paraklet ist der „deductor omnis veritatis" adv. Prax. 2.

62. 2) Matth. 5, 10. ---- Der Satz ist ironisch gemeint.

63. 3) Luk. 6, 23.

64. 1) Matth 10, 16 ff.

65. 2) Nach der Lesart des Agob. „ipsam hanc traditionem". T. denkt an die genannten Stellen, wo „tradent" „tradet" vom Heiland gebraucht wird, einmal an alle, einmal speziell an die Apostel sich richtend. Die Ausgabe des Gangneius, der die Wiener sich anschließt, liest : „ipsa hac permixtione" = durch diesen Wechsel, indem er sich bald an die Apostel, bald an alle wandte.

66. 3) Matth. 10, 22.

67. 1) Matth. 10, 28.

68. 2) in der zitierten Stelle Matth. 10, 16. 

69. 3) Ebd. 10, 31.

70. 4) In me confessus fuerit, entsprechend dem Urtext Matth. 10, 32 o(mologh&sei e0n e0moi/, wo die Vulgata einfach me confessus fuerit hat. Die ursprüngliche Übersetzung mußte beibehalten werden, da Tertullian eine etwas gesuchte Unterscheidung dabei macht, um das unten deutlicher ausgesprochene Sophisma der Gnostiker zu widerlegen.

71. 5) Etsi dispositio diversa est. T. denkt, wie sich auch aus dem Folgenden ergibt, an die verschiedene Ausdrucksweisa, einmal „in me", das anderemal „me".

72. 1) Nach der Lesart „non ad alium modum negationis pertinere"; „non" fehlt bei Gagneius und Oehler, es darf aber nicht wegbleiben.

73. 1) Nach olim sind im Agob. einige Buchstaben ausgeblieben, und dann folgt pro auspice. Hartel vermutet „improbo auspice", Wissowa einen Gedanken wie folgenden: non olim praesidem, aliquem diabolo auspice.

74. 1) Der Satz ist im Sinne der Gnostiker gesprochen, die der Pflicht des Bekenntnisses auf Erden durch diese Ausflucht entrinnen wollten.

75. 2) Der Agob, hat respecto, was offenbar falsch ist. Wissowa folgt der Konjektur receptu des Latinius. Zum Gedanken vgl. adv. Valent. cap. 7, 23 u. 30 ff.

76. 3) Τέλειοι, ἀκίνητοι, ἀβάσκαντοι, waren die Ausdrücke des Valentinus.

77. 4) Matth. 14, 13; 7, 12. Luk. 6, 31,

78. 1) Ne ipso quidem adhuc tunc in caelis homine conspecto. Vor in sind im Agob. einige Buchstaben ausgefallen; vielleicht ist zu ergänzen „unico". Jedenfalls ist die Übersetzung: „und den Menschen, wie er im Himmel sein wird, hatte man damals noch nicht gesehen" ganz verfehlt. Unter „ipso ... in caelis homine" ist Christus zu verstehen. T. denkt an l Kor. 15, 47 : secundus homo de caelo, caelestis ... et qualis caelestis, tales et caelestes. Als Christus die in Frage stehende Stelle aussprach, war er der einzige homo caelestis, aber als solcher noch nicht einmal vollkommen erkannt; vgl. de carne Chr. 8; de res. carnis 49; „conspicere" heißt „durch und durch erkennen" vgl. de cultu fem. II, 13: Deus conspector est cordis; ad nat. II, 7.

79. 1) Ps. 24, 7.

80. 2) Amos 9, 6, wo die Vulgata funiculus (Seil, Tau) hat.

81. 3) auf Erden.

82. 1) „Fontes persecutionum". T. denkt hierbei nicht an die Juden in der Diaspora, sondern der Ausdruck besagt nur, daß die ersten Verfolgungen von den Juden (in Palästina) ausgingen. Man darf daher aus dem Ausdruck nicht folgern, er klage die Juden in der Diaspora an, die Haupturheber der Christenverfolgungen zu sein.

83. 2) Die Benennung der Christen als „tertium genus" war also in Karthago geläufig. Vgl. hierzu ad nat. I, 8 u. I, 20. Nach I, 8 (72/21): sed de superstitione tertium genus deputamur, non de natione, ut sint Romani, Judaei, dehinc Christiani, bezog sich die Bezeichnung vor allem auf die religiöse Eigenart, die Gottesvorstellung und Gottesverehrung. Vgl. zu dieser Bezeichnung Harnack, Mission und Ausbreitung des Christent. 177 ff. u. 197 ff.

84. 3) Ein Folter-Instrument, der sogenannte Eselsrücken.

85. 1) Tertullian stellt diese Frage, weil die Gnostiker die Auferstehung des Fleisches leugneten, und weil er kein Leiden der Seele ohne Körper annimmt. In Bezug auf letzteren Punkt hat er aber nicht immer einheitlich gesprochen.

86. 1) jener Verlauf nämlich, wie ihn die Hl. Schrift aufgezeichnet hat. Der Satz knüpft auf das engste an den vorhergehenden an.

87. 2) omnino (so liest die Wiener Ausgabe statt: „in nomen", das von discordiae publicae abhängig wäre) salvus sit suae fidei, ut ita credendum sit, sicut et scribitur etc. Die Wiener Ausgabe will statt des „suae fidei" der Handschriften lesen: salvus sit, sua e fide ut ita credendum sit. Der Sinn bleibt derselbe und notwendig ist die Änderung nicht; „suae fidei" ist der Glaube an die hl. Schrift. (Vgl Hoppe 102 f.) 

88. 3) Matth. 10, 341; 10, 21 f.

89. 1) Matth. 10, 39. Luk. 14, 26.

90. 2) Matth. 25, 96.

91. 3) Luk. 18, 7.

92. 1) Si aliter edixit haec, cur non aliter eveniunt quae edixit, id est quemadmodum edixit? Kellner übersetzt: id est edixit, ,,sondern so, wie er es gesagt hat". Damit wird aber der Sinn der Argumentation verwischt. In etwas breiter Ausführung, die übrigens bei ihm nicht selten ist, erörtert T. den Gedanken: Es muß sich so vollziehen, wie es verkündet worden ist, und es ist so verkündet worden, wie es sich vollzieht; id est etc. bezieht sich zurück auf „si aliter edixit''. Wenn Christus es „aliter edixit" müßte es auch „aliter evenire", da es sich so vollziehen muß, wie er es verkündet hat.

93. 1) Nach der Wiener Ausgabe, die „alia quoque" statt „illa quoque" setzt,

94. 2) 1 Petr. 2, 20 ff.

95. 1) 1 Petr. 4, 12-16. 

96. 2) 1 Job. 3, 16; 4, 18. 

97. 3) Off. 2, 10. 12 ff.

98. 1) Off. 3, 7 ff.

99. 2) Ebd. 2, 7. 17. 27. 28; 3, 5. 12. 21.

100. 3) Ebd. 7, 14.

101. 4) Is. 1, 18.

102. 1) Off. 21, 8.

103. 2) 2 Thess. 1, 3. 4.

104. 3) Rom. 5, 3. 11.

105. 4) Ebd. 8, 17 ff.

106. 1) Rom. 8, 35 ff. 

107. 2) 2 Kor. 11, 23. 

108. 3) Ebd. 12, 10. 

109. 4) Ebd. 4, 8 ff. 

110. 5) Ebd. 4, 16-18.

111. 1) Phil, 1, 30, also ein Gedächtnisfehler Tertullians.

112. 2) Phil. 2, 17.

113. 3) 2 Tim. 4, 6 ff.

114. 4) Ebd. 2, 11-13. 

115. 5) Ebd. 1, 7ff.

116. 1) Rom. 13, 1-4.

117. 2) 1 Petr. 2, 17.

118. 3) Ich folge der Konjektur des Fulvius Ursinus: mobiles, ebenso Oehler und Wissowa. Der Agob. hat nobiles. Dagegen glaube ich, daß die Lesart des Agob. „Nunc ergo" keiner Aenderung (andere, auch Wissowa, lesen „Num ergo") bedarf.  Nunc bedeutet jetzt, in einer Zeit, wo die Gnostiker ihr Unwesen in der Schriftdeutung treiben, und alle, auch die klarsten Stellen, wie in den Evangelien so auch in den apostol. Briefen ins Wanken geraten. Auch der folgende Satz: et nos usquequaque etc. spricht dafür, daß „nunc" richtig ist.

119. 1) solummodo columbae, nur einfältige Tauben, nicht kluge Schlangen; „simplices aaimae", „solummodo columbae" ist eine Anspielung auf die Deutung, welche die Gnostiker der Stelle des Herrn : Seid klag, wie die Schlangen und einfältig, wie die Tauben, gaben, wonach sie, die Gnostiker, als die Pneumatiker, die klugen Schlangen darstellten, die die Hl. Schrift im pneumatischen Sinne verstehen, die gewöhnlichen Gläubigen aber, die Pistiker, die sich am einfachen Wortlaut der Hl. Schrift halten, als einfältige Tauben gelten sollten.

120. 2) a litteris suis sind dis Briefe der Apostel; zum Gebrauch von suus vgl. Hoppe 102 f.

121. 3) T. denkt wohl an Apg. 6, 40.

122. 4) distrahitur läßt sich wohl nur auf Apg. 14, 19 beziehen.

123. 1) nämlich in Rom.

124. 2) Apg. 21, 11 ff. 

125. 3) Matth. 4, 10.


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Übersetzt von Heinrich Kellner, 1912/1915.  Übertragen durch Roger Pearse, 2003.

Der griechischer Text wird mit mit einem Unicode Schriftkegel angezeigt.


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